09.10.2014, 00:00 Uhr

Vom Asyl bis zur Staatsbürgerschaft

Hilfe: Jörg Krobath steht Flüchtlingen und Migranten mit rechtlichem Rat zur Seite und ist oft auch gleichzeitig deren Vertrauensperson. (Foto: geopho.com)

Jörg Krobath gibt Flüchtlingen und Migranten im Auftrag der Caritas Rechtsberatung.

Hamid (Name von der Redaktion geändert, Anm.) ist 2004 als 16-Jähriger aus Afghanistan nach Österreich gekommen. Er musste in seiner Heimat und auf der Flucht nach Europa Fürchterliches miterleben, ohne Eltern, ohne Begleitung.
Doch Hamid hat es geschafft: Nach zehn Jahren in Graz wurde ihm vergangene Woche die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen.
Ein Moment, der nicht nur für den frischgebackenen Österreicher ein besonderer war, sondern auch für Jörg Krobath. Der 37-Jährige ist „Rechtsberater für Flüchtlinge und Migranten bei der Caritas der Diözese Graz-Seckau. Er hat Hamid bei seinem Weg vom Asylwerber zum Staatsbürger von Anfang an unterstützt und begleitet. „Ich habe ihn in seinem Asylverfahren vertreten, ich habe miterlebt, wie er seinen Hauptschulabschluss nachgeholt, einen Job gefunden und Deutsch gelernt hat“, erzählt der Jurist stolz.
Krobath war aber nicht nur Rechtsbeistand, sondern auch Vertrauensperson. Wie Hamid, begleitet er seine Klienten oft über Jahre – auch auf persönlicher Ebene. „Wenn man dann gemeinsam den neuen Pass bestaunt, ist das ein emotionaler Moment, der Kraft gibt.“

Schnelle Integration

Kraft, die er in seinem Beruf auch braucht: Heuer wurden von Jörg Krobath und seinen Kollegen bereits 2.400 Personen aus über 70 Nationen rechtlich beraten – viele davon aus aktuellen Krisenherden wie Syrien, Irak oder Somalia. Ziel ist es, die Klienten bei ihrem Integrationsprozess zu unterstützen: „Wir versuchen, den Menschen Zugang zu Arbeit und Bildung zu ermöglichen, damit sie ein selbstbestimmtes Leben führen können.“


Aufklärung

Neben den Beratungen ist für Krobath auch die Aufklärung der Bevölkerung zu den Themen Migration, Flucht und Integration wichtig – gerade zu einer Zeit, wo Diskussionen über die Aufnahme von Asylwerbern in Österreich die Schlagzeilen bestimmen. „Es ist ganz natürlich, Fremdem mit Skepsis zu begegnen. Deshalb ist es wichtig, zu informieren und Ängste abzubauen.“ Krobath appeliert außerdem an ein Bündeln der Energien von Bund, Ländern und Kommunen, um den Hilfesuchenden zu helfen: „Das sollte schaffbar sein!“.


WOCHE Wissen

Aktuell sind in der Steirmark rund 3.460 Asylwerber untergebracht, ca. 1.250 davon in Graz.
Die Erfüllung der Quote von 14, 38 Prozent aller österreichischen Asylwerber (26.968) wird um 419 Personen verfehlt.
Das Land hat den Auftrag, eine gerechte Verteilung anzustreben. Adäquate Unterbringungseinrichtungen finden sich verstärkt in urbanen Räumen wie Graz.
Die Rechtsberatung für Flüchtlinge und Migranten der Diözese Graz-Seckau bietet kostenlose rechtliche Beratung und Vertretung in aufenthaltsrechtlichen Fragen und Problemstellungen, in arbeits- und sozialrechtlichen Angelegenheiten und bei der Vorbereitung, Begleitung und Vertretung bei Behörden- und Gerichtsterminen.
Acht Personen inkl. Zivildiener und ehrenamtlichen Mitarbeitern sind in der Beratungsstelle tätig.
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