03.11.2016, 12:10 Uhr

Mangelware Techniker: Österreich fehlen 3.000 IT-Fachkräfte

Die Softwareindustrie sieht einen Bedarf, aber keinen Mangel an Fachkräften. (Foto: WOCinTech/CC BY 2.0)

Industrie und Wirtschaft klagen seit Jahren über den Mangel an Fachkräften, vor allem die IT-Branche ist betroffen. Vertreter der Softwareindustrie sehen allerdings keinen Mangel.

ÖSTERREICH. Laut Wirtschaftskammer fehlen in Österreich 3.000 IT-Fachkräfte. Für Walter Becvar hat sich die Lage sogar verschlimmert. "Der Markt würde mehr Techniker benötigen", sagt der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmensberaters Odgers Berndtson im Gespräch mit meinbezirk.at. Neben der IT-Branche mangle es auch im Projektmanagement an Fachkräften, so Becvar weiter.

"Es gibt keinen Mangel"

Peter Lieber vom Verband der Österreichischen Software-Industrie (VÖSI) ortet hingegen einen Fachkräftebedarf, aber keinen Mangel. "Aus unserer Sicht gibt es genügend Fachkräfte, aber mit 'falschen' Qualifikationen oder nicht passsenden Erwartungshaltungen, etwa beim Gehalt", so Lieber auf Anfrage von meinbezirk.at. Auch gebe es genügend Ein-Personen-Unternehmen, die geeignet wären, diese Lücke zu füllen, sagt Lieber weiter. Bedarf gebe es an günstigen, hochqualifizierten, mit ausgeprägten Kommunikationsfähigkeiten ausgestatteten Fachkräften, so der Präsident des VÖSI.

Generation 50+ weiterbilden

Ein Teil des Problems könnte laut Robert Koenes vom Personalberater Iventa gelindert werden, indem ältere Arbeitnehmer besser weitergebildet werden. "Obwohl 'Training on the job' weit verbreitet ist, fehlt meist ein dokumentierter Weiterbildungsnachweis, der für künftige Arbeitgeber aber wichtig ist", sagt Koenes zu meinbezirk.at. Doch auch die Einbindung älterer Arbeitnehmer werde das Problem Technikermangel nicht zur Gänze lösen, ist Koenes überzeugt.

Unis kaum auf Digitalisierung vorbereitet

Für Becvar ist das universitäre System nicht gut genug auf die Digitalisierung vorbereitet. "Ich möchte nicht von Eliteunis sprechen, aber ein höheres Anforderungsprofil an die Studenten ist wünschenswert", so Becvar. Eine Ausnahme stelle hier die Montanuniversität Leoben dar. Auch Lieber schlägt vor, bei der Bildung anzusetzen, aber schon viel früher: "Der Schlüssel zum Umgang mit dem Fachkräftebedarf ist, IT-Kompetenzen frühzeitig in der Bildung zu integrieren."

Ortsgebundenheit als Hemmschuh

Koenes betont, dass der Technikermangel von Region zu Region variiert. So sei es in Oberösterreich etwa schwer Mechatroniker, Elektroniker oder Programmierer zu finden. Andrerseits würde es helfen, wenn Fachkräfte, die in ihrer Region keinen Job finden, bereit seien, umzuziehen.
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Alfred Kaipel aus Floridsdorf | 06.11.2016 | 17:39   Melden
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Rudolf Sauerzapf aus Hollabrunn | 07.11.2016 | 10:34   Melden
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