Selbsthilfegruppe "Verlassene Eltern"
Wenn Kinder sich von ihren Eltern trennen

Es ist ein Tabu: Eine Grazer Selbsthilfegruppe thematisiert den Kontaktabbruch von Kindern mit ihren Eltern.
  • Es ist ein Tabu: Eine Grazer Selbsthilfegruppe thematisiert den Kontaktabbruch von Kindern mit ihren Eltern.
  • Foto: aletia2011/Fotolia
  • hochgeladen von Andrea Sittinger

Es ist das natürlichste Band auf der Welt – jenes zwischen Eltern und ihren Kindern, und doch gibt es keine Garantie dafür, dass es ein Leben lang hält. Reißt es, ist es wohl der größte Schmerz, den eine Mutter oder ein Vater empfinden kann und dabei ist nicht ein Abbruch durch den unbeeinflussbaren Faktor Tod gemeint, sondern der willentliche Abbruch der Verbindung durch das Kind. Eine Grazerin, die diese Erfahrung selbst durchlebt, ist Gisela N. (vollständiger Name ist der Redaktion bekannt). Sie hat insgesamt vier Kindern, zwei davon haben den Kontakt zu ihrer Mutter abgebrochen.

"Emotionaler Phantomschmerz"

Lange hat Gisela ihren Kummer und ihren Schmerz alleine mit sich herumgetragen, es nicht gewagt, darüber zu sprechen, schließlich "bedeutet es eine gewisse Scham, wenn deine Kinder nichts mehr von dir wissen wollen." Im März vorigen Jahres schlussendlich hat sie den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt und damit ein Tabu gebrochen: Mit "Das Haus von morgen" hat Gisela die erste Selbsthilfegruppe für verlassene Eltern in Österreich gegründet. "Ich möchte mich damit an all jene wenden, die mit irgendeiner Form von Kontaktabbruch innerhalb der Familie zu kämpfen haben", schildert die Grazerin. "In erster Linie kristallisiert sich jedoch schon heraus, dass es vor allem um die Mutter-Kind-Beziehung geht." Die erste Frage, die die Menschen Gisela stellen, wenn sie sich an die Gruppe wenden, ist meist dieselbe: "Sind Sie selbst auch betroffen?" Dieser gemeinsame "emotionale Phantomschmerz", wie Gisela es beschreibt, macht es den Betroffenen leichter, ihre Geschichte zu erzählen. "Und die sind natürlich alle komplett unterschiedlich". Was allerdings alle vereint, ist die fehlende Kommunikation, diese "Unmöglichkeit zu einer Erklärung zu gelangen, wenn das Kind den Kontakt plötzlich abbricht."

Gleich einem Trauerprozess

In Graz haben bereits mehrere Treffen der Selbsthilfegruppe stattgefunden und inzwischen melden sich Betroffenen aus ganz Österreich. Neben dem Austausch an Erfahrungen uns Gefühlen, steht bei den Treffen für Gisela vor allem ein Ziel im Vordergrund: "Wer möchte ich sein, wenn es wieder zu einem Kontakt kommen sollte?" Denn eines ist allen Betroffenen bewusst: Man kann die Kinder nicht zwingen, zurückzukommen.

Mehr Infos:

Selbsthilfegruppe für verlassene Eltern/Kontaktabbruch innerhalb der Familie
Nächstes Gruppentreffen: 14. Juni 2019 um 17 Uhr, Café Rosenhain, Panoramagasse 75-77, 8010 Graz
Information:
https://dashausvonmorgen.at
Tel.: 0664/2531996
info@dashausvonmorgen.at

Hier geht es noch zu Tipps von WOCHE-Familienflüsterer Dr. Philip Streit zu diesem Thema.

Autor:

Andrea Sittinger aus Graz

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

3 folgen diesem Profil

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.