Erdstöße der Stärke 4,4
Erdbeben am Semmering bis in den Bezirk Leoben spürbar
- Ein kräftiges Erdbeben der Magnitude 4,4 hat in der Nacht auf Freitag das Grenzgebiet zwischen der Steiermark und Niederösterreich erschüttert und war bis in den Bezirk Leoben spürbar. (Symbolbild)
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Ein kräftiges Erdbeben der Magnitude 4,4 hat in der Nacht auf Freitag das Grenzgebiet zwischen der Steiermark und Niederösterreich erschüttert. Die Erschütterungen waren nicht nur im Epizentralraum am Semmering spürbar, sondern reichten über den Semmeringpass hinaus bis in den Bezirk Leoben.
OBERSTEIERMARK/SEMMERING. Nach offiziellen Angaben des Österreichischen Erdbebendienstes der GeoSphere Austria ereignete sich das kräftige Erdbeben am Freitag, 24. Juli, um 1.59 Uhr im Raum Gloggnitz/Semmering im Grenzgebiet zwischen Niederösterreich und der Steiermark in einer Herdtiefe von rund fünf Kilometern. Das Ereignis wurde an allen seismischen Breitbandstationen des Österreichischen Erdbebendienstes flächendeckend registriert.
Wie der Erdbebendienst mitteilte, trafen über 800 Wahrnehmungsberichte ein. Die Erschütterungen wurden in weiten Teilen der Obersteiermark von Bruck an der Mur und Leoben bis in die Südsteiermark sowie im benachbarten Niederösterreich deutlich verspürt. Aus dem Epizentralbereich, wo viele Menschen aus dem Schlaf geweckt wurden, langten bei der GeoSphere Austria auch Meldungen über leichte Gebäudeschäden ein. Das genaue Ausmaß der Schäden wird derzeit noch erhoben.
- Starkes Erdbeben in der Semmeringregion.
- Foto: Santrucek
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Seismologe Anton Vogelmann wies darauf hin, dass bei dieser Magnitude Schäden dieser Art im unmittelbaren Epizentralbereich durchaus typisch seien. In den darauffolgenden Stunden verzeichneten die Messgeräte zudem sieben Nachbeben mit Stärken zwischen 0,2 und 2,1.
Reaktionen aus der Bevölkerung
Dass die Erschütterung derart weit spürbar war, lag vor allem an der geringen Herdtiefe von nur fünf Kilometern. Mitten in der Nacht schreckten zahlreiche Anrainerinnen und Anrainer aus dem Schlaf. Auch im Bezirk Leoben registrierte die Bevölkerung das Ereignis. Auf Social-Media-Plattformen berichteten Menschen, das Beben sogar in Trofaiach und Umgebung bemerkt zu haben.
Interessant ist der Blick auf die Tage vor dem Hauptereignis: Die GeoSphere Austria verzeichnete in der Obersteiermark bereits im Vorfeld kleinere Mikrobeben. Am 20. Juli wurde in Leoben ein Stoß der Stärke 0,8 registriert, am 21. Juli folgte einer mit Magnitude 0,5 und am 23. Juli eine Erschütterung der Stärke 2,0 bei Hieflau. Diese schwachen Signale blieben von der Bevölkerung jedoch weitgehend unbemerkt.
- In sozialen Medien berichteten auch Bürgerinnen und Bürger aus Trofaiach, das Erdbeben wahrgenommen zu haben.
- Foto: Freisinger
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Geologischer Hintergrund: Die steirischen Störungszonen
Dass die Erde in der Obersteiermark und am Semmering regelmäßig bebt, hat einen direkten geologischen Grund: Die Region liegt exakt auf einer der aktivsten Störungszonen der Ostalpen. Erdbeben sind in der Steiermark keine Seltenheit, pro Jahr werden im Schnitt rund sieben bis zehn spürbare Erdbeben erfasst– im jüngsten Jahresvergleich lag die Steiermark mit 18 wahrnehmbaren Beben (davon mehr als die Hälfte im Raum Unzmarkt–Judenburg) im Jahr 2025 sogar an der Spitze der österreichischen Statistik, gefolgt von Niederösterreich mit 17 und Tirol mit 14 Ereignissen.
Seismologische Auswertungen der GeoSphere Austria zeigen, dass es im Schnitt alle acht Jahre zu Erschütterungen kommt, die stark genug sind, um leichte Gebäudeschäden zu verursachen. Größere Schadensereignisse treten im jeweiligen Epizentrum etwa alle 40 Jahre auf.
Geologisch betrachtet wird das steirische Areal durch zwei große Bruchzonen geprägt. Die Mur-Mürztal-Störungszone zieht sich von der oberen Mur über Leoben, Bruck an der Mur und Mürzzuschlag bis zum Semmering und setzt sich im Wiener Becken fort. Sie ist die Hauptursache für das aktuelle Beben. Die Lavanttal-Störung zweigt nach Südosten ab und betrifft vor allem die Regionen um Judenburg und Obdach. In beiden Zonen bewegen sich die Gesteinsblöcke meist in Tiefen zwischen 5 und 10 Kilometern.
- Die Haupterdbebenzonen der Steiermark verlaufen entlang der Lavanttal-Störung sowie der verknüpften Mur-Mürztal- und Semmering-Linie, die als seismisch aktivste Region des Bundeslandes gilt. (Symbolbild)
- Foto: Pixabay
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Blick in die regionale Erdbebenhistorie
Historische Aufzeichnungen der GeoSphere Austria belegen die ausgeprägte Seismizität entlang dieser steirischen Bruchlinien. Erdbeben, die eine Epizentralintensität vom Grad 7 überschreiten, sind zwar selten in Österreich – es sind aber dennoch mehrere Erdbeben dieser Klasse seit dem Jahr 1201 bekannt. Zu den prägendsten Ereignissen der Region zählen die dokumentierten Schadensbeben in Leoben (6. Februar 1794), Mürzzuschlag (14. März 1837), Kindberg (1. Mai 1885), Wartberg (25. Juli 1927) sowie in Obdach (3. Oktober 1936).
Im Juni 1964 erreichte ein Beben direkt am Semmering eine Magnitude von 5,3 und gilt bis heute als regionales Referenzereignis für die moderne Seismologie, da es das stärkste instrumentell aufgezeichnete Ereignis der Region ist und als Maßstab für moderne Risiko- und Bauberechnungen dient.
- In der Region Judenburg bebt oft die Erde.
- Foto: MeinBezirk/Julia Gerold
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Im Jahr 2009 führte ein Beben bei Mürzzuschlag mit einer Magnitude von 4,6 zu kleineren Gebäudeschäden. Auch im Raum Leoben, Bruck an der Mur sowie in der Kindberger Gegend wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer wieder spürbare Erschütterungen verzeichnet.
Wahrnehmungen melden
Wahrnehmungen kann man beim Erdbebendienst über das Web-Formular, die App QuakeWatch Austria oder mittels Post an die Geosphere Austria, Hohe Warte 38, 1190 Wien, bekannt geben.
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