Wirbel um Festakt
Montanuni Leoben distanziert sich von Burschenschaft-Redner
- Die Einladung des umstrittenen deutschen Politikers Matthias Helferich als Festredner beim 140. Stiftungsfest der Leobener Burschenschaft Leder sorgt für massive Kritik.
- Foto: Montanuniversität Leoben/Harald Tauderer
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Ausgerechnet an dem Tag, an dem sich die Montanuniversität Leoben offiziell ihrer eigenen NS-Vergangenheit stellt, gerät die Hochschule wegen eines aktuellen Vorfalls im universitären Umfeld unter Druck. Grund ist der angekündigte Festredner beim 140. Stiftungsfest der Burschenschaft Leder am bevorstehenden Wochenende.
LEOBEN. Es hätte ein Tag des kritischen Gedenkens werden sollen. Am Mittwoch präsentierte die Montanuniversität Leoben, wie berichtet, ein neues, wissenschaftliches Projekt zur Aufarbeitung der universitären Geschichte während der NS-Zeit. Doch zeitgleich verurteilte die Sozialistische Jugend (SJ) Steiermark die geplante Festrede von Matthias Helferich beim 140. Stiftungsfest der Burschenschaft Leder am kommenden Wochenende scharf.
Der deutsche Politiker wurde im Juli des Vorjahres wegen extremistischer Positionen aus der AfD in Nordrhein-Westfalen ausgeschlossen. Bundesweit bekannt wurde er durch seine Selbstbezeichnung als „freundliches Gesicht des Nationalsozialismus“, die er später als satirisch beziehungsweise nicht ernst gemeint relativierte. „Wer einer solchen Person eine Bühne biete, treffe eine bewusste politische Entscheidung“, kritisiert der steirische SJ-Vorsitzende Constantin Benga und fordert vom Rektorat den Ausschluss der Verbindung aus allen universitären Strukturen.
- Constantin Benga, Vorsitzender der Sozialistischen Jugend Steiermark verurteilt die Einladung des deutschen AfD-Politikers Matthias Helferich durch die Leobener Burschenschaft Leder.
- Foto: SJ Steiermark
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Die Geister der Vergangenheit
Brisant ist die Vorgeschichte: Bereits im Jahr 2018 sorgte die Burschenschaft für bundesweite Empörung, als auf dem Campus homophobe Flugblätter mit Motiven des NS-Malers Wolfgang Willrich auftauchten, was Ermittlungen wegen des Verdachts der Verhetzung auf sich zog. Für die SJ Steiermark zeigt die aktuelle Einladung Helferichs, dass die Verbindung nichts gelernt habe. Die Jugendorganisation sieht darin eine gezielte Provokation, da Helferich in der Vergangenheit intern seine Bewunderung für genau jenen NS-Maler ausgedrückt hatte, dessen Motive 2018 in Leoben genutzt wurden.
Montanuniversität distanziert sich politisch und moralisch
Das Rektorat der Montanuniversität reagierte mit einer klaren politischen und moralischen Abgrenzung auf die Vorwürfe. Die Rektor Peter Moser stellte unmissverständlich klar: „Das Rektorat distanziert sich von jeder Form der Verharmlosung oder Normalisierung extremistischer Positionen. Die Einladung eines in Medien und Öffentlichkeit als rechtsextrem beschriebenen, äußerst umstrittenen Politikers ist mit den Werten einer offenen, inklusiven und wissenschaftsbasierten Universität nicht vereinbar.“
Gleichzeitig verweist die Hochschule jedoch auf die strikte Trennung von Universität und Privatleben der Studenten. Da das Stiftungsfest und das geplante Festsymposium außerhalb des Geländes stattfinden, habe das Rektorat keine direkte Handhabe. „Private Vereine oder Verbindungen sind rechtlich eigenständig. Handlungen oder Veranstaltungen außerhalb unserer Räumlichkeiten und ohne unsere Ressourcen sind weder von der Universität organisiert noch legitimiert.“
- Das Rektorat der Montanuniversität Leoben distanziert sich von jeder Form der Verharmlosung oder Normalisierung extremistischer Positionen. Im Bild: Vizerektorin Manuela Raith, Vizerektor Thomas Prohaska, Rektor Peter Moser, Vizerektor Helmut Antrekowitsch, Vizerektorin Christina Holweg (v. l.)
- Foto: Montanuniversität Leoben/Harald Tauderer
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Debatte um rechtliche Zuständigkeiten und Konsequenzen
In der öffentlichen Wahrnehmung werden die lokalen Verbindungen oft mit der Universität assoziiert. Deshalb betont das Rekorat, dass für das anstehende Festwochenende keinerlei Kooperation, Unterstützung oder Nutzung universitärer Infrastruktur vorliegt.
Wie weit der Arm der Universität reicht, um Konsequenzen zu ziehen, bleibt eine Frage für Juristen. „Das Rektorat prüft derzeit sorgfältig den rechtlichen und organisatorischen Handlungsspielraum der Universität in dieser Angelegenheit“, heißt es auf Anfrage von MeinBezirk. Man werde alle zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, wenn das Ansehen der Institution beeinträchtigt wird.
Für das Rektorat der Montanuniversität steht fest, dass der eigene Weg durch Taten und klare Standards definiert wird. Unabhängige historische Forschung und klare Verhaltensrichtlinien im universitären Kontext sollen sicherstellen, dass rechtsextremes Gedankengut keinen Platz an der Hochschule findet.
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