Interview mit Politik- und Medienanalytikerin Maria Pernegger
„Emotionen schlagen Fakten fast immer!“

Politik- und Medienanalytikerin Maria Pernegger: „Müssen aufpassen, uns nicht durch hochemotionale Debatten spalten zu lassen.“
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  • Politik- und Medienanalytikerin Maria Pernegger: „Müssen aufpassen, uns nicht durch hochemotionale Debatten spalten zu lassen.“
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Maria Pernegger ist Politik- und Medienanalytikerin und Geschäftsführerin von „MediaAffairs“. Die Medienagentur mit Sitz in Losenstein analysiert Berichte aus Print, Online, TV, Radio und Social Media.

LOSENSTEIN. Die Medienexpertin im Interview über die Wirkung von Emotionen, Fakten und verschiedene Meinungen in der Pandemie.

Sehen Sie Social Media eher als Fluch oder als Chance?
PERNEGGER:
Noch vor 100 Jahren war Zugang zu Wissen und Informationen nur den Eliten möglich. Heute ist das anders und das ist eindeutig gut so: eine Unmenge an Daten, Nachrichten oder wissenschaftlichen Arbeiten sind im Netz mittlerweile der breiten Bevölkerung frei zugänglich. Das ist eine einmalige Chance für Wissensaneignung und Teilhabe. Zugleich machen sich aber massive Schattenseiten bemerkbar, etwa dort, wo falsche Informationen ungefiltert, nicht hinterfragt und ungeprüft weitergeteilt werden oder gezielt Falschinformationen und Verschwörungstheorien in Umlauf gebracht werden. Unserer Arbeit in der Medienbeobachtung liefert den besorgniserregenden Befund, dass insbesondere negative Nachrichten, die Angst und Verunsicherung schüren in den sozialen Medien wesentlich mehr Resonanz erreichen, als positive Aussagen oder faktenbasierte Beiträge. Die Bilanz fällt also zugunsten der Stimmungsmache aus, denn Emotionen schlagen die Fakten fast immer! Daraus ergeben sich gesellschafts- und demokratiepolitische Gefahren.

Wie reagieren Sie auf Fake-News auf Social Media?

Ich „sammle“ nicht „Freunde“ auf Online-Portalen. Ich überlege mir, mit wem ich dort verbunden sein möchte – Qualität vor Quantität. Gerade bei gefährlichen und verstörenden Inhalten ist es aber wichtig, sensibel zu sein und kritisch zu bleiben. Es gibt Plattformen wie mimikama.at, wo man Fakenews abklären kann, auch verschiedene Medien konsumieren und Infoquellen hinterfragen lohnt sich. Im engsten Umfeld suche ich das persönliche Gespräch. Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir uns durch diese hochemotionalen Debatten gesellschaftlich nicht spalten lassen!

Wer verbreitet in der Regel Falschmeldungen?
Das ist keine Frage des Alters. Ich denke, es ist grundsätzlich niemand davor gefeit, auf Fakenews reinzufallen. Sie sind zum Teil hochprofessionell gestaltet, und besonders in Zeiten von Unsicherheit fallen sie auf guten Nährboden. Basis für Wissensaneignung und Meinungsbildung sind primär das persönliche Umfeld und Medien. Je nachdem, mit wem wir uns regelmäßig austauschen und womit wir uns wo beschäftigen, prägt dies die Bewusstseins- und Meinungsbildung.

Pernegger: „Die Politik ist aktuell in keiner beneidenswerten Situation. Ein Kapitän soll gerade in stürmischen Zeiten immer einen klaren Kurs vorgeben können.“
  • Pernegger: „Die Politik ist aktuell in keiner beneidenswerten Situation. Ein Kapitän soll gerade in stürmischen Zeiten immer einen klaren Kurs vorgeben können.“
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Welches „Image“ haben Medien seit Beginn der Pandemie?
Grundsätzlich vertraut die Bevölkerung sehr stark auf die österreichischen Medien und auf das journalistische Handwerk. Gleichzeitig gibt es doch deutliche Unterschiede zwischen sogenannten Boulevard-, Qualitäts- oder Regionalmedien. Klassische Medien, auch TV und Radiosender – insbesondere auch der ORF – haben diesbezüglich durch die Pandemie sogar profitieren können, da dadurch das Informationsbedürfnis und der Hunger nach Fakten in der Bevölkerung gestiegen ist. Nichtsdestotrotz macht sich auch eine Gegenbewegung stark, die etablierten Medien bewusste Täuschung, Manipulation oder Voreingenommenheit in der Berichterstattung unterstellen. So haben gerade in den letzten Jahren rechtskonservative Bewegungen den Begriff der „Lügenpresse“ stark geprägt.

Welche Tipps würden Sie den Politikern aktuell geben?
Die Politik ist aktuell in keiner beneidenswerten Situation. Ein Kapitän soll gerade in stürmischen Zeiten immer einen klaren Kurs vorgeben können. Für die Regierung gab es zu Beginn der Krise große Zustimmung, mittlerweile wird Kritik laut. Die Krise dauert schon zu lange, die Menschen werden mürbe. Es sind einige schwere Fehler passiert, die zu Vertrauensverlust führen. Zu oft wurde versprochen, was dann nicht gehalten werden konnte. Deshalb wäre ich vorsichtig mit Versprechungen („nur mehr drei Wochen durchhalten“; „Im Sommer ist alles vorbei“). Von politischer Seite wurde zu lange verabsäumt, Experten die Bühne zu überlassen und ihnen Gehör zu schenken. Insbesondere bei medizinischen Themen genießen diese ein höheres Vertrauen aufgrund ihrer Expertise.

Welchen Rat haben Sie zur Internetnutzung?
Die Medienvielfalt nutzen, und Meldungen überprüfen. Nicht jeden Blödsinn weiterteilen. Gerade mit größeren Kindern hilft es nicht, zu verbieten, da muss man aufklären und reden. Reden verbindet und gerade die aktuelle Situation ist oft trennend genug.

Mehr zum Thema & zur Person Maria Pernegger
Mehr zur Person und zum Unternehmen erfahren Sie auf mediaaffairs.at

Politik- und Medienanalytikerin Maria Pernegger: „Müssen aufpassen, uns nicht durch hochemotionale Debatten spalten zu lassen.“
Pernegger: „Die Politik ist aktuell in keiner beneidenswerten Situation. Ein Kapitän soll gerade in stürmischen Zeiten immer einen klaren Kurs vorgeben können.“

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