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Bildung wirkt
Hannah Hubmann als Staplerfahrerin erfolgreich in einer Männerdomäne

Hannah Hubmann bezeichnet sich selbst als Durchbeißerin. Dieser Einstellung hat ihr geholfen, sich in einer beruflichen Männerdomäne zu behaupten, zunächst als Gleisbautechnikerin, nun als Staplerfahrerin. | Foto: Hubmann
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  • Hannah Hubmann bezeichnet sich selbst als Durchbeißerin. Dieser Einstellung hat ihr geholfen, sich in einer beruflichen Männerdomäne zu behaupten, zunächst als Gleisbautechnikerin, nun als Staplerfahrerin.
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Bildung ist die Basis für eine wertebasierte Gesellschaft: Das Bildungsnetzwerk Steiermark stellt Menschen vor, deren Leben durch eine Aus- bzw. Weiterbildung bereichert wurde – heute berichtet Hannah Hubmann von ihren Erfahrungen.

STEIERMARK. Hannah Hubmann (23) sucht das Neue und liebt Herausforderungen. Dementsprechend ist Weiterbildung ein fixer und wichtiger Teil ihres Lebens. Die gelernte Gleisbautechnikerin hat früh gelernt, mit Widerständen in einem männlich dominierten Arbeitsumfeld umzugehen und an der Herausforderung zu wachsen. Für den neuen Bereich, in dem sie täglich Tonnen an Stahl bewegt, hat sie den Staplerführerschein gemacht. Der Widerstand hat sie stärker gemacht. Ihr Motto: Durchbeißen.

  • Sie haben beim BFI in Knittelfeld den Staplerführerschein gemacht – wird das Erlernte auch eingesetzt?

HANNAH HUBMANN: Natürlich. Ich fahre jeden Tag und es ist echt lustig. Ich bin auch mit dem Seitenstapler unterwegs, wo bis zu fünf Tonnen schwere Stahlmasten aufgeladen sind. Für mich ist das Staplerfahren immer eine willkommene Abwechslung zu all dem anderen, das ich in meinem Beruf mache.

  • Was hat Sie eigentlich zu dieser Ausbildung motiviert?

Ich hab’ als Gleisbautechnikerin bei den ÖBB gelernt und gearbeitet und da ergab sich die Möglichkeit, einen neuen Arbeitsbereich kennen zu lernen, für den es eben den Staplerführerschein braucht. Es war beruflich also notwendig, aber ich habe das auch so echt interessant gefunden. Dass ich die Ausbildung bezahlt bekommen habe, machte es auch leicht.

  • Wie ist es Ihnen im Kurs ergangen?

Sehr gut! Ich habe den Staplerführerschein sogar vor dem Autoführerschein gemacht. Mich haben technische Dinge immer schon interessiert. Meine dahingehenden Fähigkeiten um den Staplerführerschein zu erweitern, war reizvoll und hat auch viel Spaß gemacht. Es war eine Herausforderung – und ich mag Herausforderungen.

  • Ist Staplerfahren nach wie vor eher Männersache?

Ich war tatsächlich die einzige Frau unter elf Männern. Am Anfang war ich schon aufgeregt und hatte auch ein wenig Angst, ob ich das schaffen werde – etwa wenn es darum ging, das Gleichgewicht zu halten. Aber ich hatte super Lehrer, die mir in Praxis und Theorie ganz viel beigebracht haben. 


Die Burschen haben zuerst schon etwas geschaut; so nach dem Motto: Oh schau, a Frau! Aber wir sind dann gut klargekommen, da gab es echt keine Probleme. Außerdem war ich die Zusammenarbeit mit Männern ohnehin schon gewohnt. Mein Lehrberuf war ja auch einer, in dem hauptsächlich Männer arbeiten. In der Lehre wie beim Staplerfahrerkurs ging es oft sehr stark auch darum zu beweisen, dass ich, dass eine Frau, das kann.

  • Apropos Lehre: Wie sind Sie eigentlich auf den Beruf der Gleisbautechnikerin gekommen?

Ich komme aus Knittelfeld und in meiner Familie sind fast alle bei den ÖBB und damit war das fast schon vorprogrammiert. Außerdem war für mich seit der Schulzeit klar, dass ich einen technischen Beruf lernen möchte. Wir haben uns da beim BFI einiges angesehen – und das hat mich dann noch zusätzlich bestärkt. Dennoch habe ich lange mit meiner Familie darüber geredet, bis ich mich schließlich entschieden habe. Eines meiner Mottos „Ich will was beweisen“ war da ein zusätzlicher Antrieb.

  • Zurück zum Staplerkurs: Wie hat eigentlich Ihr Umfeld darauf reagiert, dass Sie den Staplerführerschein machen?

Die haben das alle cool gefunden und mich auch super bestärkt. Eine Freundin von mir ist Schweißerin, also in meinem Umfeld bin ich nicht ganz allein und so ist das auch nicht ganz so exotisch.

  • Wie war oder ist das Gefühl „es“ geschafft und sich in einem doch noch immer männlich dominierten Arbeitsbereich behauptet zu haben?

Das hat mir viel Stärke und Selbstvertrauen gegeben. Ich habe in meinen Beruf dann schon nach einem Jahr die Teamleiter-Stellvertretung angeboten bekommen – und es auch gemacht. Ich hätte auch die erste Teamleiterin der Firma sein können, aber da hätte ich noch zu viele Kurse und Schulungen gebraucht – das wären mir zu viel an innerbetrieblicher Fortbildung und Spezialisierung gewesen. Und ich möchte doch mehr dort ansetzen, wo ich dann auch in anderen Bereichen reüssieren kann.

  • Klingt nach großen Plänen. Was schwebt Ihnen für die Zukunft vor?

Ich bin eine Neugierige. Ich will lernen, Neues entdecken und probieren. Es reizt mich zum Beispiel auch die Wandmalerei. Und ich bin eine Durchbeißerin – ich liebe es, wenn ich so richtig rein hakeln kann, auch mit Kraft. Schon im Polytechnischen Lehrgang habe ich mir den Werkstoff Stahl ausgesucht und liebend gerne damit gearbeitet. Aber: Ich könnte mir sehr gut auch einen Beruf im Sozialbereich, als Creator oder Künstlerin vorstellen.

  • Was würden Sie Frauen raten, die sich vielleicht noch nicht über traditionell Männern zugeschriebene Bereiche drüber trauen?

Wenn es dir ein Anliegen ist, mach es! Durchbeißen! Irgendwann zahlt es sich dann aus!

  • Wie wichtig ist Ihnen Weiterbildung generell?

Sehr wichtig! Man kann und darf nicht aufhören, immer wieder etwas Neues dazuzulernen. Das gehört zum Leben dazu. Das muss einfach sein. Lernen und sich laufend weiterentwickeln liegt bei uns auch in der Familie.

  • Wie lernen Sie eigentlich am liebsten – in einem Kurs, mit einem Video, mit Handbüchern und Unterlagen?

Ich mag Kurse und Workshops; also ich mag Menschen neben mir. Es ist einfach eine andere Qualität, wenn man miteinander lernt, wenn jemand neben einem steht, der das ebenfalls macht beziehungsweise den man direkt fragen kann. Ich finde, man soll grundsätzlich nicht immer alles alleine machen – es braucht das Miteinander und Gemeinsame. Das hat eine andere Qualität.

  • Was ist Ihnen in einem Kursangebot, was bei den TrainerInnen wichtig?

Da mag ich es, wenn man per Du ist, und wenn es eine Gaudi gibt. Es macht einfach mehr Spaß, wenn Schwung in einem Kurs ist, als wenn da alles nur stur abgespult wird.
Prüfungen finde ich auch als Erwachsene schwierig, gleichzeitig sind sie Ansporn und Bestätigung. Und es ist ja ein schöner Erfolg, wenn man eine Prüfung bestanden hat.

  • Die Künstliche Intelligenz verändert auch Bildung und Weiterbildung. Wie stehen Sie zur KI?

Bei der Arbeit ist KI bis jetzt kein großes Thema. Und auch privat reizt mich die Künstliche Intelligenz nicht wirklich. Ich nutze ChatGPT höchstens, wenn ich nicht weiß, was ich kochen soll oder wenn ich ein gutes Rezept suche. Menschen mit Herz und Seele kann die KI nicht ersetzen – und auf die kommt es an.

  • Wie steht es mit Social Media?

Wenn es mir nicht gut geht, dann verbringe ich Zeit auf sozialen Medien – bevorzugt Instagram und TikTok. Dann liege ich auf der Couch und schaue einfach. Aktiv bin ich auf diesen Plattformen nicht. Wenn es mir gut geht, brauche ich eigentlich kein Handy.

  • Wenn Sie so zehn oder fünfzehn Jahre in die Zukunft blicken, welches Bild sehen Sie da von sich?

Beruflich kann ich mir, wie schon gesagt, vieles vorstellen – von Künstlerin bis Sozialarbeiterin. Und privat will ich schon eine Familie gründen und da sehe ich mich idealerweise zusammen mit meinem jetzigen Partner, mit Kind und Hund und unserer Katze. Das alles auf einem Bauernhof – das wäre ein Traum.

  • Wo werden Sie heuer ihren Urlaub verbringen?

In der Steiermark. Mit meinem Freund. In einer kleinen Hütte, ganz abgeschieden von allem.

  • Wenn Sie sich eine neue Fähigkeit wünschen könnten, was wäre das?

Ich würde gerne Lieder schreiben können – Musik und Text. Und damit möchte ich dann andere Menschen erreichen und bewegen.


  • Bildung wirkt ...

... auf jeden Menschen gut. Weil man sie einfach braucht.

Weitere Informationen

Im Weiterbildungsnavi Steiermark findest du tausende Bildungsangebote zu unterschiedlichen Themen. Das bfi bietet spezielle Ausbildungen zur Bagger- und Hubstaplerfahrerin bzw. -fahrer an. Neben dem bfi haben das WIFI und das Schulungszentrum Fohnsdorf viele Bildungsangebote zu den Bereichen Fertigungstechnik und Metall, ElektrotechnikAutomatisierung, Energietechnik, Prozess- und Betriebstechnik, Bau, Gebäudetechnik, Holz sowie Sicherheitstechnik und Umwelttechnik in ihrem Programm. Ob beruflich oder privat – es sind bestimmt auch für dich passende Bildungsangebote dabei! 

Mit der Initiative "FIT – Frauen in Handwerk und Technik" unterstützt das AMS Frauen dabei, eine Ausbildung in handwerklich technischen Berufen mit geringem Frauenanteil zu absolvieren.

In Kooperation mit dem Bildungswerk Steiermark.

Hannah Hubmann bezeichnet sich selbst als Durchbeißerin. Dieser Einstellung hat ihr geholfen, sich in einer beruflichen Männerdomäne zu behaupten, zunächst als Gleisbautechnikerin, nun als Staplerfahrerin. | Foto: Hubmann
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