24.11.2016, 08:09 Uhr

"Pferdeschlitzer": Halbwahrheiten im Internet

Die Stute RA Aime sorgt derzeit für Gesprächsstoff auf Facebook, nachdem Bilder ihrer Verletzungen veröffentlicht wurden. (Foto: privat)

Pferdebesitzerin klärt via Facebook Gerüchte über den angeblichen Pferdehasser von Hitzendorf auf.

Seit einigen Tagen kursieren Fotos einer Stute mit einer Stirnverletzung auf Facebook, um die sich haarsträubende Geschichten ranken: Heiß diskutiert wurde, ob sich in Hitzendorf ein Pferdehasser herumtreibt. Pferdebesitzerin Margit Langmann hat mit der WOCHE darüber gesprochen und erzählt, warum sie sich über die Gerüchte im sozialen Netzwerk ärgert.

Falsche Meldung

Die Anziehungskraft der Pferde auf den Menschen hat manchmal negative Folgen für die Tiere. Auch die Stute im Ortsteil Berndorf erfuhr aufgrund menschlichen Fehlverhaltens qualvolle Verletzungen. Langmann selbst veröffentlichte dazu auf Facebook einen Artikel, der zum richtigen Umgang mit Weidetieren anleitet. Während ihre Version von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde, verbreitete sich die Geschichte um den sadistischen "Pferdeschlitzer" wie ein Lauffeuer im Internet.
Die Pferdebesitzerin ist erschrocken von der unlenkbaren Eigendynamik sozialer Medien: „Es kam zu willkürlichen Verdächtigungen und es war plötzlich die Rede vom sogenannten Pferdeschlitzer“, erklärt Langmann und distanziert sich klar von den wilden Gerüchten.

Gefährliches Verhalten

In Wahrheit lässt sich der Unfallhergang nicht rekonstruieren. Die Verletzungen könnten das Ergebnis von Angst- und Panikreaktionen der Stute sein, die wiederum durch menschliches Fehlverhalten ausgelöst wurden. „Immer wieder werden Weiden beschädigt, Zäune geöffnet oder Tiere aufgescheucht“, schildert sie. Auch eine Mähne wurde einmal abgeschnitten, was das Tier zwar nicht verletzte, die Besitzerin jedoch verärgerte. Ein weiteres Ärgernis ist für Langmann das unerlaubte Füttern von Weidetieren. Eines ihrer Pferde leidet an der Krankheit PSSM und hat daher eine strikte Diät. „Ich gebe mir große Mühe, ihm ein schmerzfreies Leben zu bieten, und dann geben ihm Fremde Mais, den es nicht verträgt.“

Richtiges Verhalten

Die verletzte Stute RA Aime wurde von der Tierärztin erstklassig versorgt und ist wieder auf dem Weg der Besserung, jedoch hat sie noch Schmerzen. Solche Unfälle können durch richtiges menschliches Verhalten vermieden werden. „Leute sollten nicht einfach auf die Weide gehen oder in den Stall, denn das kann gefährlich nach hinten losgehen“, warnt Langmann. So soll auf das Füttern von Weidetieren gänzlich verzichtet werden. Herdentiere haben eine Rangordnung. Werden sie in der falschen Reihenfolge gefüttert, kommt es zu Keilereien zwischen den einzelnen Tieren, was wiederum Verletzungen zur Folge haben kann. Auch Nachbarn können mithelfen, die Tiere zu schützen, indem sie die Augen offenhalten und beobachten, wer ihnen zu fressen gibt.
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