Ein Tag im Museum (+ Video)
Museumshof Kammern zeigt die Kunst des Alltäglichen
- Obmann Rüdiger Böckel vor einer alten aber intakten Drechselbank.
- Foto: Konrad
- hochgeladen von Sarah Konrad
Eine Sonderausstellung im Museumshof Kammern gewährt einen Einblick in die Geschichte der Region und zeigt, welch große Kunst in scheinbar Alltäglichem steckt.
KAMMERN. Mitten im Zentrum von Kammern liegt der Museumshof, der dem Besucher auf beeindruckende Weise einen Einblick in die 200 Jahre alte landwirtschaftliche Geschichte und das Leben im Kohle- und Bergbau sowie in der Landwirtschaft gibt.
Relativ unscheinbar wirkt der Eingang zu einer der drei Sonderausstellungen, die gerade im Museumshof besucht werden kann. Was sich dem Besucher jedoch hinter einer einfachen Holztür eröffnet, ist nichts weniger als ein Einblick in das Leben und Werken der früheren Bewohner der Region. Möglich gemacht hat die Ausstellung das gute Auge und vielleicht auch der „sechste Sinn" von Rüdiger Böckel, Obmann des Vereins „Freunde des Museumshofes Kammern". Über vierzig Jahre hinweg hat er allerhand zusammengetragen: von Werkzeug über Schuhe und andere "Alltagsgegenstände", deren Wert einem Laien vielleicht verborgen, dem geschulten Auge Böckels sich jedoch rasch offenbart hat.
Die Kunst des Alltäglichen
Bereits zu Beginn der Ausstellung wird dem Besucher bewusst, wie viel Aufwand und handwerkliches Geschick hinter scheinbar Alltäglichem steckt. So beherbergt der erste Raum eine Sammlung von altem Schuhwerk sowie dem damals für die Herstellung notwendigen Werkzeug. Bei genauerer Betrachtung wird schnell klar, welch Luxus etwa ein Paar Lederschuhe war. Besonders wenn man bedenkt, dass es lange Zeit gang und gäbe war, den Schuh mit der Hand zu nähen. Die Sammlung enthält neben aufwendig gefertigten Damenschuhen, die beim Gehen mit Absicht quietschen sollten, um die Aufmerksamkeit auf das Damenbein zu lenken, auch die noch heute bekannten „Goiserer" – Schuhe, die aufgrund ihrer Robustheit und der mit Eisennägeln beschlagenen Sohle besonders gut für alpines Gelände geeignet waren und mitunter von Kaiser Franz Joseph zur Jagd getragen wurden. „Das ist der Hammer", mag dem Besucher bei diesem Anblick schon einmal in den Sinn kommen. Was diese Redewendung oder der Ausspruch, etwas sei niet- und nagelfest allerdings mit unserem Schuhwerk zu tun haben, dieses Geheimnis wird in der Ausstellung gelüftet.
Von der Schmiedekunst zum Holzhandwerk
Der Historiker und ehemalige praktische Arzt Rüdiger Böckel hat sich über die Jahre hinweg als Sammler einen Namen gemacht. So kann es schon passieren, dass ihm Leute ganz überraschend altes, verrostetes Werkzeug vorbeibringen. Denn sie wissen, „der Rüdiger, der verscherbelt das nicht", wie er selbst mit einem Augenzwinkern erzählt. Kombiniert mit seiner jahrelanger Durchforstung des Liesingtals erklärt dies wohl auch die beeindruckende Sammlung an geschmiedeten Bohrwerkzeugen in allen erdenklichen Größen, die dem Besucher beim Gang in den nächsten Ausstellungsraum präsentiert werden. Hier ändert sich das Material und so findet sich der Besucher plötzlich in der Welt der Fassbinder, Holzdrechsler und Schnitzer wieder.
Ein Würfel im Würfel
Neben einer alten aber gut erhaltenen, intakten Drechselbank sowie eine kleine Holzhobel aus dem Jahr 1549, die Böckel im Paltental gefunden hat, beinhaltet dieser Ausstellungsraum unzählige Kunstwerke aus Holz. Ein ganzes Regal voll kunstvoll geschnitzter und gedrechselter Gefäße etwa aus Zirbe, Esche, Ahorn oder Nuss stammen dabei von Josef Eisenpass aus Seiz. Was aus Holz alles herausgearbeitet werden kann und welche Kunststücke dabei entstehen können, zeigt sich dem Besucher bei Betrachtung einer Glasvitrine. Darin befindet sich unter anderem ein Würfel aus Holz, in dessen Hohlraum sich ein weiterer Holzwürfel befinden, der wiederum kleinere Holzwürfel beinhaltet.
Den Dingen Leben einhauchen
Mit dieser Sonderausstellung ist Rüdiger Böckel eines gelungen: den Dingen Leben einzuhauchen. Jedes Stück hat seine eigene Geschichte, oftmals auch sehr persönliche. Neben dieser Ausstellung haben Besucher die Möglichkeit, sich im Rahmen der Dauerausstellung ein Bild vom Leben im Kohle und Bergbau sowie in der Landwirtschaft zu verschaffen, oder die beiden weiteren Sonderausstellungen zu besuchen.
Weitere Informationen zum Museumshof Kammern:
https://www.kammern-liesingtal.at/museum/
Marktplatz, 8773 Kammern im Liesingtal
Öffnungszeiten: 1. Mai bis 31. Oktober
- Donnerstag bis Sonntag: 10.00 – 12.00 Uhr und 14.00 – 17.00 Uhr
- Gruppenführungen auch nach telefonischer Voranmeldung: +43 664 / 505 19 31 oder: +43 3844 / 8020-16
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