Trilogie Buchbesprechung Drogen I : Literarische Erfassungen & wissenschaftliche Analysen erforschter Phänomene
Drogen-Experimente eines Kriegshelden. Ernst Jünger: Annäherungen. Drogen und Rausch

Ziel dieser Trilogie ist den Gebrauch von Drogen literarisch-rational begreifbar zu machen & schlußendlich wissenschaftlich zu analysieren, wobei die ausgewählten Essays sehr von der zeitigen Wissenslage geprägt sind, aber durch die integre & gezielt verwegene Gangart bestechen, ohne jedoch den Boden der ernsthaften Wirkungsmacht des Themas zu verlassen.

Wir haben uns für die Meister des kunstvollen Essays zum Problem & Phänomen psychoaktive Substanzen entschieden, so da sind bis dato unerreicht Ernst Jünger für den deutschen Wertkonservativismus eines militanten Anti-Bürgertums & den englischen Seher der tapferen neuen Welt seiner hochsensitiven Vormutung Aldous Huxley. Den Abschluss soll der Ergebnisbericht eines wissenschaflichen Symposiums bilden, das vor 21 Jahren in Innsbruck stattfand, und das wir zur Ortung des Standes der heutigen politischen wie empirischen Wissenslage auch aus neurobiologischer Sicht beleuchten wollen.

Die Themenvertreter haben wir auch nach persönlichen Sympathiegründen ausgewählt, weil das Leben zu kurz scheint, um es nur auf rigide Pflichterfüllung & starre, wie auch sture Autoritäten zu verwenden. Danke also schon hier DDr. Kurt Dornauer, Jurist, Soziologe & Psychotherapeut, bislang in Innsbruck, nun im verdienten Ruhestand zwischen Bad Gastein & dem schönen aber nach wie vor geplagten Griechenland. Dornauer war unser psychoanalytischer Rechtsfreund die letzten drei Jahre lang bis dato & der Herausgeber des Symposiumsberichtes 1998.

Der redliche Recke schlechthin, nicht nur dieses Themas, sondern von der ganzen Fülle seines langen Lebens, ist der deutsche internationale Kriegsheld Ernst Jünger. Der wurde uns einmal aus einem unserer "Innsbruck Informiert" Artikel als Gemeinderats-Fraktion rauszensiert, weil die Chefredakteurin ganz offensichtlich keinen Zugang zur historischen Grösse der Persönlichkeit hatte, wiewohl jeder journalistische Fachfreund weiss, dass beispielsweise Helmut Kohl - inter pluribus unum -  namhafte Staatsmänner wie Francois Mitterrand und Felipe Gonzalez zu Jünger in kleine Wilfingen führte, um ihnen deutschen Geist in voller Wucht & Souveränität, aber auch in kühler & ruhiger Bescheidenheit vorzuführen.

In der Erstausgabe von ANNÄHERUNGEN: DROGEN UND RAUSCH von 1970 hatte Jünger ja schon ein reifes Alter, aber nicht nur das erklärt die Ruhe & die Kaltblütigkeit im Stil, die hatte er schon in jüngsten Jahren, wenn wir an die Schrift, DER KAMPF ALS INNERES ERLEBNIS denken, kürzlich erst in einer schön gebundenen Ausgabe wieder erschienen. Jünger erzählt von den tiefsten Gründen der menschlichen Seele, als würde der lebenslang praktizierende Käfer-Kundler gerade diese seine Freunde aus einer anderen Diesseits-Welt erkunden. Unter der Lupe der forschenden Urtriebe eines homo ludens, der die kindliche Funktionslust des brutalsten aller jungen Abenteurer, die Lust des jungen Mannes am Streit, am Kampf & der Bewährung in der Gefahr noch nicht verlernt hat.  Fragen wir uns doch einmal selbst reflektorisch, was stellten wir dar als Kind? Cowboys oder Indianer, Piraten, Vampire, Superhelden, Schurken oder Sheriffs? Das schöne am Fasching und in der Kindheit, manN darf ausleben, was er ist!

Das entspricht nach unserer Erfahrung auch der Lust am Rausch und der Selbstentäußerung in der Extase. Von Extasy ist bei Jünger noch nicht die Rede, jede Zeit hat ihre Moden. Doch schon die National-Sozialisten brachten ihre Kämpfer, also das ganze Volk auf SPEED, ob nun als sogenannte Panzerschokolade oder wie in weissen Nächten (Seite 193 der aktuellen Neuausgabe), als die Kampfflieger sich von der langen Flugreise zum Einsatz nach London mit PERVITIN erfrischten. Zitat eines Fliegers im Video NAZIS AUF SPEED, der linksprogressiven Band DIE KRUPPS, "da war man natürlich müde, das durfte natürlich nicht sein...aber da nahm man ein bis zwei Tabletten Pervitin, da gings wieder."

Mit Jüngers abendfüllendem Essay aus kleinen aphoristischen Annäherungen, aber durchaus auch in Erzählform, bereisen wir die ganze Welt vornehmlich Europa und den Orient, aber auch Mexiko ist ein großer eigener Abschnitt gewidmet, womit wir bei den konkreten Drogenexperimenten des Reichssoldaten angelangt wären, was wir insoweit für erstaunlich & bedenklich halten, weil rechte Recken im allgemeinen nicht für Liberalität, schon eher libertinitäre Liebes-Praktiken stehen.

Wie wir im Nachwort zur schönen Klett-Cotta Neuausgabe von 2014 lesen können ( Seiten 453ff), "öffnet der Weltkriegskämpfer und Autor der kurz zuvor erschienenen STAHLGEWITTER ein Porzellangefäß mit der Aufschrift ´Extr. Cannabis. Er hatte es auf dem Dachboden der väterlichen Apotheke gefunden, der Hanfextrakt musste sehr alt sein und wie stark die Konzentration der Droge war, konnte er kaum wissen. Er hatte zu diesem Zeitpunkt schon einige Drogenexperimente hinter sich. Auf den ersten Bierrausch folgten schon bald Experimente mit Äther, Chloroform, Kokain und Opium. Manchmal hatte es Schwierigkeiten gegeben, wie im Fall des Äther-Experiments, als er noch im Rauschzustand auf die Strasse gegangen war, einen Vorgesetzten nicht gegrüsst hatte und sich dafür einen schweren Verweis einhandelte."

Dies sei von Jünger später im nüchternen Zustand als durchaus angemessen empfunden worden, weil, wie jeder Jünger-Kenner weiss, wir in Ernst Jünger den Proto-Typen eines staatsmäßigen  Draufgängers & Abenteurers studieren können, zumindest was die jungen Jahre seines Schaffens von der Fremdenlegion bis zum internationalen Orden POUR LE MERITE im ersten Weltkriege betrifft. Jüngers Drogenerfahrungen auf Kriegserfahrungen zu begrenzen, wie im zitierten Nachwort (Seite 454), dem folgen wir nicht, glauben aber durchaus, dass ihn sein Horror-Trip - ausgerechnet auf Cannabis - lange auf repektvollen Abstand zu allen Drogen rückte, sodass er sagenhafte dreissig Jahre "Pause" machte, was sich aber bei der Lebensbilanz eines über 100Jährigen wieder ins Relativ-Theoretische mässigt.

Man möchte meinen diese Generation sei von rationalistischen Hazardeuren mit nachhaltigsten Überlebensenergien  übervölkert, wenn man an menschliche & allzumenschliche Hyper-Leitfiguren wie den Südtiroler Bergsteiger & Filmheld Luis Trenker, geboren 1892 und die Medien-Künstlerin Leni Riefenstahl, geboren 1902 denkt. Zumindest wurde dies dem deutschen Volke propagandistisch & idealplastisch so vorgeführt & gelebt, die Realität ist aber für die schweigende Mehrheit abenteuerlicher Herzen eine Grausame. Wie im Krieg gibt es im grenzenlosen Einsatz aller Genuss-Mittel wie auch echter Lebenmittels nur Verlierer, man gedenke dem Anti-Idealtypus des realen Mac-Amerika. Aus Spiel wird Ernst & wie für den Spielsüchtigen der mathematisch logische Sieger stets die Bank des Casinos ist, verlieren wir in exzessiven Kriegs- & Drogenräuschen, das was jedem das teuerste sein sollte, das eigene Leben, wie das der nächsten Angehörigen & Freunde.

Wenn man am elitären Club der ehrenwerten 100Plus teilnehmen wollte, sollte man seinem Schutzengel eine Chance geben, wie auch im Risiko-Feld der medialen Fun-Park-Welt des modernen Strassenverkehrs, an der - fast and furious - die Jungen meist vor den Alten die Todeskante reiten. Zum Drogen-Usus oder  Ab-Usus im Alter, da wird Jünger schon in den ersten Seiten seines Essays seiner Jahre "Siebzig verweht..." merkwürdig generös für alle & jedermann/FRAU, cit. Seite 12:

" In dieser Hinsicht sollte von einem gewissen, etwa vom pensionsfähigen Alter ab keine Beschränkungen mehr geben - denn für den, der sich dem Grenzenlosen nähert, müssen die Grenzen weit gesteckt werden. Nicht jeder kann wie der alte `< Heinrich > Faust noch bauen, doch im Unvermessenen zu platzieren, steht jedem frei."

Das gelte insbesonderheit für jene Spanne, in der die ultima linea rerum dichter heranrückt und bestimmter wird. Es gebe alte Winzer, die Monate und Jahre nur noch von Brot und Wein lebten...& weiters:

"In der Todesstunde sind nicht Narkotica, sondern eher Gaben, die das Bewußtsein erweitern und schärfen angebracht. Hat man auch nur im mindesten den Verdacht, dass es weitergehen könnte, und dafür sprechen Gründe, so sollte man wachsam sein. Dem folgt notwendig die Vermutung, dass es QUALITÄTEN DES ÜBERGANGES gibt."

"Wo mag ich geweilt haben?", das fragte sich Jünger einmal nach einer heftigen Reise, gleichmütig abenteuerlich ex post den großen Raum herausfordernd, gleich dreist gegen das Schicksal, indem er zu anderer Zeit dem LSD-Pionier & Erfinder Albert Hofmann ex ante "Auf gute Fahrt!" entgegenrief, als er mit diesem zusammen einen Trip beschritt. (Quelle: aaO. Seite 454)

Wir fragen dich heute, ubi tu es? Wo bist du Ernst Jünger?
Gut, was wissen wir von drüben? Sicherlich mehr Raum, als Rom!
& viel Hörensagen allseits...
fest steht uns aber,
Du lebst in den Herzen deiner Fans & Feinde weiter.
Du lebst in uns fort,
ahoi, großer Seemann! 
Glückauf Kameraden!!

Autor:

heinrich stemeseder aus Innsbruck

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