CO2-Minderung bei Zement
Auszeichnung für Leobener Forscherin
- Christine Gröll, Absolventin der Montanuniversität Leoben, gewinnt den zweiten Preis beim Studienpreis der Körber-Stiftung.
- Foto: Kay Herschelmann
- hochgeladen von Astrid Moder
Christine Gröll von der Montanuniversität Leoben belegte beim Deutschen Studienpreis den zweiten Platz. Seine Anwendung findet ihr Forschungsansatz zur CO2-ärmeren Zementproduktion unter anderem im Kärntner Zementwerk Wietersdorf.
LEOBEN. Zement bildet das Fundament der weltweiten Infrastruktur, verursacht jedoch rund sieben Prozent der globalen CO2-Emissionen. Ein Großteil dieser Emissionen entsteht physikalisch bedingt beim Brennen von Klinker im Rohstoffsystem.
Christine Gröll, Absolventin der Montanuniversität Leoben, entwickelte am Lehrstuhl für Aufbereitung und Veredlung unter der Betreuung von Professor Flachberger ein Verfahren, um diese Emissionen deutlich zu senken. Für ihre Dissertation erhielt sie nun den mit dem zweiten Preis dotierten Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung.
Der entscheidende Hebel zur Minderung der Emissionen liegt in der Auswahl und Steuerung der Rohstoffe. Im Zentrum der Arbeit von Gröll steht eine proaktive Prozess- und Qualitätssteuerung. Diese Methode kombiniert eine Echtzeitüberwachung der Rohstoffzusammensetzung mit einer automatisierten Anpassung der Rezepturen und einem optimierten Stoffstrommanagement. Durch diesen Steuerungsansatz lässt sich die chemische Schwankung industrieller Reststoffe ausgleichen. Qualitätsabweichungen werden frühzeitig erkannt und korrigiert, wodurch CO2-arme Ersatzrohstoffe großtechnisch nutzbar werden.
- Christine Gröll mit ihrem Dissertationsbetreuer Helmut Flachberger.
- Foto: Armin Russold
- hochgeladen von Astrid Moder
Erfolgreicher Test im Zementwerk Wietersdorf
Die Praxistauglichkeit des Ansatzes wurde im Zementwerk Wietersdorf im Rahmen von großtechnischen Industrieversuchen nachgewiesen. Je nach Standort lassen sich durch das Verfahren bis zu 45 Prozent der primären Rohstoffe durch CO2-arme Ersatzstoffe ersetzen.
Das Minderungspotenzial liegt bei 119 Kilogramm CO2 pro produzierter Tonne Klinker. Auf Deutschland hochgerechnet entspricht dies einer möglichen Einsparung von rund 2,9 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Die Steuerung hat sich sowohl im Standardbetrieb als auch bei Versuchsproduktionen mit maximalem Ersatzstoffanteil bewährt.
„Dekarbonisierung beginnt an der Quelle. Mit einer intelligenten, vorausschauenden Prozessführung lassen sich CO₂-arme Ersatzrohstoffe sicher und in hoher Qualität in den Zementprozess integrieren – und das in industriellem Maßstab“, so Gröll.
- Christine Gröll, Absolventin der Montanuniversität Leoben, entwickelte am Lehrstuhl für Aufbereitung und Veredlung unter der Betreuung von Professor Flachberger ein Verfahren, um diese Emissionen deutlich zu senken.
- Foto: MUL
- hochgeladen von Astrid Moder
Über den Preis
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Klimaschutz im Rohstoffsystem ansetzt. Die Nutzung geeigneter Reststoffe stärkt industrielle Kreisläufe, erhöht die Versorgungssicherheit und fördert die regionale Wertschöpfung.
Der Deutsche Studienpreis zählt mit einer Gesamtdotierung von 135.000 Euro zu den höchstdotierten Nachwuchspreisen in Deutschland. Schirmherrin ist Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die die Auszeichnungen im Dezember 2026 in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin überreicht.
Das könnte dich auch interessieren:
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.