08.11.2017, 09:42 Uhr

Schaurig schöne Geschichten – Graz persönlich mit Robert Preis

Fest in der Hand hat Krimiautor Robert Preis seine Leser. Gerade eben ist sein neues Buch "Grazer Wut" erschienen, erster Schauplatz darin: ein Grazer Gefängnis. (Foto: Jorj Konstantinov)

Autor Robert Preis rückt in seinen Krimis Graz ins Zentrum. Im WOCHE-Gespräch stand er nun im Fokus.

Düstere Gefängnismauern, Morde, Streifzüge durch die Nacht und dabei Grusel-Feeling erzeugen "und Angst, die großartigste aller Emotionen", wie Krimiautor Robert Preis findet. "Dein Albtraum ist mein schönstes Kompliment", erzählt der Grazer von seiner Reaktion an einen Nachbarn, der durch Preis’ Bücher nicht mehr gut schlafen konnte.

Liebe zur Geschichte

"Man muss den Horror spüren" – Preis wirft mit solchen Zitaten nur so um sich. Der Autor und Journalist lebt für gute Geschichten, den Krimi und die gruselige Fantasie. Dabei trägt der Mann in schwarzer Lederjacke und blauen Jeans stets ein sympathisches Lächeln auf den Lippen, wohnt gediegen im Grazer Umland mit seiner Frau und seinen drei Kindern, liebt die Natur und historische Erzählungen.

Abends im Bett

Unfreiwillig stellt sich die Frage, wie dieser nette Mensch solch furchterregende Storys wie jene um Armin Trost – dem Chefermittler in Preis’ Bücherreihen – schreiben kann.
"Man muss sich bei den ersten Zeilen fragen: Ist der Autor völlig krank?", erklärt Preis. "Stephen King hat einmal vor 2.000 Leuten bei einer Lesung gemeint: ‚Hier in der Menge schaffe ich es nicht, euch zu gruseln. Aber ich kriege euch abends, wenn ihr mit mir allein im Bett liegt.‘ Dann gibt es nur das Buch und den Leser."

Grazer Wut

Robert Preis tourt derzeit mit seinem neuen Krimi "Grazer Wut" durch die Steiermark.
"Ich glaube, es ist das schirchste, aber auch das lustigste Buch bisher." Am 9. November ist er mit einer Lesung daraus zu Gast in Graz, dem Schauplatz seiner Krimis.
"Meine 15-jährige Tochter würde es wahrscheinlich cooler finden, wenn meine Büchermorde auch einmal in London oder Paris stattfinden, aber ich finde, Graz und die Steiermark sind eh cool genug."

Karlau als Tatort

1996 hat Robert Preis sein erstes Buch im Eigenverlag publiziert. Dass er einmal Krimiautor wird, war spätestens mit seinem Nebenjob als Zeitungsausträger in der Jugend vorprogrammiert. "Ich habe Zeitungen rund um die Karlau ausgetragen, das hat mich anscheinend verfolgt", lacht Robert Preis. Verfolgt wird er auch von seinen Romanfiguren. "Ich bin immer in der Geschichte drinnen, ich denke die ganze Zeit daran. Das kriegt man nicht weg." Wenn das Buch dann fertig ist, bekommt es seine Frau Kerstin als Erste zu lesen. "Meistens nehme ich es ihr wieder weg, während sie liest, weil es noch nicht perfekt ist und ich es umschreiben will", schmunzelt Preis. "Man muss sich zwar klar sein, dass die Geschichte nicht einem selbst gehört, sondern jeder Leser daraus macht, was er will, aber man will ja immer besser werden und ist immer auf der Suche nach der einen super Geschichte."

Story-Macher aus Graz

Stets auf der Suche nach der Mega-Story – diese Denkweise ist vermutlich seinem Brotjob zu verschulden. Schließlich arbeitet der 45-Jährige als Redakteur bei der "Kleinen Zeitung". "Durch meinen Job komme ich zu vielen Plätzen, Personen und Geschehenem – das gibt viel Input für meine Bücher." Neben seinem Redaktionsjob findet er die Zeit, jedes Jahr mindestens ein Buch herauszugeben. Nun waren es sogar zwei. Neben "Grazer Wut" hat er kürzlich das Sachbuch "Sagen aus der Steiermark" veröffentlicht.
"Die Deadlines sind brutal, aber ich brauche die Deadline, sonst würde ich nicht fertig werden" – wohl auch ein Berufssyndrom des Journalisten.

Der Bücherwurm

"Ich habe eine Buchmanie, das lässt einen nicht los. Ich lese selbst auch viel", meint der Autor, der sich nicht als Bildungsbeauftragter sieht. "Ich will die Leute mit meinen Büchern einfach unterhalten und ihnen Freude bereiten" – oder auch Angst, schaurig-schöne Angst.

Steckbrief

Geboren 1972 in Graz.
Ist verheiratet, hat drei Kinder.
Bücher: u.a. "Grazer Wut", "Die Engel von Graz", "Graz im Dunkeln", "Trost und Spiele".
Lesung: am 9. November aus "Grazer Wut", 19 bis 22 Uhr, Steiermärkische Landesbibliothek.
Web: www.robertpreis.com

WOCHE-Wordrap

Mein Lieblingsbuch ist ... "Friedhof der Kuscheltiere".
Der schaurigste Ort für mich ... ist alleine in einer Kirche.
Mein Traum ist ... einmal eine eigene Buchhandlung.
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