24.09.2014, 11:33 Uhr

Heimatkunst als volkskulturelle Beilage

Der "Steirerkeller" in Großklein 23 ist nicht nur für sein Backhendl und andere kulinarische Genüsse, sondern auch für die Tafelbilder des Malers und Grafikers Paul Schmidtbauer bekannt. Auf dem Foto die Wirtsleute Alexandra und Alois Kröll.
Großklein: Wirtshaus Steirerkeller | Volkskulturelle Besonderheiten im "Steirerkeller" in Großklein

Dass in einem Wirtshaus Speise und Trank aufgetischt werden, versteht sich von selbst. Im „Steirerkeller“ in Großklein kommen zu den kulinarischen allerdings auch volkskulturelle Tafelfreuden hinzu: An den Wänden gibt es „Heimatkunst“ aus vergangener Zeit zu bewundern! Den Wirtsleuten ist es zu verdanken, dass die Tafelbilder fachmännisch restauriert werden konnten und so dem Haus auch in Zukunft als beliebte „Stammgäste“ erhalten bleiben.


(jf). Ist man im Wirtshaus „Steirerkeller“ in Großklein zu Gast, fällt der Blick automatisch auf die Bilder an der Wand. Ob Hochzeitszug oder Volksfest mit Krämermarkt, Musik, Tanz und fröhlichen Menschen im feschen Steirergewand – die bäuerlichen Szenen lassen auf eine gute Beobachtungsgabe des Künstlers schließen.
Der Bua, der seinem Dirndl ein Lebkuchenherz geschenkt hat und sich dafür ein Busserl holt, die Kinder, die entzückt vor dem Zuckerlstand stehen, eine gestandene Männerrunde beim Schuhhandel und zwei Kirtagsbesucher, denen der Wein zu Kopf gestiegen und ins Tanzbein gefahren ist. Die Darstellungen – vermutlich Öl auf Holz – spiegeln die Feierlaune des Volkes wieder. Und gewiss wurden auf den Bildern auch so manche Persönlichkeiten des Ortes „verewigt“. Gemalt von einem Menschen, der seinen künstlerischen Ambitionen vielleicht für Kost und Logis Ausdruck verliehen hat...
Die volkskulturellen Kostbarkeiten versah der Meister mit zum Teil lustigen und auch nachdenklichen Sprüchen in Kurrentschrift. Unter den Buam in Lederhose schrieb er zum Beispiel: „In der Fruah steh i auf wira Engerl so rein und auf d’Nocht rafn d’Menscha um mein Heiligenschein.“ Und mit der Feststellung „Zan Hoamgeahn, zan Hoamgeahn is ollerweil no Zeit“ spricht er Stammtischgesellen aus der Seele.
„Tafelbild, Tafelbild an der Wand, wer hielt den Pinsel in der Hand?“ Diese Frage beschäftigte schon lange Zeit die Gäste. Auch Alexandra und Alois Kröll, die das Wirtshaus 1997 erworben haben. Sie stellten Nachforschungen an und fanden heraus, dass es Paul Schmidtbauer (1892 – 1974) war, der die Kunstwerke geschaffen hatte. Der Maler und Grafiker war bekannt dafür, dass er sich als Künstler auch immer wieder mit sozialkritischen Themen auseinandersetzte, was ihn zum Opfer politischer Verfolgung machte. Mit der Wandmalerei fand er relativ früh eine Möglichkeit, auftragsschwache Zeiten finanziell zu überbrücken. Und so dürften wohl auch seine Werke in Großklein auf eine „Brotarbeit“ zurückzuführen sein. Über das Leben und Wirken von Paul Schmidtbauer wird im Katalog „Moderne in dunkler Zeit – Widerstand, Verfolgung und Exil steirischer Künstlerinnen und Künstler 1933 – 1949“ ausführlich berichtet.
Die Großkleiner Wandbilder haben im Laufe der Jahrzehnte bestimmt unzählige Stammtischgespräche belauscht. Es wird vermutet, dass sie in den 30er-Jahren entstanden sind. Auf jeden Fall vor 1937, denn auf einer mit diesem Jahr datierten Ansichtskarte vom Gasthaus sind die Tafelbilder bereits zu sehen, wie Alois Kröll eruiert hat.
Leider haben Rauch und andere Einflüsse die Malerei abgedunkelt. Zum Glück hat das Gastwirtehepaar Alexandra und Alois Kröll die besondere Bedeutung der Tafelbilder erkannt und sie vor fünf Jahren unter Heranziehung von Experten restaurieren lassen. „Wir haben die Bilder dazu Stück für Stück nach Graz gebracht“, erzählt Alexandra Kröll. Und damit kommt auch der zunächst unbekannte Schöpfer der „Heimatkunst“ posthum zu späten Ehren...
Menschen unterschiedlicher Berufsschichten und Fachleute aus allen Himmelsrichtungen kommen seither nach Großklein, um sich die volkskulturellen Schätze im Wirtshaus „Steirerkeller“ – Dienstag ist Ruhetag – anzusehen.

Fotos: Josef Fürbass
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