11.10.2017, 01:42 Uhr

Sankt Martin und das Teilen nach der Wahl

Martin teilt seinen Mantel mit dem Bettler - Vorbild christlicher Caritas.
Innsbruck: TIROL |

Nach den Wahlkämpfen kommt die Rückkehr in den Alltag ---

In knapp einem Monat ziehen viele unserer Kinder wieder mit Laternen durch die abendliche Dämmerung.
Dabei feiern sie den heiligen Martin als Vorbild des Teilens und der christlichen Caritas. Bis dahin werden alle Wahlplakate verschwunden sein. Koalitionsverhandlungen zur Regierungsbildung werden uns in den Nachrichten beschäftigen. Nach über 20 Monaten Wahlkampf – erst BP und dann NR – hat uns dann der Alltag wieder.
Vielleicht wird der ein oder andere Politiker noch einmal von „Werten“ oder der christlich-abendländischen Tradition reden. Während der letzten Zeit ging es ja vor allem um niedrigere Werte.

Die „Dass-es- UNS-gut-geht –LITANEI“

Um möglichst wenig Steuern
– und darum, dass es uns Österreichern gut geht
– um möglichst reduzierte Ausgaben für Ausländer-Kinder
– und darum, dass es uns Österreichern gut geht
– um möglichst viele Arbeitsplätze
– und darum, dass es uns Österreichern gut geht
– um möglichst wenig Asylanten
– und darum, dass es uns Österreichern gut geht
– um möglichst wenig Bevormundung aus Brüssel
– und darum dass es uns Österreichern gut geht
– um die Schließung der Mittelmeerroute
– und darum, dass es uns Österreichern gut geht
– um eine ewig nicht zustande gebrachte Verwaltungsreform
– und darum, dass es uns Österreichern gut geht
– um eine bedingungsweise Streichung von monatlich 40 € Taschengeld für Flüchtlinge
– und darum, dass es uns Österreichern gut geht
– um die vorübergehende Aufmerksamkeit für Empfänger von Mindestpensionen
– und darum, dass es uns Österreichern gut geht
– um ein Burka – und Verschleierungsgebot
– und darum, dass es uns Österreichern gut geht
– um Bildung an Schule und Universitäten
– und darum, dass es uns Österreichern gut geht
– um viel zu hohe Kosten für Migranten und Integration
– und darum, dass es uns Österreichern gut geht…
Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen – auf dass es uns gut geht. Wie gut es den meisten im Land geht war nicht das Thema. Die klaffende Schere zwischen Reichen und Armen kam wenig zur Sprache. Die Milliarden-Beträge, die für die Banken in der Krise und für fragwürdige Eurofighter ausgegeben wurden, gerieten völlig in Vergessenheit.  Die Förderung von Kindern von ausländischen Arbeitnehmern in deren Heimat ist als eine einzusparende "Verschwendung von Steuergeldern" benannt worden. Die unzähligen, schlecht bezahlten, ausländischen Haus-Krankenpflegerinnen - ohne die es gar nicht mehr geht - kamen in diesem Wahlkampf nicht vor. Dafür bekamen wir mit jedem zweiten Wahlkampfargument Migranten, Asylanten und Flüchtlinge als Gefahr für unseren Wohlstand und für die Sicherheit von Leib und Leben, Hab und Gut und christliche Traditionen eingebläut.

Wer Wind sät wird Sturm ernten

„Österreich zuerst“ wollte man nicht zu laut in die Veranstaltungsmikrophone rufen.
Problemlos wurden allerdings Neid, Missgunst und Abneigung gegenüber Migranten, Asylanten, Arbeits- und Obdachlosen bedient. Wenn der österreichische Pensionist in Zukunft von seiner Rente leben können soll, darf er zuerst einmal auf die Asylanten und Flüchtlinge schimpfen. Dass es entsprechende Reformen, Gesetze und Erhöhungen für die Pensionssicherung braucht, fällt dabei unter den Tisch. Der Verweis auf Flüchtlingshilfe und Unterstützung nutzt da ja nix - ist einfach nur schäbig und billige Stimmungsmache. Gefühle, wabernde Stimmungen, diffuse Ablehnungen und Missgriffe in Ausdruck und Inhalt gab es viele während der letzten Wochen.
Fazit: Diejenigen, die in den kommenden Jahren regieren wollen, haben die Atmosphäre zu einem gemeinsamen Egoismus auf die Spitze getrieben. Österreich zuerst, für sich, abgegrenzt und mit dem neuen Gut-geh-Gefühl an die Spitze. Wer so sehr in der eigenen Suppe schwimmt, Kraut und Rüben durcheinander in einen Topf wirft, ständig Vorurteile, Ängste und Dummheit bedient, der könnte sich beim Auslöffeln an diesem ungenießbaren Eintopf verschlucken…Man wird sehen.
Wie derlei Vorbilder und Meinungsmacher unseren Kindern ein herzliches Teilen und integrierendes Miteinander vermitteln wollen – angesichts der chronischen Egozentrik und der groß gemachten Angst zu kurz zu kommen -, fragt sich der aufmerksame Beobachter - über den Martinstag hinaus... Rabimmel, rabammel, rabumm.
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