Haslach
Update: Abschiebung von Familie Lopez für Donnerstag geplant

Emilia Lopez und ihre beiden Kinder Joshua (li.) und Joia (re.) hatten sich in Haslach gut eingelebt. Dienstag-Früh wurden sie abgeschoben.  | Foto: privat
  • Emilia Lopez und ihre beiden Kinder Joshua (li.) und Joia (re.) hatten sich in Haslach gut eingelebt. Dienstag-Früh wurden sie abgeschoben.
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  • hochgeladen von Karin Bayr

Aktuelles Update: Familie Lopez soll morgen Donnerstag, 13. April, außer Landes gebracht werden. 

HASLACH. Laut aktueller Auskunft des Anwalts für Fremdenrecht, Wilfried Embacher, ist die indische Familie Lopez, die gestern in den frühen Morgenstunden in Haslach in Schubhaft genommen wurde, nicht mehr zu verhindern. Er vertritt die Familie in Rechtsangelegenheiten. Die Abschiebung soll laut Embacher demnächst erfolgen. Aktuell befinden sich Emilia Lopez und ihre Kinder in einem Anhaltezentrum in Wien, wo sie für die Abschiebung vorbereitet werden. Klaus Peter, Asylquartierbetreiber und Vertrauensperson der Familie bestätigt dies. Er ist mit der Familie in Kontakt und berichtet: „Die Familie soll morgen Donnerstag um 17 Uhr mit dem Flugzeug nach Delhi gebracht und dort der Polizei übergeben werden. Das wurde mit dem BFA (Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl) vereinbart, wie mir die Familie kürzlich mitgeteilt hat.

Haslachs Bevölkerung empört bis verzweifelt

Klaus Peter weiter: „In Delhi droht der Familie die sofortige Verhaftung, da sie keine Hindus, sondern Christen sind. Weiters sind sie bedroht durch ihren Ehemann, der kriminell ist." In Indien gilt die Sippenhaftung. Somit ist die gesamte Familie akut bedroht. Viele Haslacher versuchen noch durch Interventionen die drohende Abschiebung zu verhindern. „Die Empörung ist groß. Wir versuchen noch alles zu mobilisieren, um vielleicht eine Abschiebung doch noch zu verhindern. Auf jeden Fall möchte ich in Folge auf parlamentarischer Ebene eine Initiative starten, für eine Gesetzesänderung, um zumindest in Zukunft solche absurden Fälle zu vermeiden.“ Anwalt Wilfried Embacher versuche den Abschiebebescheid in einzelnen Punkten noch rechtlich zu beeinspruchen, „die Zeit laufe aber davon.“ „Weiters werde ich versuchen, falls die Familie die beantragte Rot-Weiß-Rot-Karte nach der Abschiebung doch noch erhalte, dass eine Ausnahmeregelung für eine frühere Wiedereinreise zugesagt werde (Anmerkung: Die normale Wartezeit beträgt 18 Monat), informiert der Anwalt der Familie.

Neos: "Ist himmelschreiend dumm"

"Es ist himmelschreiend dumm, wir brauchen diese Menschen doch so dringend!“, sagt NEOS-Klubobmann und Landessprecher Felix Eypeltauer zur Schubinhaftierung und bevorstehenden Abschiebung von Familie Lopez. Er fügt an: „Niemand, der bei klarem Verstand ist, kann eine Politik, die zu solchen Entscheidungen führt, verstehen oder gutheißen." Es sei absurd, dass eine Familie, die sich gut integriert hat nicht hierbleiben darf. "Und das bei einem massiven Arbeitskräftemangel. Es ist eine Katastrophe, dass der Arbeitskräftemangel unser aller Wohlstand in Gefahr bringt, bisherige politische Lösungen aber kaum greifen und die Kanzlerpartei ÖVP uns allen aus rechtspopulistischem Kalkül einen offensichtlichen Lösungsweg verwehrt: Dieser Fall ist nur ein Beispiel, warum die Bundespolitik umgehend einen 'Spurwechsel' vom Asylverfahren zur Rot-Weiß-Rot-Karte ermöglichen muss“, so Eypeltauer.


Stand Dienstag, 11. April

Aufregung herrscht in Haslach wegen der heute  Früh durchgeführten Verhaftung der gut integrierten indischen Familie Lopez. Haslacher sammelten 1.000 Unterschriften.

HASLACH, WIEN. Es war noch dunkel, als heute Morgen die Polizei anrückte und die indische Familie Lopez abholte. Um fünf Uhr früh hätten Polizisten, laut Bericht von Zeugen, die Tür des Wohnhauses aufgebrochen und die Wohnung gestürmt. Die 40-jährige Inderin Emilia Lopez sowie ihr 15-jähriger Sohn Joshua wurden festgenommen. Kurze Zeit später wiederholte sich laut eines anderen Zeugen das gleiche Schauspiel wieder, bei der Wohnung der 21-jährigen Tochter Joia, die zur Untermiete lebte. Alle drei wurden in Schubhaft genommen. In Haslach herrscht Unverständnis und Aufregung aufgrund der durchgeführten Abschiebung. Waren doch Emilia Lopez und ihre zwei Kinder in der Gemeinde gut integriert, wie die BezirksRundSchau schon am 10. Februar berichtete.


Familie gut integriert

Die Gemeinde hatte jahrelang für den Verbleib der Mutter und ihrer zwei Kinder gekämpft. Die drei sind seit zweieinhalb Jahren in Haslach, die Mutter arbeitet als Köchin, die 21-jährige Tochter macht eine Ausbildung zur Altenpflegerin. Der 15-jährige Sohn geht in die Mittelschule und spielt im Fußballverein in Haslach. Die Mutter engagiert sich in der Gemeinde auch als Mesnerin in der Kirche. Alle drei sprechen perfekt Deutsch. Bürgermeister Dominik Reisinger (SPÖ) spricht von einem Schock für die Gemeinde. „Es ist völlig unverständlich und ich bin massiv erschüttert. Beide arbeiten in Mangelberufen. Wir brauchen solche Leute, vor allem, wenn sie so gut und umfänglich integriert sind, wie diese Familie. Tochter Joia könnte demnächst schon im Bezirks-Altenheim in Haslach als Altenpflegerin anfangen. “

Gemeinde kämpfte jahrelang für Verbleib

Im Ort wurden mehr als 1.000 Unterschriften für ein Bleiberecht gesammelt. Dennoch wurde der Asylantrag abgelehnt. „Schockiert zeigt sich die Bevölkerung in Haslach auch „über die Methode der Durchführung der Abschiebung." In der Kirche wird ab heute Dienstag, 11. April und morgen Mittwoch, 12. April, jeweils um 19 Uhr, eine Gebetswache für Emilia und ihre Kinder durch die Pfarre eingerichtet. Aktuell befinden sich Emilia Lopez und ihre beiden Kinder in einem Anhaltezentrum in Wien. Noch in dieser Woche sollen die drei nach Indien abgeschoben werden, wo sie als Christen verfolgt werden. Die Hoffnungen, dass die Familie wegen ihrer Mangelberufe mit Rot-Weiß-Rot-Karte bleiben kann, zerstreuen sich. Sind die drei erst einmal abgeschoben, dürfen sie eineinhalb Jahre lang nicht mehr einreisen.

Bürgermeister hofft auf Menschlichkeit

Haslachs Bürgermeister Dominik Reisinger pocht auf eine menschliche Lösung: „Es muss doch irgendwie möglich sein, dass es hier zu einer humanitären Lösung kommt. Für die Zukunft muss man die aktuelle Gesetzeslage hinterfragen und entsprechend ändern, damit solche absurden Fälle vermieden werden.“

Aufruf zur Spontandemo für Bleiberecht für die Familie Lopez in Wien
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