Schlafender Riese Solarwärme: Solid-CEO Holter im Interview

Die veganen Gerichte im Café Erde schmecken. Christian Holter (r.) ist Stammgast, auch WOCHE-Redakteur Robert Bösiger wird bald wieder kommen.
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Gletscher und Polarkappen schmelzen, verheerende Stürme verwüsten ganze Landstriche — der Klimawandel wird immer spürbarer.
Diesem globalen Problem entgegenzuwirken und damit ein Geschäft zu machen, nichts Geringeres hat sich die Firma Solid zur Mission gemacht. Als ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich innovativer Solaranagen für Gewerbe und Industrie baute Solid Anlagen unter anderem für Pepsi Cola und die Harvard University. Die WOCHE sprach mit Geschäftsführer und Vordenker Christian Holter über die bevorstehende Energiewende und den „schlafenden Riesen“ Solarwärme.

WOCHE: Wärme aus Solaranlagen in Graz — wie sieht Ihr Befund aus?
Das hat eine große Zukunft. Solarwärme ist eine mittlerweile wirtschaftlich attraktive Alternative zu Anlagen mit fossilen Brennstoffen. Außerdem billiger als Gas, versorgungssicherer, in Folge preisstabiler.

Die lokalen Netzbetreiber und Energielieferanten sind sich dessen bewusst?
Ja, speziell die Energie Steiermark ist da offen und versteht die Potenziale. Gemeinsam arbeiten wir gerade daran, den vorhandenen Willen auch umzusetzen.

Warum arbeitet die Energie Steiermark gerade mit Solid zusammen?
Na, weil wir die Besten sind (lacht). Nein, im Ernst: Wir haben mit der österreichischen Fernwärme eine fast 20-jährige Erfahrung. Die erste Anlage bauten wir 1997. Fünf der Sieben größten Solaranlagen in Österreich sind von uns.

Werden wir bald ausschließlich von erneuerbaren Energien leben ?
Die Energie- und Wärmewende kommt jetzt ziemlich schnell daher. Durch die starken Förderungen im Öko-Strombereich bricht die bisherige Struktur zusammen. Heute sind Heizkraftwerke wie etwa Mellach unwirtschaftlich, Solarwärmeanlagen können da locker mithalten.

Die Wärmewende rentiert sich auch wirtschaftlich?
Heute ja. Bei fossiler Energie wandert die Wertschöpfung ab, von den Auswirkungen auf die Umwelt ganz abgesehen.
Das gilt nicht nur für Graz, sondern auch für alle anderen Landeshauptstädte. International ist das ebenfalls ein Thema: Kürzlich hatte ich ein Business-Frühstück im Hotel Sacher in Wien. Südosteuropa, Zentralasien, Mongolei, alle Fernwärmenetze haben dasselbe Problem.

Sie sehen also enorme Wachstumspotenziale für die Branche?
Ich bezeichne die Branche gerne als „sleeping giant“. Den wollen wir wecken! Wenn wir eine Stadt wie Graz auf 20-25 Prozent Solarwärme bringen, bringt das eine Lawine ins Rollen.

Welche Rolle spielt dabei Ihre Firma und der Standort Graz?
In Zentraleuropa sind wir bei Solid mit unseren Partnern Know-how-Leader. Das Grazer Umfeld ist sehr innovationsfreudig. Über die Unis und FHs kommen immer wieder Leute zu uns, die das selbe Ziel verfolgen möchten. In Graz hatten wir von Anfang an offene Türen, konnten Anlagen bauen und diese beforschen.

Was kann ich als Verbraucher tun?
Einerseits können Sie bewusster verbrauchen, also Wärme und Energie sparen. Auf der anderen Seite könnten Sie bei Ihrem Wärmelieferanten ein wenig Druck aufbauen und nachfragen: Haben Sie denn grüne Wärme für mich?

Christian Holter

Geboren 1964 in Steyr
Verheiratet, fünf Kinder zwischen 17 und 26
Biologiestudium in Graz, Promotion
Autodidakt im Energiebereich, hielt Vorträge in Harvard und am MIT.
Plante und baute eine Solaranlage mit Speicher für sein eigenes Haus im Jahr 1990. Diese Anlage ist immer noch aktiv.
Dieses Projekt war der „Startschuss“, die Firma Solid wurde im Jahr 1992 gegründet.
Denkt als CEO von Solid „strategisch, innovativ und in globalen Zusammenhängen“.
Seine Mitarbeiter sollen eigenverantwortlich sein.
Den Ausgleich holt er sich beim Radfahren, Schwimmen und Gitarrespielen.
Urlaubt unkonventionell: „Jahrelang nur mit Zelt, Fahrrad und fünf Kindern.“

Solid

Firmensitz Puchstraße 85, Graz
Gegründet 1992 von Christian Holter und vier Kollegen
30 Mitarbeiter
Planung, Konstruktion, Betrieb und Beforschung von Solarwärmeanlagen für gewerbliche und und industrielle Infrastruktur
Niederlassungen in Los Angeles, Singapur und Frankfurt
Durch ihre Innovationskraft ist Solid eine der weltweiten Vorreiterinnen in ihrer Branche.
Info:www.solid.at

Gast und Wirtschaft

Café Erde
Andreas-Hofer-Platz 3, 8010 Graz Tel.: 0316/82 04 13
Web: cafeerde.com
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 11:30 bis 22:00 Uhr
Sonntag 18:00 bis 22:00 Uhr
Beschreibung: Das Café Erde ist seit einiger Zeit ein Klassiker unter den veganen Restaurants in Graz. Beliebt sind die abwechslungsreichen Mittagsmenüs für Ernährungsbewusste. Die Atmosphäre ist unkompliziert-gemütlich, das Service stimmt.

Das Essen

Christian Holter wählte das Mittagsmenü, bestehend aus einer Brokkolisuppe und gefüllten Zucchini auf Paradeisspiegel mit Salat. Auch die WOCHE entschied sich für das Mittagsmenü. Ein Bio-Saft und ein gutes Kaffeetscherl rundeten das Essen ab.
Die WOCHE meint: Sehr gute vegane Küche zu einem vernünftigen Preis. Speziell das Menü mit Suppe, Hauptgericht und Salat für 8,40 € ist sowohl geschmacklich wie auch preislich in Ordnung.

Die veganen Gerichte im Café Erde schmecken. Christian Holter (r.) ist Stammgast, auch WOCHE-Redakteur Robert Bösiger wird bald wieder kommen.
Gesund und gut: Das vegane Menü in guter Qualität für 8,40 € ist preislich absolut im Rahmen.

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