Der Schwarzsee - die Entstehungsgeschichte - nur eine Sage?

ganz ruhig und idyllisch liegt der Moorsee
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Die Goldtruhe
Wie der Schwarzsee entstand

Wo heute der Schwarzsee sich ausbreitet, da stand vor vielen Jahrhunderten ein schönes, stattliches Bauernhaus samt Ställen und Tennen. Überall redete man von diesem Bauernhöfe, der auch in schlechten Jahren eine gute Ernte unter Dach brachte. Neidig blickte mancher nach dem "Schwarzen Hof", wie man ihn stets nannte.
Auf dem Hof herrschte kein Bauer, sondern eine unbekannte Frau. Vom böhmischen Lande kam sie hierher, kaufte aus der Hand des jungen Besitzers, der lieber den Wein in Ehren hielt als die Bauernarbeit, den Hof, stellte Knechte und Dirnen ein und von früh bis spät wurde geschafft.
In einer stürmischen Langsnacht gewahrte man ein Fuhrwerk, das dem Hofe zufuhr. Die Räder des Wagens ächzten und die Pferde patschten im Schweiße. Auf dem Wagen befand sich eine Truhe, die gefüllt war mit Silber und Gold. Das Fuhrwerk lenkte man in die Rem; die Truhe hob ein halbes Dutzend Männer vom Wagen und schleppte sie mit unendlich viel Mühe in die Schlafkammer der Bäuerin. - In selbiger Nacht verließ das Fuhrwerk noch den Hof und wandte sich dort hin, woher es kam.
Geheimnisvoll flüsterten die Leute der Umgebung über dieses Geschehnis. Sie fühlten, daß eine fremde Hand vom Heimatboden Besitz ergriffen hat. -
Zu Gundhabing lebte ein junger, mutiger, zu jeder Arbeit tüchtiger Knecht. Manches Stücklein hatte er allein oder im Bunde mit gleichgesinnten Kameraden ausgeführt. Da kam ihm einmal der Gedanken, zu der Bäuerin des "Schwarzen Hofes" fensterln zu gehen. Lange zögerte er, doch er wollte der Hetz halber dieses Stücklein ausführen. Und so machte er sich doch auf und zog lachend weg. Auf dem Wege überkam ihn ein ganz sonderbares Gefühl. Es kam ihm vor, als ginge er einen schweren Gang. Wie er zum Hause kam, sah er neben dem Stall ein kleines Tröglein und von einer hölzernen Rinne rann ein wenig Wasser in das Tröglein. Da er Durst hatte, trank er, doch schnell spie er das Wasser wieder aus. Es war schlechtes Mooswasser.
"Geht gut an", dachte sich der Knecht, kraxelte der Wand entlang auf die Laben und suchte das Fenster der Bäuerin. Aus einer Kammer drang ein wenig Licht. Diesem ging er zu. Nichts sah er, denn Vorhänge verhüllten die Fenster. Eine kleine Spalte entdeckte er nach einigem Suchen. Er schaute hinein und sah, wie die Bäuerin aus einer Truhe Goldstücke klaubte. Der Kammerboden war mit Goldstücken übersät. Der Knecht zweifelte, ob dies wohl mit rechten Dingen zugehe. Aus den Augen der Bäuerin sah er Geldfreude glänzen. Jetzt ließ sie die Goldstücke, die sie in den Händen hatte, fallen, und begann um die Truhe zu tanzen. Nach einer Weile wurde sie schwindelig und fiel auf den Boden.
"'S Mooswasser ist mei Tod - geht nit; 's Geld is nit mei", sprach sie auf dem Boden liegend, und dann begann sie zu zählen. "Zwölf Nächte noch, dann is gar", vernahm der Knecht wieder.
Ihm wurde es unheimlich. - Er ging heimwärts. - Das Erlebnis der Nacht verschwand nicht mehr aus seinem Kopfe. Immer sah er die Geld zählende Bäuerin und ihre Worte sprach er des öfteren leise aus.
Am anderen Tage war er ganz dasig und die übrigen Ehhalten wunderten sich, was ihm wohl begegnet sein möge. Sie versuchten, durch Fragen etwas herauszubringen, doch als Erwiderung schüttelte er nur den Kopf.
Von Tag zu Tag wurde der Knecht stiller und niedergeschlagener. Zeitweise begann er irre zu sprechen. Am zwölften Tage schritt er im Hause von der Stube in den Stall, auf die Tenne, in die Rem und wieder zurück. "Geld hält' i gnuag - unterm Wasser muß i leb'n - 's gar", vernahm man paarmal aus seinem Munde.
Jedes redete ihm mit guten Worten zu, doch er horchte nicht. Abends ging er den Weg, den er vor zwölf Tage gegangen war: zum Fenster der Bäuerin vom "Schwarzen Hofe"
Die Bäuerin war wieder beim Goldklauben. Mit ungeahnter Wucht stieß der Gundhabinger Knecht mit der Faust das Fenster ein. - Die Bäuerin tat einen grellen Schrei und die Erde begann ganz langsam zu sinken.

Das Mooswasser neben dem Stall rann immer größer, ein kleines Bächlein wurde daraus. Die Dienstboten verließen den Hof. Der Gundhabinger Knecht eilte ihnen nach.
"Bleibt da! Bleibt da!" rief er. - Als sie sich umschauten, sahen sie vom Hause nichts mehr. Ein großer See lag darüber.
Alle gingen mit dem Knecht nach Gundhabing und verbrachten dort die restliche Nacht. Am nächsten Morgen schaute man nach, doch nichts mehr konnte man von diesem stattlichen Hause sehen. Und weil man den Hof den "Schwarzen Hof" hieß, so taufte man den See gleich "Schwarzsee".
Bald erkrankte der Gundhabinger Knecht - er war jetzt nicht mehr irre - schwer. Vor dem Sterben sagte er, daß in der Tiefe des Schwarzsees eine Truhe, gefüllt mit Gold und Silber, ist, und einen überaus großen Wert besitze. Diesen Schatz kann nur einer heben, der am Karfreitag geboren ist.

Quelle: Anton Schipflinger in: Kitzbühler Nachrichten, 1939, Nr. 15, S. 6.
aus: Sagen, Bräuche und Geschichten aus dem Brixental und seiner näheren Umgebung, gesammelt und niedergeschrieben vom Penningberger Volksliteraten Anton Schipflinger, zusammengestellt von Franz Traxler, Innsbruck 1995 (Schlern-Schriften Band 299).

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