Schlafsack aus Seide und Begegnungen

Der Rattener Lukas Weissensteiner ging den Jakobsweg. 3000 km lang war sein
persönlicher Pilgerweg.

Im Jahr 2007 war es, als Weissensteiner den spanischen Teil des Jakobsweges mit seinem Vater gemeinsam marschierte.
„Ich dachte, irgendwann möchte ich diesen Weg von daheim aus gehen. Der Gedanke ließ mich nie los. Als ich Weihnachten 2010 einen Trekkingrucksack von meinen Eltern bekam, war es für mich klar, dass ich gehe“, erzählt Weissensteiner. Von da an begannen für ihn die Vorbereitungen.
„Ich habe sehr viel über den Jakobsweg gelesen. Meine Fachbereichsarbeit in Religion für die Matura war ebenfalls diesem Thema gewidmet“, so Lukas Weissensteiner, der der Jüngste von vier Kindern von Angela und Manfred Weissensteiner ist. Für die körperliche Vorbereitung absolvierte er öfters die Trainingsstrecke Ratten–Mariazell. Letztendlich galt es auch Material zu besorgen. So wenig wie möglich und leicht sollte es sein. Ein Schlafsack aus dünner Seide, gutes Schuhwerk und Bekleidung.
Erst entschloss sich der angehende Theologiestudent, keine Bücher einzupacken. Denn das hätte zusätzliches Gewicht bedeutet. Doch ohne lesen, wie sollte man das durchhalten, dachte sich Weissensteiner. Bis Innsbruck schaffte er es. Dort deckte er sich mit Lesestoff ein, während er einen Ruhetag bei seiner Schwester Eva, die in Innsbruck lebt, einschaltete, bevor es weiter über Vorarlberg in die Schweiz ging.
In Genf erhielt Lukas Besuch von seinen Eltern.
„In der Früh weiß man oft nicht, wo man am Abend schlafen wird. Es war aber eine tolle Sache, denn gefunden habe ich immer etwas, auch in Klöstern und Pfarrhöfen. Oft konnte ich interessante Gespräche führen“, erinnert sich Lukas Weissensteiner.
Dass das Ankommen am Ziel in Santiago de Compostela so gewaltig ist, damit hat er nicht gerechnet.
„Als ich am Berg der Freude war, hab ich im Tal unten nur Nebel gesehen. Dann ging ich durch die Stadt, durch das große Tor hindurch und ich stand vor der großen Kathedrale. Das war ein Gefühl der Erleichterung“, erzählt Weissensteiner, der am Weg dorthin zwei kritische Momente in punkto heimfahren durchmachte. „Einmal war es an der Grenze Österreich/Schweiz und das zweite Mal in den Pyrenäen, weil ich dort schon mal gegangen bin. Doch genau an diesen beiden Wegstücken hab ich Begleitung gehabt durch meinen ungarischen Freund und den Regens vom bischöflichen Seminar in Graz, der extra hinflog, um an meiner Seite zu sein.“

Resümee
„Am Start gehen einem schon sehr viele Gedanken durch den Kopf: Wieviele Kilometer hat man vor sich. Ich bekam den Pilgersegen in der Pfarrkirche Ratten, bevor ich loszog. Dann begleitete mich noch die Theatergruppe die ersten vier Kilometer des Weges.“

Steckbrief
Name: Lukas Weissensteiner
Geb.: 25. Mai 1993, Bruck/M.
Wohnhaft: Ratten
Ausbildung: VS und HS Ratten, BRG Dreihackengasse Graz
Derzeit Vorbereitungsjahr in Horn für Theologiestudium Graz
Pilger-Strecke 3 Monate, 1 Tag
Von Ratten nach Weiz, Graz, Maribor, die Drau entlang nach Südtirol über den Brenner nach Innsbruck, Arlberg, Feldkirchen und weiter in die Schweiz, Genfer See, Frankreich und Spanien. Von den 3000 Kilkometern legte er 2900 mit seinen Laufschuhen zurück.

Drei Fragen an
Lukas Weissensteiner hat ein nicht alltägliches Berufsziel: Er möchte Priester werden.
WOCHE: Was war für Sie emotional am Jakobsweg von Bedeutung?
WEISSENSTEINER: „Der Jakobsweg war für mich eine Bestätigung und ein Weg, wo ich gut und viel nachdenken konnte. Auch über mein Ziel, Priester zu werden.“
WOCHE: Was macht es aus, dass Sie den Beruf des Priesters ergreifen wollen?
WEISSENSTEINER: „Ich wollte als Kind schon immer Priester werden. Man spürt das, dass es das Richtige ist.“
WOCHE: Trotz der Probleme, die in der Kirche aufgezeigt wurden?
WEISSENSTEINER: „Es gibt sicher Missstände. Aber für mich ist das umso mehr ein Grund, etwas besser zu machen. Ich sehe viele Probleme. Aber das hindert mich nicht daran, Kirche so zu (er)leben, wie ich es erlebe.“

Autor:

Anneliese Grabenhofer aus Weiz

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