„Als Frau muss man sich stärker behaupten“

Während ihrer Tätigkeit beim Landesstudio Steiermark lebte "ZIB"-Anchorlady Nadja Bernhard in der Murmetropole. | Foto: ORF
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Dass Sie Ihre ersten acht Lebensjahre in Kanada verbracht haben, hört man Ihnen nicht an.
Bernhard: Mein Startvorteil war es, dass meine Mutter auch in Kanada immer deutsch mit mir gesprochen hat. Als ich dann in die Steiermark gekommen bin, war es anfangs aber schon eine schwierige Umstellung. Nach ein paar Monaten wich der starke englische Akzent aber bald dem Steirischen.
Dem Ausland sind Sie dennoch treu geblieben: Sie haben u. a. aus Haiti, London, Rom, Washington berichtet. Das prägendste Erlebnis?
Die Berichte von der Erdbebenkastastrophe in Haiti haben mich definitiv mitgenommen. Die ganze Stadt war ein Lazarett.
Gibt es eine spezielle Geschichte, die Ihnen in Erinnerung ist?
Einem Mädchen wurden direkt auf einem Lehmboden die Beine amputiert. Das war so schrecklich, dass mir fast unangenehm ist, darüber zu sprechen.
Wie geht man damit als Journalist um?
Bei solchen Ereignissen braucht man länger, um das mental zu verdauen. Dieser Vorgang dauert nach wie vor an.
Die Katastrophe in Haiti, die ägyptische Revolution, die Unruhen in London – wie schwer hat man es als Frau im Krisenjournalismus?
Als Nachteil habe ich es nie empfunden, eine Frau zu sein. Streckenweise hatte ich aber das Gefühl, dass man sich als Frau stärker behaupten muss. Natürlich stößt man aber irgendwie an seine Grenzen.
Wann?
Zum Beispiel während der ägyptischen Revolution: Für Frauen war das einfach zu gefährlich.
Sonst müssen Frauen keine Nachteile erleiden?
Natürlich auch beim Gehalt – das ist eine große Ungerechtigkeit. Auf der Ebene, auf der ich mich bewege, merkt man das allerdings noch nicht so stark. Allerdings: Je höher man sich karrieretechnisch bewegt, desto dünner wird die Luft.
Dünn wird die Luft auch für gut recherchierten Journalismus: Alles wird schneller, immer stärker entertainmentlastig.
Natürlich geht es tendenziell zu Internetjournalismus. Die Überlebensstrategie für den ORF müssen aber weiterhin gut recherchierte Beiträge sein. Und das muss mehr als nur ein Slogan sein. Denn durch das Aufkommen der sozialen Medien wird es immer schwieriger, guten von schlechtem Journalismus zu unterscheiden.
Wie verändern soziale Medien den TV-Journalismus?
Das Publikum wird durch soziale Medien emanzipiert. Ich glaube dennoch, dass sich die beiden Medien ergänzen. Das Internet hat aber bewirkt, dass immer mehr Live-Schaltungen gemacht werden – das war vor zehn Jahren noch undenkbar. Das „Live“-Element wird immer wichtiger.
Und „Live“ lebt von der Emotion. Welchen Stellenwert hat diese im TV für Sie?
Hier gibt es ganz neue Entwicklungen. Früher war ein „Zeit im Bild“-Moderator der Nachrichtenlieferant. Heute will der Konsument Persönlichkeiten im TV sehen, mit denen er sich identifizieren kann. Die Tendenz geht – nach amerikanischem Vorbild – in Richtung „Anchorwoman“.
Bei Ihrem Antritt als „ZIB“-Moderatorin schrieb eine Tageszeitung, Sie besäßen „offenkundige Anmut und erwiesene Kompetenz, wohltuende Freundlichkeit und Kampfeslust“ – Sie scheinen eine solche Persönlichkeit zu sein.
Natürlich freut einen das, wenn man so gelobt wird. Es gibt ja auch genug Kritik. Aber generell halte ich mich für einen sehr kollegialen, umgänglichen Menschen.
Was können Sie nicht?
Bei Kritik fehlt mir die gute Distanz. Das nehme ich oft zu ernst. Das berühmt-berüchtigte „dicke Fell“ fehlt.
Mit oder ohne „dickes Fell“: Im Journalismus haben Sie fast alles erreicht. Was würde Sie noch reizen?
Zurücklehnen darf man sich nie, denn alles hat ein Ablaufdatum. Vielleicht wäre es aber irgendwann interessant, ein Büro im Ausland zu leiten.
Nächstes Jahr feiern Sie Ihren 40. Geburtstag. Freuen Sie sich darauf?
Ich hoffe, dass es gleich wie bei meinem 30. Geburtstag wird – der hat mich überhaupt nicht berührt. Aber wie die Zeit vergeht, ist wirklich schrecklich.

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