17.08.2016, 10:27 Uhr

Sicherheit am Schulweg: Junge Mittelschüler verunfallen am häufigsten

Üben, üben, üben – und zwar den Schulweg. Das sollten nicht nur die Tafelklassler, sondern auch die älteren Schulkinder. Denn Routine kann gefährlich sein. (Foto: bilderbox)

Was mit den Tafleklasslern ausgiebigst geübt wird, wird bei den "Größeren" leider oft schon zur Routine: 11-Jährige sind am Schulweg am gefährdetsten.

Rund 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche machen sich in Österreich demnächst wieder auf den Weg in die Schule. 473 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 15 Jahren erlitten dabei im Vorjahr einen Unfall.
"Entgegen der landläufigen Vermutung sind aber nicht die Schulanfänger am häufigsten betroffen, sondern die „Großen“, die 11-Jährigen", betont Holger Till, Präsident des Vereins "Große schützen Kleine" und Vorstand der Grazer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie

Unfallrisiko nach Alter und Fortbewegungsart

Vielleicht überraschend: Schulanfänger erleiden am seltensten Schulwegunfälle. Denn sie werden in der Regel gut vorbereitet und oftmals begleitet. Zu Beginn der 2. Klasse Volksschule verdoppelt sich das Unfallrisiko. Die Kinder gehen nun alleine zur Schule, haben einiges vergessen und/oder sind umgezogen, sodass der Schulweg völlig neu ist. In der dritten Klasse sinkt das Risiko eines Schulwegunfalls wieder, was auf die ausgereifteren psychomotorischen Fähigkeiten zurückzuführen ist. Zwischen dem 9. und 10. Lebensjahr schnellen die Unfallzahlen nach oben, um mit 11 Jahren einen absoluten Höhepunkt zu erreichen. Denn mit 10 Jahren kommt eine weitere Fortbewegungsart hinzu: das Fahrradfahren. Nach der freiwilligen Radfahrprüfung werden die Fähigkeiten der Kinder oft überschätzt, die Routine fehlt. Bis 14 Jahre sinkt die Anzahl der Unfälle wieder auf das Niveau der 8-Jährigen, um dann erneut sprunghaft anzusteigen. Nämlich, wenn das Mopedfahren aktuell wird.

Übung gibt Sicherheit

Wenn zu Fuß gehende Schulkinder wissen, wie sie sicher in die Schule kommen, wie sie sich in schwierigen Situationen verhalten und die Verkehrsregeln nicht nur kennen, sondern auch anwenden können, dann könnte ein großer Teil der Unfälle vermieden werden. „Die Kinder sollten die Rechts-Links-Regel nicht nur als Formel auswendig wissen, sondern beim Überqueren einer Straße auch tatsächlich anwenden können. Deshalb: üben, üben, üben! Mit den Schulanfängern sollten die Eltern schon in den zwei Wochen vor Schulbeginn damit beginnen“, rät Till.
Aber auch beim Wechsel von der Volks- in die Mittelschule sollte wieder geübt werden, denn einerseits wird über die Ferien viel vergessen und andererseits gestaltet sich der Weg vielfach ganz anders.

Handy und Kopfhörer sollten tabu sein

Auslöser vieler Unfälle ist Ablenkung – und Eltern und andere Erwachsene sind dabei die wichtigsten Vorbilder. „Wenn Sie selbst ein Auto lenken, verzichten Sie zum Schutz von Kindern darauf, Ihr Handy oder das Navi zu bedienen, heruntergefallene Gegenstände aufzuheben und auf alle anderen Ablenkungen“, appelliert Till.
„Sprechen Sie außerdem mit Ihrem Kind darüber, dass Telefonieren, WhatsAppen & Co. auch für Fußgänger eine große Ablenkung ist. Am besten sollte auf dem Schulweg ganz darauf verzichtet werden“, so Till. Auch Musikhören sollte tabu sein – Kopfhörer gehören in die Schultasche, damit die Ohren für Verkehrsgeräusche frei sind.

Mehr Sicherheitstipps für den Schulweg gibt es hier.
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