23.11.2016, 12:19 Uhr

Hoch hinaus bis nach Leit´n-"Tibet"

Höhenluft macht den Geist der Naturfreunde und Gipfelstürmer frei im "Tibet" der Brauwelt.

Mit der letzten Folge unserer Ausflugsserie sind wir am wortwörtlichen Höhepunkt angelangt. Auf 1000 m bei Gerhard Hurdax und seinem "Tibet" der Brauwelt hoch über Großstübing.

Rena Eichberger
Entweder von Übelbach aus über einen etwa anderthalbstündigen, recht ansteigenden Weg oder vom Gasthaus Prettenthaler aus in einer halben Stunde ist die Taschlerhütte auf dem Wanderweg 535 nur per pedes oder Fahrrad erreichbar. Wer hier einkehren möchte, muss also schon etwas dafür tun.
Vor Ort erfährt man allerhand über Entschleunigung, Loslassen, Intuition und Zufriedenheit. Auch mit seiner Meinung über Prominenz und EU hält der rührige Hüttenwirt nicht hinterm Berg. In Stein gemeißelt ist seine Abneigung gegen Vorschriften und Besserwisserei nicht, dafür in Holzbretter geschnitzt. Diese weisen auf zwei weitere Betätigungsfelder des Bierbrauers hin, Tischlerei und Kunsthandwerk. Jeder Bilderrahmen sowie die gesamte Ausstattung des Gastgartens sind von ihm persönlich handgefertigt. Jeder Tisch, jede Bank ist ein Einzelstück.

Autonomie

Durch und durch Individualist ist auch der 43-Jährige selber. Dass sein nach der steilen Leiten, auf der der Bauernhof der Familie steht, benanntes Bier einmal so erfolgreich sein würde, verdankt er einem Zufall. „Am Anfang hat´s niemandem geschmeckt, ich bin eher belächelt worden. Plötzlich hatte ich den Dreh raus“, erzählt er. So nahm die Brauerei neben der Landwirtschaft immer größere Dimensionen an, bis eines Tages die Entscheidung fiel. Schluss mit allem, wo irgendeine Abhängigkeit besteht.
Hurdax absolvierte die Konzessionsprüfung und gestaltete die Hütte oberhalb seines Elternhauses zu einem Ort der Autonomie und Rückbesinnung um. Für seine Gäste war er trotzdem nicht gänzlich aus der Welt. Schließlich hatten sie schon zuvor die Leit´n-Bier-Klappe genutzt, um jederzeit Nachschub besorgen zu können. Und jeder Einzelne hat brav seinen Obolus in die danebenstehenden Kasse geworfen. Seit dieser Zeit ist die Almhütte auch ein Ort großen Vertrauens.
In der Freiluftküche leistet ein alter Tischofen bis zur Errichtung eines Lehmofens gute Dienste. Während der Schweinebraten noch nachknuspert und die Bratkartoffeln in der Pfanne brutzeln, kühlt der frischgebackene Apfelstrudel aus. Ebenfalls selbstgemacht, wie es sich für einen ein-Mann-Betrieb gehört.

Spiritualität

Hat der Wirt selbst keine Zeit zum Philosophieren über seinen Weg zum Erfolg, die große Freiheit und das schönste, wenngleich arbeitsreiche Leben, so findet sich schon mal der eine oder andere Gast, der zur Harmonika greift und ein G´stanzl aufspielt. Und schon reden die Leut´ miteinander. Völlig Fremde rücken zusammen, loben das Leit´n Bier, verraten etwas weniger steile Schleichwegerl, plaudern über Gott und die Welt.
Das WC ist hier im wahrsten Wortsinn ein Häusel, das über die „Freiheitspromenade“ zu erreichen ist. Spätestens wenn die letzten Gäste gegangen, der Herd ausgekühlt und die Sonne untergegangen sind, ist einem der Spirit der heimischen Braukunst auf höchster Ebene vollkommen klar.

Infobox
Leit´n Bier
Gerhard Hurdax
Großstübing 34 ½
8114 Großstübing
Speziell im Winter macht es Sinn, vorher anzufragen, ob die Hütte geöffnet hat (Tel. 0664/2113843).
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