Fläwi 4.0: Zu wenig Info für die Bürger

Der Schloßberg bleibt stehen – sonst wird sich aber durch den neuen Flächenwidmungsplan vieles ändern in Graz.
  • Der Schloßberg bleibt stehen – sonst wird sich aber durch den neuen Flächenwidmungsplan vieles ändern in Graz.
  • Foto: Karl Maderbacher
  • hochgeladen von Verena Schaupp

Graz legt zu – und zwar an Einwohnern und Wohnräumen. Wie der neuen Statistik der Stadt Graz zu entnehmen ist, verfügt die Landeshauptstadt aktuell über 181.361 Wohnungen, ein Zuwachs im Vergleich zu 2016. Der Flächenwidmungsplan 4.0, der am Donnerstag im Gemeinderat beschlossen wurde, wird Neuerungen im Wohnsektor bringen. Doch geht das auf Kosten von Gewerbefläche? Die WOCHE hat bei Stadt und Wirtschaftskammer (WK) nachgefragt.

Wirtschaft vs. Wohnen

Alle zehn Jahre wird der Flächenwidmungsplan im Schnitt geändert, der vorgibt, welche Fläche Gewerbegebiet, Wohngebiet, Kerngebiet, Industriegebiet etc. ist. "Die Stadt Graz wächst um rund 5.000 Bewohner jährlich, die irgendwo wohnen müssen, aber sie brauchen auch Arbeitsplätze. Generell ist das Problem, dass die Gewerbegebiete prozentuell weniger werden. Umgekehrt passiert es regelmäßig, dass Gewerbegebiete in Wohngebiete umgewidmet werden", sagt WK-Regionalstellenleiter Viktor Larissegger.

Infos nicht zugeschickt

Für Umwidmungen im Fläwi 4.0, die Sinn für eine längerfristige Stadtentwicklung machen, hat Larissegger Verständnis. "Aber die Änderungen im Fläwi zeigen die Tendenz, wo sich die Stadt hinentwickeln will. Vieles ist Richtung Wohngebiet ausgerichtet. Die Frage ist, investiere ich als Unternehmer dann noch weiter?"
Vor allem bemängelt Larissegger, dass es keine Informationspflicht seitens der Stadt an betroffene Privatpersonen, Grundstücksbesitzer, Unternehmer über Umwidmungen gebe. "Es kann passieren, dass eine Gewerbefläche auf einmal verändert wird und eine andere Widmung erhält. Wenn man sich nicht selbst oder über die Medien gut informiert, kann es ablaufen, ohne dass man es mitbekommt. Es herrscht Holschuld." Es hätte zwar Infoveranstaltungen in den Bezirken gegeben, aber zugeschickt bekämen die Betroffenen selbst keine Informationen.

Beispiel Messendorf

"Umwidmung heißt nicht, dass jemand nicht mehr tätig sein darf, aber bei künftig geplantem Ausbau oder Umbau des Unternehmens wird es problemhaft", meint Larissegger.
Er verweist auf ein Beispiel in Messendorf, wo es eine schmale Wohnzeile mit einem schmalen Gewerbegürtel gibt. "Dort sind sehr viele Transportbetriebe angesiedelt. Der Plan war, das umzuwidmen. Es wäre ein Wachstums-
potenzial für die Firmen und eine Perspektive. Nun passiert dort aber nichts."

"Raum für Unternehmen!"

Bernhard Inninger, Leiter des Stadtplanungsamtes, sieht ein Konfliktgebiet zwischen Wohnraum und Wirtschaft. "Natürlich brauchen wir beides, Wohnungen wie Arbeitsplätze. Die Wohngebiete nehmen im Fläwi 4.0 geringfügig zu, von 4.146 Hektar auf 4.272 Hektar, wobei es eine deutliche Verschiebung von ‚Reinem Wohngebiet‘ zu ‚Allgemeinem Wohngebiet‘ gibt", so Inninger. "Industrie- und Gewerbeflächen bleiben annähernd konstant, Einkaufszentrenflächen nehmen deutlich ab."
Trotzdem meint Viktor Larissegger: "Man muss den Unternehmen den Raum zum Wachsen lassen. Es ist zwar eine Herausforderung mit dem wichtigen Thema Wohnraum und eine Überteuerung von Wohnungen ist auch nicht im Sinne der Gesellschaft, aber die Wirtschaft braucht auch gewisse Spielräume. Und ich finde, die Stadt Graz könnte betroffene Eigentümer zumindest über Änderungen durch den Flächenwidmungsplan benachrichtigen oder informieren."

Autor:

Verena Schaupp aus Graz

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