Darf's ein Schluck Plastik sein?

Ist unterwegs und beantwortet Fragen rund um das plastikfreie Leben: Sandra Krautwaschl (mit Grünen-Bezirksobmann Günter Lesny)
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  • hochgeladen von Nina Schemmerl

Heute schon Plastik eingenommen? Wer bei sommerlichen Temperaturen mit einem kräftigen Schluck aus einem Glas Wasser seinen Durst stillt, hat höchstwahrscheinlich winzige Kunststoffteilchen, genannt Mikroplastik, mitgetrunken. Denn die Partikel überwinden auch die beste Abwasserreinigungsanlage. Grünen-Landtagsabgeordnete Sandra Krautwaschl unterhielt mit der WOCHE GU-Nord darüber, warum ein plastikfreies Leben Mülltrennung und Ressourcenschonung bedeutet und welche Auswirkungen die Beständigkeit von Plastik auf das Wasser hat.

Umweltbelastung

Nach wie vor ist in Österreich die Wasserqualität sehr hoch und auch das Abfallwirtschaftssystem funktioniert im Ländervergleich überdurchschnittlich gut. Aber Mikroplastik findet seinen Weg: Die Partikel sind häufig Bestandteile von Kleidung, Reinigungsmitteln oder Kosmetikprodukten. Auch der Reifenabrieb hinterlässt Spuren, und weil Plastik nicht verrottet, überlebt es im Kompost. "Die Auswirkungen für die Umwelt sind noch nicht absehbar", erklärt Sandra Krautwaschl.
Seit gut sieben Jahren ist ihr Eigenheim eine (fast) plastikfreie Zone. Anstoß dafür war v. a. der Film 'Plastic Planet'. Durch den Versuch, ohne Plastik zu leben, wurden relativ rasch die Themen Müllvermeidung, Ressourcenschonung und Stärkung der regionalen Produkte und Unternehmer wichtig.

Alternativen

"Plastikverpackungen sind nicht mehr nötig. Die absurdesten Dinge werden mit Plastik verpackt", sagt sie und verweist auf Ersatz durch Stofftaschen. Milchprodukte können außerdem direkt beim Bauern in Mehrweg-Rexgläser gefüllt werden. "Es geht um das gezielte Einkaufen. Wer etwa nur das kauft, was er wirklich benötigt, der wirft am Ende nichts weg. Das Bewusstsein für portionsgerechte Verpackungen setzt sich der Lebensmittelverschwendung entgegen. Dann wird auch wieder mehr regional eingekauft", sagt die Eisbacherin.
Für Krautwaschl ist daher eine produktive Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft notwendig. "Auch der Klimaschutz kann auf Gemeindeebene runtergebrochen werden. Das beginnt bei der Papieranschaffung und geht bis zu Baustoffen. Es gibt viele gute Ideen, die mit Bürgerbeteiligungen umgesetzt werden können, etwa der Kost-nix-Laden, der ein Bewusstsein für Ressourcenschonung schafft. Als Gemeinde muss man als Vorbild vorangehen", hält sie fest und betont: "Verschwendung ist das Problem unserer Zeit."

Handlungsbedarf

Rund 57 Millionen Tonnen Kunststoffe werden jährlich in Europa produziert, gut die Hälfte davon für Verpackungsmaterial. Dieses landet häufig als Abfall im Meer, in Flüssen und Grundwässern. Mikroplastik gelangt problemlos in den Körper von Meerestieren und durch das Verspeisen derselben in den menschlichen Körper. Aber auch die Gefährdung des Wassers selbst ist ihr ein Anliegen, denn dort, wo Pestizide eingesetzt werden, gibt es Auswirkungen auf das Grundwasser. "Es herrscht dringender Handlungsbedarf", mahnt Sandra Krautwaschl.

Wasser in Zahlen und Fakten
Wasser ist nicht nur das wichtigste Gut für Mensch, Tier und Natur, es ist zudem auch vielseitig nutz- und einsetzbar. Wasser reguliert das Klima, wird zur Energieerzeugung genutzt und spielt im Alltag eine wichtige Rolle.
2.194 Fließgewässer und 25.000 stehende Gewässer gibt's in Österreich. Zu beinahe 100 Prozent wird das Trinkwasser in Österreich aus Grund- und Quellwasser gewonnen – 90 Prozent der Bevölkerung werden durch die zentrale Wasserversorgungsanlage mit einem Leitungsnetz von rund 77.300 Kilometer bedient. Während nur rund drei Prozent des Wassers auch getrunken oder verkocht werden, lässt der Durchschnittsösterreicher 34 Liter pro Tag im WC runter und benötigt für den täglichen Duschgang 25 Liter. Doch nur circa 27 Prozent gehen überhaupt in die Haushalte: 67 Prozent des verwendeten Wassers nutzen Industrie und Gewerbe, nur knapp sieben Prozent gehen in die Landwirtschaft. Die Durchschnittsniederschlagsmenge in Österreich liegt bei 1.100 Millimeter pro Quadratmeter und Jahr – damit zählt unser Land zu den wasserreichsten Staaten im europäischen Vergleich.
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Bis Plastik verrottet, vergehen Jahrhunderte. So gelangt es auch in das Grundwasser.

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