Alfred Hensle vom steirischen Verkehrsverbund stellt klar: Niedrigere Preise sind keine Lösung für den Verbund!

Verkehrsverbund-Chef Alfred Hensle erklärt, wieso eine Subventionierung der Fahrpreise keine gute Lösung sind.
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  • Foto: KK/Verkehrsverbund
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Je längere Strecken man fährt, desto mehr zahlt man für die Fahrkarte. Klingt logisch, ist es auch. Das ist auch der Ansatz vom Verkehrsverbund Steiermark, dessen Geschäftsführer Alfred Hensle erklärt, wieso die Subventionierung von Fahrpreisen im Grazer Umland keine Lösung für den Großraum Graz ist.
In der letzten WOCHE-Ausgabe hatte Stefan Kompacher von "Pro Bim Graz" gefordert, Graz und Graz-Umgebung mögen Mobilität vernetzter denken und etwa alle Grazer Umlandgemeinden in die städtische Zone 101 integrieren.

Zonen und politische Einheiten

Als Beispiel wurde die Gemeinde Gratwein-Straßengel genannt, wo mit dem Zone-101-Ticket Straßengel erreicht werden kann, für Gratwein müsste jedoch eine weitere Zone bezahlt werden. "Die Preise im Verkehrsverbund hängen nicht mit den politischen Einheiten zusammen", erklärt Alfred Hensle, dass sich die Preise nach der Entfernung von Graz zusammensetzen. Die Forderung wurde schon einmal durchgerechnet, scheiterte aber an der mangelnden Finanzierung. "Die nötigen Mittel können angesichts der eng geschnürten Budgets nicht sichergestellt werden", erklärt der Verkehrsverbund-Chef, dass es aber jeder Gemeinde freisteht, die Tarife zu subventionieren. So schießt etwa Graz seinen Bewohnern für die Jahreskarte 171 Euro zu und belohnt sie durch Preisnachlässe bei langfristiger Bindung.

Besseres Angebot schaffen

"Der Wunsch ist von Gemeinden, die an der Zonengrenze sind, immer da, aber irgendwo muss die Grenze sein", hebt Hensles Kollege Stephan Thaler hervor. Wenn man die Preise senkt, entstehen dem Verkehrsverbund enorme Einnahmenausfälle, die es auszugleichen gilt. Weiters stellt sich laut Hensle die Frage nach dem Nutzen. Dieser soll nämlich sein, dass mehr Menschen auf den Öffentlichen Verkehr umsteigen, was mit dieser Maßnahme aber nicht gelingen wird. "Das Angebot muss verbessert werden", ist sich Hensle hier mit Stefan Kompacher einig. "Im Morgenverkehr sind wir am Hauptbahnhof, wo der Umstieg in den städtischen Verkehr abläuft, an der Grenze unserer Kapazitäten", führt Hensle aus.
Eine Taktverdichtung sowie moderne und klimatisierte Fahrzeuge wären der erste Schritt zur Verbesserung der Situation. "Wir brauchen zusätzliche finanzielle Mittel, um das Angebot ausbauen zu können. Daher ist die Senkung der Preise und Vereinheitlichung der Zonen ein völlig falscher Ansatz", erklärt Thaler.
"Wir müssen mit den Mitteln, die wir haben, möglichst nützliche und effiziente Lösungen schaffen und gewährleisten, dass die Nachfrage für die Nutzung des Öffentlichen Verkehrs steigt", betont Hensle abschließend.

WOCHE-WISSEN

Als Verbundlinien werden alle Züge, Bus- und Straßenbahnlinien bezeichnet. Zu den Zügen gehören auch S-Bahnen und R/REX-Züge im Nahverkehr sowie IC-, EC- und EN-Züge im Fernverkehr. Regionalbusse haben eine dreistellige Nummer, Expressbusse beginnen mit einem X. Städtische Linien haben eine ein- oder zweistellige Nummer, in Graz können auch die Nachtbusse sowie die Schloßbergbahn zum Verbundtarif benutzt werden.

So funktionieren die Tarifzonen

Das gesamte öffentliche Verkehrsnetz der Steiermark auf einen Blick: Der Tarifzonenplan des Verkehrsverbundes schafft ein ganzheitliches Bild und ist die Grundlage für die Fahrpreisberechnung in der Steiermark.

Alles rund um das Tarifsystem

Jeder Ort liegt in einer bestimmten Tarifzone und eine Fahrt von A nach B definiert die Anzahl der benötigten Tarifzonen. Für alle öffentlichen Verkehrsmittel in der Steiermark gelten die Verbundfahrkarten, mit denen alle Verbundlinien wie Züge, Regionalbusse, Stadtbusse und Straßenbahnen benutzt werden können.
Der Preis für jede Fahrkarte ergibt sich durch die Anzahl der durchfahrenden Tarifzonen, die durch Startort und Zielort festgelegt werden. Durch den Tarifzonenplan, den Fahrpreisrechner auf der Website des Verkehrsverbundes oder per Abfrage mit der BusBahnBim-Auskunft kann die Anzahl der Zonen sowie der Fahrpreis ermittelt werden. Verbundkarten gelten für beliebig viele Fahrten mit allen Verkehrsmitteln und jene Karten ohne Foto sind in der Regel übertragbar.
Graz befindet sich in der Tarifzone 101 und gehört ebenso zum steirischen Verbundtarif. Jede Fahrkarte für diese Zone gilt für alle öffentlichen Verkehrsmittel.
Alle Informationen gibt es unter www.verbundlinie.at.

Verkehrsverbund-Chef Alfred Hensle erklärt, wieso eine Subventionierung der Fahrpreise keine gute Lösung sind.
Zonen in der grünen Mark: Der steirische Verkehrsverbund managt steiermarkweit den Öffentlichen Verkehr.

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