Wenn Rotkreuz Hilfe weit über den Einsatz hinausgeht

Foto: Andreas Demuth - Rotes Kreuz Leibnitz
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Fortbildung der Krisenintervention des Roten Kreuzes in Leibnitz: Erfahrungen aus dem Amoklauf am BORG Dreierschützengasse, persönliche Einblicke und ein starkes Zeichen für Zusammenarbeit und Zusammenhalt.

LEIBNITZ. Ein besonderer Fortbildungstag ganz im Zeichen der Menschlichkeit, des fachlichen Austausches und der Frage, wie Menschen nach außergewöhnlich belastenden Ereignissen bestmöglich begleitet werden können: Am 10. Oktober trafen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kriseninterventionsteams des Roten Kreuzes an der Bezirksstelle Leibnitz.

Unter dem Titel „Krisenintervention im Rahmen komplexer Ereignisse – akut und im Verlauf“ wurde ein Thema behandelt, das für die tägliche Arbeit der Krisenintervention immer wichtiger wird. Denn nicht jedes Ereignis ist mit dem Ende eines Einsatzes auch tatsächlich abgeschlossen. Gerade nach schweren Unglücksfällen oder außergewöhnlichen Ereignissen beginnt für viele Betroffene eine lange Phase der Verarbeitung und Neuorientierung.

Einblicke in einen außergewöhnlichen Einsatz

Im Mittelpunkt stand der Amoklauf am BORG Dreierschützengasse in Graz vom 10. Juni 2025. Mag. Heidrun Nedoma, Klinische und Gesundheitspsychologin sowie fachliche Leiterin des Rotkreuz Kriseninterventionsteams Leibnitz, berichtete über die Akutintervention und die umfangreichen Betreuungsmaßnahmen, die in den darauffolgenden Wochen und Monaten notwendig waren.

Besonders eindrucksvoll waren die Ausführungen von MMag. Dr. Liane Strohmaier, Direktorin des BORG Dreierschützengasse. Sie schilderte ihre persönlichen Erfahrungen als unmittelbar Betroffene und gab Einblicke in die Herausforderungen, die sich für eine Schulgemeinschaft nach einem solchen Ereignis ergeben.

Dabei ging es nicht nur um die ersten Stunden und Tage, sondern auch um den langen Weg zurück in einen veränderten Schulalltag, die Begleitung von Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Angehörigen sowie die vielen notwendigen Abstimmungen mit unterschiedlichen Unterstützungsorganisationen.

Zusammenarbeit, die trägt

Ein wesentlicher Schwerpunkt des Fortbildungstages war die Schnittstellenarbeit. Gerade bei komplexen Ereignissen zeigt sich, wie wichtig es ist, dass Rettungsdienst, Polizei, Behörden, Schulen und psychosoziale Unterstützungseinrichtungen gut zusammenarbeiten.

Die Erfahrungen aus Graz verdeutlichten, dass klare Zuständigkeiten, abgestimmte Kommunikation und ein gemeinsames Verständnis der Bedürfnisse Betroffener entscheidend sind. Es geht darum, nicht in den Grenzen einzelner Organisationen zu denken, sondern gemeinsam die bestmögliche Unterstützung sicherzustellen.

Auch der Blick auf die Helfenden selbst kam nicht zu kurz. Dr. Walter Hofer, ehemaliger FIS-Renndirektor im Skisprung und früher selbst Mitarbeiter der Krisenintervention, beschäftigte sich in seinem Beitrag „Fit im Alltag“ mit körperlicher Fitness und persönlicher Widerstandskraft. Denn wer anderen in schwierigen Lebenssituationen zur Seite steht, muss auch auf die eigene Gesundheit achten.

Ein Tag, der verbindet

Neben den fachlichen Inhalten war vor allem der persönliche Austausch über Bezirksgrenzen hinweg ein wichtiger Bestandteil der Veranstaltung. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus unterschiedlichen Regionen nutzten die Gelegenheit, Erfahrungen zu teilen, Kontakte zu knüpfen und voneinander zu lernen.

Ein besonderer Dank gilt Mag. Heidrun Nedoma, die mit großem persönlichem Engagement und ihrem umfangreichen Netzwerk maßgeblich zum Gelingen des Fortbildungstages beitrug. 

Der Fortbildungstag zeigte einmal mehr, was die Krisenintervention des Roten Kreuzes auszeichnet: fachliche Kompetenz, Menschlichkeit, gegenseitige Unterstützung und die Bereitschaft, sich auch mit schwierigen Fragen auseinanderzusetzen.

Denn eines wurde besonders deutlich: Hilfe bedeutet nicht nur, im entscheidenden Moment da zu sein. Hilfe bedeutet auch, danach nicht wegzusehen.

Foto: Andreas Demuth - Rotes Kreuz Leibnitz
v.l.n.r.: MMag. Dr. Liane Strohmaier, Dr. Walter Hofer, Mag. Heidrun Nedoma | Foto: Andreas Demuth - Rotes Kreuz Leibnitz
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