Wohnen auf Überholspur
Tiny Houses auf Autobahnüberdachung – neue Zukunft?

vlnr.: Martin Juen, GR Thomas Mayer und Markus Sint – von der Liste Fritz
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INNSBRUCK. Bekannt ist: Die Lärmschutzwand, die von der Sieglanger-Brücke bis hin zum Einkaufszentrum Cyta verläuft, muss saniert werden. Schließlich ist dies die älteste Lärmschutzwand in ganz Österreich.

Wofür sind Sie?

Die Idee: Ein Teil der A12 bei Sieglanger und Mentlberg soll eingehaust und zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum bzw. eventuell auch zum Bau eines Studentenheimes bzw. eines Studentencampus überbaut werden. Vorab soll eine Machbarkeitsstudie Klarheit schaffen.

Fühlen Sie sich vom Autobahnlärm in Sieglanger und Mentlberg belästigt??

Warum soll das realisierbar sein?

Im Bereich dieses Teilstückes der A12 befindet sich eine der ältesten Lärmschutzwände Österreich und diese muss von Seiten der ASFINAG erneuert werden. Und hier hakt die Projektidee „Wohnen auf der Überholspur“ ein: Anstatt einfach nur die Lärmschutzwände zu erneuern, soll eine Einhausung dieses Autobahnabschnittes erfolgen und solchermaßen erstens für einen effektiven Lärmschutz für mehr als 10.000 Anrainer sorgen und zweitens die Möglichkeit für neuen Wohnraum bieten. Die Idee an sich ist nicht neu, nur in Tirol leider noch nicht wirklich etabliert. In anderen Bundesländern, etwa Wien, oder in unseren Nachbarländern, etwa in Deutschland oder der Schweiz, gibt es schon sehr erfolgreich umgesetzte Projekte.

„Online Petition kann helfen“ - Markus Sint

Den Einwohnern von Sieglanger, Mentlberg, Klosteranger bis hin zum Flughafen ist es hier trotz Lärmschutzwand sichtlich zu laut. Eine Online Petition seitens der betroffenen Anwohner würde laut Landtagsabgeordneten Markus Sint unter anderem dazu beitragen, dass das Projekt in Angriff genommen werden könnte. Eine Lärmstudie der Stadt Innsbruck aus dem Jahr 2017 zeigt, wie laut es in den Bereichen nahe der Autobahn wirklich ist:

Flughafen Innsbruck
Lärmbelastung in Innsbruck
  • Lärmbelastung in Innsbruck
  • Foto: Lärminfo.at
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„Warum nicht gleich einhausen?“ -Tom Mayer

Die Strecke beläuft sich auf etwa 1,8 Kilometer. Die Überdachung der Autobahn in Kombination mit einer daraufliegenden Infrastruktur (Wohnungen, Spielplätze, etc. / Breite der Überdachung: 2x900 Meter) würde knapp 100 Millionen Euro kosten. Eine „klassische“ Lärmschutzwand kostet 25 Millionen Euro. Der Vorschlag seitens der Liste Fritz, jenen Teil der Autobahn – von der Sieglanger-Brücke bis hin zum EKZ Cyta – zu überdachen bzw. komplett zu überbauen ist bis jetzt jedoch auf wenig Zuspruch seitens des Landes und der Stadt gestoßen.

„Mit der Überbauung bzw. Einhausung der Autobahn in diesem Bereich würde man nicht nur Bauland gewinnen, sondern auch die betroffenen Stadtteile würden automatisch aufgewertet werden. Erst vor einigen Wochen haben unsere Nachbarn in Vorarlberg ein ähnliches Projekt in Angriff genommen

, hebt Landtagsabgeordneter Markus Sint hervor. Mit der Einhausung und Überbauung einer Autobahn können lokal gleich drei gravierende Probleme für die Bevölkerung auf einmal gelöst bzw. zumindest verbessert werden: Lärmbelastung, Abgasbelastung, Wohnengpass.

„Lärmschutz ist Umweltschutz“ -Tom Mayer

„Mit den 1,8 Kilometern, auf denen sich die Überdachung der Autobahn belaufen würde, ergeben sich um die 100.000 Quadratmeter an neuem Baugrund. Würden wir nur ein Drittel dieser Fläche bebauen, so könnten wir auf 30.000 Quadratmeter ganze 4.000 Studentenwohnungen mit einem Quadratmeterpreis von jeweils 1.000 € errichten. Außerdem könnten hier auch Naherholungsgebiete wie Fahrradwege, Hundewiesen, Spielplätze und Ähnliches realisiert werden“

, schlägt Gemeinderat Thomas Mayer vor. Die Wohnungen, die hier gebaut werden könnten, würden die Kosten des Projekts wieder relativieren. Im Rahmen dessen schlägt Gemeinderat Mayer vor, sogenannte „Tiny-Houses“ für Studenten zu errichten. Pro Wohnung würde die Miete hier nur 400 € inklusive Betriebskosten betragen. Dies sind jedoch nur ein paar Vorschläge von vielen unterschiedlichen Bauvarianten, die hier verwirklicht werden könnten.

Was halten Sie von der Idee, die A12 in diesem Bereich zu überbauen?
Tom Mayer (Gemeinderat Liste Fritz), Markus Sint (Landtagabgeordneter Liste Fritz)
  • Tom Mayer (Gemeinderat Liste Fritz), Markus Sint (Landtagabgeordneter Liste Fritz)
  • Foto: Liste Fritz
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„Österreichs Hauptstadt ist bestes Beispiel“ - Markus Sint

In Wien beispielsweise ist „Monte Laa“ sehr vielen ein Begriff. Auf einer Überplattung der Wiener Südost-Tangente, dem sogenannten Absbergtunnel, wurde eine städtebauliche Vision Wirklichkeit: Auf einer Fläche von 90.000 Quadratmetern wurden nach dem Masterplan des Architekten Albert Wimmer insgesamt 200.000 Quadratmeter Nutzfläche errichtet, die zu gleichen Teilen für Wohnen und Arbeiten genutzt werden. Ein zentraler Punkt von Monte Laa ist ein Grünbereich mit rund 12.400 Quadratmetern. Der Park bildet die Achse, die Wohn- und Bürogebäude verbindet.

Der Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi hielt mit Schreiben vom 07. November 2018 folgende vier Denkvarianten für den projektierten Bereich der A12 bei Sieglanger/Mentlberg fest:

  1. Kurzfristig: Erneuern der vorhandenen Lärmschutzwände
  2. Mittelfristig: Einhausung ohne Überbauung
  3. Mittelfristig: Einhausung mit Überbauung
  4. Langfristig: Verlegung der A12 in den Wiltenberg

Für die öffentliche Hand muss eine Lösung Vorrang haben, die einen wesentlichen Mehrwert für die Bevölkerung schafft und zumindest in absehbarer Zeit umsetzbar ist. Nach Abwägung der verschiedenen Interessen sollte daher die Tiroler Landesregierung in einem ersten Schritt und nach Abstimmung mit dem Bund und der Stadt Innsbruck für das Projekt „Wohnen auf der Überholspur: A12 bei Sieglanger/Mentlberg einhausen und überbauen!" (Bürgermeister Willis Denkvariante Nr. 3) eine Machbarkeitsstudie beauftragen.

Der Antrag der Liste Fritz lautet wie folgt:

„Die Landesregierung wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung bzw. dem Autobahnbetreiber ASFINAG und der Stadt Innsbruck eine MACHBARKEITSSTUDIE für das Projekt „Wohnen auf der Überholspur", konkret für die Einhausung und Überbauung der A12 bei Sieglanger/Mentlberg zum Zwecke eines effektiven Lärmschutzes sowie zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum (eventuell Studentencampus} in Auftrag zu geben."

Machbarkeitsstudie gefordert

Was ist eine Machbarkeitsstudie? Damit könnten ideale Grundlagen für den weiteren Entscheidungsprozess gefunden werden. Sie ist ein Instrument und gleichzeitig eine Grundlage für die Entscheidung, ob und wie ein Projekt durchgeführt werden kann. Sie ist bereits grob richtungsweisend für die Durchführung und den Umfang eines Projekts. Die Machbarkeitsprüfung stellt den Hauptteil der Machbarkeitsstudie dar. Darin werden im Wesentlichen folgende Punkte abgehandelt:

  • Organisatorische Umsetzung
  • Wirtschaftliche Machbarkeit (z. B. Kostenrahmen, Finanzierung)
  • Technische Machbarkeit
  • Ressourcen und Verfügbarkeit (z. B. Mensch, Maschinen, Flächen, Material und Zeit)
  • Zeitliche Umsetzung
  • Rechtliche Umsetzung
  • Betreffend die rechtliche Umsetzbarkeit hat der Verfassungsdienst des Landes Tirol bereits mit dem Schreiben vom 18. November 2018 grünes Licht gegeben.
Martin Juen (Bezirksteam Innsbruck), Tom Mayer (Gemeinderat Liste Fritz), Markus Sint (Landtagabgeordneter Liste Fritz)
  • Martin Juen (Bezirksteam Innsbruck), Tom Mayer (Gemeinderat Liste Fritz), Markus Sint (Landtagabgeordneter Liste Fritz)
  • Foto: Liste Fritz
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