30.08.2016, 14:43 Uhr

Schwärmereien für den Lehrer sind kein Drama

Oft sind es zurückgezogene Jugendliche, die sich in ihren Lehrer verlieben, obwohl er unerreichbar ist. (Foto: Bilderbox)

Unser Familienflüsterer erläutert, wie Eltern mit Jugendlichen umgehen sollten, die sich in einen Lehrer verliebt haben.

„Meine Tochter ist verliebt in ihren Lehrer!“ Dies ist eine für Eltern eher unangenehme Vorstellung. Dr. Philip Streit gibt Tipps, wie Eltern mit Jugendlichen umgehen können, die für ihren Lehrer schwärmen.

Einhaltung der Grenzen wichtig

Es ist nicht so selten, dass Jugendliche für ihren Lehrer schwärmen. Meist sind es Mädchen, die ihren Lehrer toll finden. Bei Schwärmereien fühlen sich Jugendliche zu einem Menschen hingezogen, obwohl sie wissen, dass er unerreichbar ist. Der Umschwärmte vermittelt Halt, Sicherheit und Lebenserfahrung. Schwärmereien sind kein Drama, solange sie nicht zum einzigen Lebensinhalt werden. Das passiert häufig bei zurückgezogenen jungen Menschen, meist mangels Alternativen. Schwierig wird es, wenn Grenzen überschritten werden oder der Umschwärmte die Gefühle erwiedert. Das ist aber ganz klar verboten und kann sogar strafrechtliche Konsequenzen haben, da Schüler Lehrern anvertraut wurden und sie in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihnen stehen. Wenn Lehrer die Schwärmerei eines Schülers bemerken, sollten sie behutsam im Beisein eines Kollegen deutlich aussprechen, dass das Kind zwar sehr geschätzt wird, alles andere aber nicht infrage kommt.

Tipps für Eltern

Wenn Eltern merken, dass ihr Kind für einen Lehrer schwärmt, sollten sie das Gespräch suchen und sich nicht lustig machen. Das Kind soll erzählen, wie es zu dieser Gefühlslage kommt. Oft wird geraten keinen Kontakt zum Lehrer zu suchen. Da kommt es ganz auf die Situation an. Unverzüglich und ohne Umschweife sollte der Lehrer kontaktiert und um Unterstützung gebeten werden, wenn durch die Schwärmerei Gefährdung oder gar nachhaltiger Schaden droht. Weitere Tipps von Dr. Streit sind:

1. Kontaktpflege. Seien Sie mit Ihrem Kind gut in Kontakt und pflegen Sie die Beziehung

2. Vertrauen aufbauen. Bauen Sie durch wechselseitige Begegnung, Wertschätzung und Akzeptanz Vertrauen zu Ihrem Kind auf und lassen Sie es wissen, dass es mit all seinen Anliegen immer zu Ihnen kommen kann und dass Sie immer ein offenes Ohr haben.

3. Ernsthaftigkeit. Nehmen Sie das, was Ihr Kind Ihnen mitteilt, ernst. Bitte verspotten Sie es nicht und machen Sie sich nicht über die Geschichte lustig.

4. Zeit nehmen. Lassen Sie Ihr Kind seine Version der Geschichte erzählen und fragen Sie immer wieder geduldig nach, oft lösen sich die Angelegenheiten spontan und von selbst.

5. Lösungen finden. Bestärken Sie Ihr Kind, dass es immer eine gute Lösung geben kann und sagen Sie ihm auch offen, welche Konsequenzen die Verliebtheit haben kann.

6. Freundeskreis eruieren. Checken Sie auch die Umgebung Ihrer Kinder. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind mit Gleichaltrigen zusammenkommt. Oft befindet sich der nächste Schwarm um die Ecke.

7. Gespräch suchen. Sollten Sie denken, dass Ihr Kind nachhaltig Schaden nehmen könnte, zögern Sie nicht, eindeutige Schritte einzuleiten. Die richtige Wortwahl und Behutsamkeit sind wichtig.

8. Konstruktivität. Teenager wissen meist, dass ihre Schwärmereien zu nichts führen und jugendliches Ausprobieren sind. Konstruktive Gespräche führen in den allermeisten Fällen zu guten Lösungen.

DER EXPERTE

Dr. Philip Streit
ist klinischer Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut sowie Lebens- und Sozialberater.

Seit 1994 leitet er das „Institut für Kind, Jugend und Familie“ in Graz. Es ist das größte Familientherapiezentrum in der Steiermark.
Tel.: 0316/77 43 44
Fax: 0316/76 39 19
Web: www.ikjf.at

Im Jänner 2016 hat er das „M42“, das neue Begegnungs- und Therapiezentrum des Institutes in der Moserhofgasse, eröffnet.

Jede Woche beantwortet der Psychologe in der „WOCHE“ eine Frage aus dem Themenfeld Erziehung und Beziehung.

Ihre Anregungen und Fragen richten Sie bitte an die Redaktion. Die E-Mail-Adresse lautet: redaktion.graz@woche.at oder senden Sie es uns auf dem Postweg an „WOCHE Graz“, Gadollaplatz 1/6. Stock, 8010 Graz.

Sein neues Buch „Ich will nicht in die Schule. Ängste verstehen und in Motivation verwandeln“ erscheint diese Woche. Zu bestellen ist das Buch unter akjf@akjf.at oder unter 0699/16 03 0001.
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