Koralm
So steht es um den umstrittenen Lithium-Abbau auf der Weinebene

So sieht es im Inneren des Stollens auf der Weinebene aus – zwischen zwölf und 30 Millionen Tonnen Lithium sollen hier lagern. | Foto: European Lithium
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  • So sieht es im Inneren des Stollens auf der Weinebene aus – zwischen zwölf und 30 Millionen Tonnen Lithium sollen hier lagern.
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Der umstrittene Lithium-Abbau auf der Weinebene hat sich mittlerweile schon um fünf Jahre nach hinten verschoben. Der Betreiberfirma fehlen 460 Millionen Euro. Die umliegenden Gemeinden wissen von nichts, auch nicht in Deutschlandsberg, wo man sich um das Trinkwasser sorgt.

STEIERMARK. Etwas mehr als einen Kilometer von den Skiliften auf der Weinebene entfernt liegt der Eingang zum Traudi-Stollen, hinter dem sich mindestens zwölf Millionen Tonnen lithiumhaltiges Erz befindet – direkt hinter der steirischen Grenze zu Kärnten.

Sorge um Trinkwasser

Damit ist der Einfluss von steirischer Seite (noch) begrenzt, obwohl 20.000 Menschen von dort ihr Trinkwasser beziehen. Bohrungen und Sprengungen, so die Befürchtung, könnten unter diesen Wasserquellen durchlaufen, die Erschütterungen die Quellen versiegen lassen. Die Abbaulizenzen reichen bis auf die Bärentalalm, wo die Schwarze Sulm entspringt. Aus dessen Nebenflüssen und Quellen bezieht der Wasserverband Koralm (Deutschlandsberg, Frauental, Trahütten) sein Wasser. Auch Bad Schwanberg und St. Peter i.S. werden aus diesem Gebiet mit Wasser versorgt.

"Keine große Gefahr" durch Sprengungen

Laut Experten der Montanuniversität Leoben sei das Wassermanagement bei so einem kleinen Bergwerk technisch kein Problem. „Durch Sprengungen würde ich nicht allzu große Gefahr für Wasserquellen sehen“, sagt Heinrich Mali vom Lehrstuhl für Geologie und Lagerstättenlehre. Bei Erz und Nebengesteinen sieht er kein Gefahrenpotenzial. „Feldspat, Quarz oder Spodumen sind absolut ungiftig und auch relativ schwer löslich. Aus diesen Gesteinen heraus kann ich mir nicht vorstellen, dass eine Toxizität entsteht.“ Das Grundwasser, das vom Gestein des Gebirges in die Grube rinnt, müsse man wieder herauspumpen und prüfen, bevor man es in den Vorfluter einleiten kann.

Das Mineral Spodumen, aus dem Lithium gewonnen wird (aufgenommen am Lehrstuhl für Geologie und Lagerstättenlehre an der Montanuni). | Foto: Montanuniversität Leoben
  • Das Mineral Spodumen, aus dem Lithium gewonnen wird (aufgenommen am Lehrstuhl für Geologie und Lagerstättenlehre an der Montanuni).
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Ein Gutachten hätte die Gefährdung des Grund- und Quellwassers ausgeschlossen, da sich das Lithium-Vorkommen auf der anderen Seite des Berges befindet. Schon vor Jahren gab es wegen des Trinkwassers Rechtsstreitigkeiten, seitdem herrscht Funkstille. „Die reden mit uns nicht“, sagt Deutschlandsbergs Bgm. Josef Wallner. „Wir wissen, dass sie versuchen, aus der UVP-Pflicht herauszukommen. Aber mit uns kommunizieren sie nicht.“

Gerichtsverfahren könnten dauern

Eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) ist für einen Untertagebau mit mindestens zehn Hektar jedenfalls verpflichtend, das Projekt auf der Weinebene ist mittlerweile auf 9,6 Hektar „geschrumpft“. Derzeit prüft das Land Kärnten, ob eine UVP-Pflicht besteht. Im Herbst wird der Feststellungsbescheid dazu erwartet. Laut der Behörde könnte ein Verfahren noch Jahre dauern, denn selbst bei Nicht-UVP-Pflicht könne man vor Gericht gehen.

Abbau ab 2025?

Das macht einen Abbau ab 2025, wie die Betreiberfirma „European Lithium“ plant, ziemlich unrealistisch. Es wäre nicht der erste verschobene Baustart: Ursprünglich war von 2021/22 die Rede, zuletzt sprach CEO Dietrich Wanke in einem ORF-Interview von einer Vollproduktion ab Ende 2026/Anfang 2027.

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Der Stollen auf der Weinebene war einst im Besitz der Republik Österreich und sollte ursprünglich Uran für das nie in Betrieb gegangene AKW Zwentendorf liefern. Stattdessen entdeckte man dort Lithium. Das Metall, heute unerlässlich für Akkus in Handys, Laptops oder E-Autos, war in den 80ern aber noch nicht von Marktwert. Der Bund steckte mindestens 70 Mio. Schilling in die Erschließung der Mine, verkaufte sie 1991 um nur 1 Schilling an ein Kärntner Unternehmen. Dieses verkaufte die Mine (samt Abbaulizenz) 2011 um zehn Millionen Euro an „European Lithium“ weiter, ohne dort jemals selbst abgebaut zu haben.

Das Erz auf der Weinebene wolle man mindestens zehn Jahre abbauen, „European Lithium“ spricht von 200 Mio. Dollar Erlös pro Jahr. Für die tatsächliche Inbetriebnahme würden aber noch 500 Mio. Dollar (umgerechnet 460 Mio. Euro) an Investitionen fehlen. Dafür ist man seit Februar 2024 unter „Critical Metals“ (einem Zusammenschluss, an dem „European Lithium“ die Mehrheit hält) an der US-Börse notiert. Damit erwartet man sich Zugang zum US-Kapitalmarkt und „erhebliche zusätzliche Mittel“ für das Bergwerk auf der Weinebene. Den Ausgabekurs von 15,50 Dollar pro Aktie hat man seitdem nicht wieder erreicht, derzeit liegt die Aktie 40 Prozent darunter.

Das Explorationsgebiet in Wolfsberg, wo seit 2016 Probebohrungen durchgeführt werden | Foto: European Lithium
  • Das Explorationsgebiet in Wolfsberg, wo seit 2016 Probebohrungen durchgeführt werden
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Neben dem Geld braucht das Unternehmen auch einen Betriebsgewinnungsplan, um einen positiven Abbaubescheid für die Weinebene zu bekommen. Wenn der Lithium-Preis „ins Bodenlose“ fällt, würde es das Projekt nicht mehr geben, sagt Wanke.

Transport nach Saudi-Arabien

Mittlerweile ist die Weiterverarbeitungsanlage nicht mehr in Wolfsberg, sondern in Saudi-Arabien geplant – weniger Energiekosten und Bürokratie, so die Begründung. Das abgebaute Material würde in der Nähe der Windräder auf der Handalm aus dem Berg gebracht werden, per Lkw zu einem Bahnhof nach Deutschlandsberg, per Bahn zu einem Hafen und per Schiffscontainer ins Werk nach Saudi-Arabien. Gesetz gibt es keines, dass „European Lithium verpflichtet“, das Lithium aus Saudi-Arabien wieder nach Österreich oder in die EU zurück zu importieren. BMW hat allerdings schon 15 Mio. Dollar vorfinanziert und wäre erster Kunde.

Sollte Lithium in Österreich abgebaut werden?

Die Kärntner hören übrigens genauso wenig wie die Steirer vom Projekt: Wolfsberg hätte erst aus den Medien von den Saudi-Plänen erfahren. „Man erhält keine Informationen und keinen realistischen Plan, wie ein Abbau vonstattengehen soll“, sagte Günther Vallant, Bürgermeister von Frantschach-St. Gertraud, wo die Mine liegt, zu ORF Kärnten. „European Lithium“ weist diese Vorwürfe zurück. Dass das Unternehmen auf Spekulationsgewinne aus ist und an gar keinem Abbau interessiert sei, wie Vallant sagt, wolle man laut Wiener Zeitung nicht kommentieren.

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