18.10.2017, 08:00 Uhr

Geschäftsmann Markus Deimer meint: "Die Parkplatznot schadet den Kaufleuten!"

Die geplante Tiefgarage würde viele Einkäufer, die nur auf einen Sprung in die Stadt schauen wollen, vergrämen, meint Markus Deimer von "yogurtlove". (Foto: Jorj Konstantinov)

Grazer Unternehmer sieht das geplante Tiefgaragenprojekt kritisch und fürchtet Geschäftseinbußen.

Die geplante Tiefgarage am Eisernen Tor geht in Graz nicht nur unter die Erde, sondern auch unter die Haut: So erreichte die WOCHE eine Fülle an Lesermeinungen, die der in der vergangenen Ausgabe vorgebrachten Idee von Architekt Guido R. Strohecker, wonach bei Realisierung des Projektes oberirdisch Parkplätze entfernt werden sollten, um einen Boulevard zu ermöglichen, einiges abgewinnen konnten. Auf der anderen Seite gibt es aber auch zahlreiche kritische Stimmen, die vor allem eine Zunahme des Verkehrs fürchten.

Sorge um Laufkundschaft

Einen Schritt weiter geht Markus Deimer, der der Tiefgaragen-Errichtung ebenfalls kritisch gegenübersteht. "Als Geschäftstreibender in der Innenstadt fürchte ich da um die Unternehmer in der betroffenen Gegend", erzählt der Inhaber von "yogurtlove" in der Sporgasse. Grundsätzlich sei der Gedanke nach mehr Parkplätzen zu begrüßen, "ich glaube aber, dass das Projekt nicht den gewünschten Erfolg bringen würde."
Konkret bezieht sich Deimer dabei auf die Sorge, Laufkundschaft zu verlieren. "Wenn die Parkflächen am Opernring und in der Kaiserfeldgasse entfernt werden, bin ich mir sicher, dass jene Leute, die nur kurz zum Einkaufen kommen, künftig woanders hinfahren. Wer zum Beispiel schnell in die Bank will, wird nicht in die Tiefgarage fahren und auch noch zahlen."

Die Suche nach der Lücke

Der Einzelunternehmer, der sein Geschäft vor sechs Jahren geöffnet hat, sieht außerdem die Bequemlichkeit der Konsumenten als Gefahr. "Heute will jeder mit dem Auto direkt vor die Haustür fahren. Für einen 15-Minuten-Einkauf wird man nicht ein, zwei Runden drehen und eine Parklücke suchen oder sein Auto in einer teuren Tiefgarage einparken lassen." Zwar findet er die Umwidmung von Park- in Grünflächen nicht grundsätzlich schlecht, die "Vertreibung" des Individualverkehrs aus der Innenstadt sieht er aber problematisch, da die natürliche Frequenz mit den Parkplätzen mitverschwinden würde.

Ein Test ohne Gebühren

"Gerade der Individualverkehr bringt den Cash. Bleibt er aus, schadet das den Geschäftsleuten. In Gesprächen mit Kunden hat sich herauskristallisiert, dass viele Grazer nicht mehr im Stadtzentrum einkaufen." So würde sich Deimer viel eher wünschen, dass auch im oberen Altstadtteil neue Parkplätze entstehen. "Der Schotterplatz am Freiheitsplatz würde sich beispielsweise anbieten."
Nachdem seine Kunden auch oft die aus ihrer Sicht hohen Parkgebühren kritisieren, hat der Grazer noch einen Vorschlag parat: "Um festzustellen, wie sich der Parkpreis auf die Umsatzzahlen auswirkt, könnte man als Versuchsballon eine Woche keine Gebühren verlangen."
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