Kunst als politisches Statement
Was ist Arbeit? Was ist Leistung?
- hochgeladen von Hubert Thurnhofer
Helmo Pape, einer der Initiatoren des Volksbegeherns für ein BGE Bedingungsloses Grundeinkommen fordert: „Erweitern wir unseren Arbeitsbegriff, dann müssen wir anerkennen, dass permanent Arbeit geleistet wird: a) an sich selbst in der Verbesserung oder Wiedererlangung eigener Fähigkeiten, auch Pausen sind dafür absolut notwendig; b) für die Betreuung von Kindern, Verwandten, ja allen Lebewesen auch Tieren und Pflanzen für die man Verantwortung trägt; c) für Organisationen, die freiwillige Mitarbeit erfordern – von der Kirche bis zur Feuerwehr, von der Klimagruppe bis zur Initiative für Medienunabhängigkeit; d) und die Erwerbstätigkeit, also die Umsetzung des Ziels, mit dem, was man gerne tut, Geld zu verdienen.“ Anders gesagt: Arbeit ist jede Form einer verantwortungsvollen Tätigkeit. Teilnehmerinnen der Ausstellung "Arbeit & Leistung" haben dazu ihr Statement in Wort und Bild abgegeben:
Astrid Sodomka: Nein, es ist keine Privatsache, eine Familie zu haben. Care-Arbeit ist kein Liebesdienst sondern grundlegend und systemrelevant und gehört entlohnt.
Hinter der Arbeit steckt die Arbeit. Da ist die Erwerbsarbeit – gut sichtbar in der Öffentlichkeit und Politik – und daneben, dazwischen, darin, anstelle von, stattdessen und auch – muss die Care-Arbeit gemacht werden. Eingelegt in die Erwerbsarbeit, parallel und zeitgleich – aber unsichtbar, weil unbezahlt. Und damit mit untragbaren und langfristigen Konsequenzen – vor allem auch für Künstler*innen, die oft ohnehin prekär leben.
Hausarbeit, Pflege und Erziehung finden an den Rändern (des Tages, der Wahrnehmung, der Gesellschaft) statt, rauben Zeit und Energie. Wer es sich leisten kann, lagert sie aus – an die, die keine Wahl haben. Ein Nein zu unbezahlter Care-Arbeit ist ein Nein zu unbezahlter Arbeit generell.
Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen lassen sich die Bedingungen von Reproduktionsarbeit – und damit soziale Beziehungen – ändern. Es stellt also die Grundlage zur Veränderung von Machtverhältnissen dar.
Video zur Ausstellung: "Intarsie" - Zwei Videos werden kombiniert, über den Greenscreen entsteht ein collagierter Raum – und eine Doppelung der Akteurin. Der Titel kann als beides verstanden werden: Als Verweis auf die Funktion des Screens – einer Intarsie gleich wird ein Teil des Bildes in das andere eingelegt – und gleichzeitig auf die stattfindenden Tätigkeiten. Künstlerische und Reproduktionsarbeit finden am gleichen Ort statt. Was sich sonst gegenseitig die Zeit raubt, passiert parallel. Die Technik wird hier nicht eingesetzt, um den Hintergrund durch eine spektakuläre Szenerie zu ersetzen, sondern um Arbeitsbedingungen der Künstlerin offenzulegen.
Video zur Ausstellung: Intarsie 2021, Videostill
Rosa Parz
Stark – zerbrechlich!
Die Situationen sind oft nicht so wie sie erscheinen ...
Schwarze Haut – weiße Haut und dahinter???
Die helle und die dunkle Seite in Dir und in mir.?!???
Die hellen und die dunklen Töne ...
Installation zur Ausstellung: “Rechtes Bühnenbild Inntoene-Jazzfestival 2020“, Mischtechnik, 170 x 90 cm
Reichert Raphael: Das Video "on labour and caring" besteht aus einem Interview mit zwei neuseeländischen Künstlerinnen, die über die Zukunft der Arbeit sprechen und inwiefern einerseits Technologie unser Leben vereinfachen und andererseits künstliche Intelligenz emotionale Nähe ersetzen kann. Im Video ist ein Kranarbeiter zu sehen, dessen Job in der nahen Zukunft von einem Roboter ersetzt werden wird.
„Erweitern wir unseren Arbeitsbegriff, dann müssen wir anerkennen, dass permanent Arbeit geleistet wird: a) an sich selbst in der Verbesserung oder Wiedererlangung eigener Fähigkeiten, auch Pausen sind dafür absolut notwendig; (...)" Dieses Zitat von Helmo beschreibt sehr treffend meine derzeitige künstlerische Beschäftigung. Zusammen mit dem kürzlich entstandenen Video "Bed" und zahlreichen weiteren sich in Produktion und Planung befindenden Videoarbeiten, bilden diese den Start einer langfristigen Beschäftigung mit der in "don't look into the sun" bereits angerissenen Auseinandersetzung mit dem Imperativ der ständigen Selbstoptimierung und Selbstausbeutung, inner- und ausserhalb der Kunstwelt.
Video zur Ausstellung: "on labour and caring" Ausstellungsansicht Regionale 20, Satellit M54, Saint-Luis, Frankreich.
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