Sonderthema
Krampustreiben zwischen Brauchtum und Spektakel
- Obwohl sie auf den ersten Blick ähnlich wirken, erfüllen Perchten und Krampusse traditionell unterschiedliche Aufgaben.
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Wenn schon im November die ersten zotteligen Gestalten mit geschnitzten Holzmasken, Hörnern und schweren Glocken durch die Orte ziehen, beginnt die Zeit der Perchtenläufe. Doch Percht ist nicht gleich Krampus und umgekehrt.
Hinter den furchterregenden Masken verbergen sich unterschiedliche Traditionen, alte Symbolik und ein Brauchtum, das sich im Laufe der Jahrhunderte stark verändert hat.
Was einst eng mit dem bäuerlichen Jahreskreis und den Vorstellungen von Winter, Fruchtbarkeit und Erneuerung verbunden war, ist heute vielerorts ein Publikumsmagnet. Bereits im November finden zahlreiche Läufe statt – deutlich vor den traditionellen Tagen rund um den Jahreswechsel.
- Der Krampus begleitet den Nikolaus als strafende, mahnende Gegenfigur.
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Perchtensaison als Publikumsmagnet
Der frühe Start hat mehrere Gründe: Die Veranstaltungen sind beliebter geworden, Vereine organisieren umfangreiche Programme und die Nachfrage des Publikums ist groß. Hinzu kommen Tourismus, soziale Medien und der Wunsch, möglichst viele Besucher zu erreichen. Damit beginnt die Perchtensaison in manchen Regionen lange vor jenen Nächten, in denen die Gestalten ursprünglich besonders verankert waren.
Zwei unterschiedliche Figuren
Obwohl sie auf den ersten Blick ähnlich wirken, erfüllen Perchten und Krampusse traditionell unterschiedliche Aufgaben. Der Krampus gehört zum Brauchtum rund um den heiligen Nikolaus. Am 5. Dezember, dem Krampustag, begleitet er den Nikolaus, der am 6. Dezember gefeiert wird. Während der Nikolaus die braven Kinder belohnt, verkörpert der Krampus die strafende, mahnende Gegenfigur. Mit Rute, Ketten und furchterregender Maske soll er unartige Kinder erschrecken.
Die Perchten hingegen sind vor allem mit dem Winter und dem Übergang in ein neues Jahr verbunden. In vielen Überlieferungen sollen sie böse Geister vertreiben, Unheil abwenden und Glück, Fruchtbarkeit sowie eine gute Ernte fördern. Besonders bekannt sind die Raunächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, in denen sich alte Vorstellungen von einer geheimnisvollen, gefährlichen und zugleich erneuernden Zeit verdichten. Die Unterscheidung ist allerdings nicht überall eindeutig. Regional vermischen sich Figuren, Bräuche und Bezeichnungen.
- Perchten- und Krampusläufe gehören zum Brauchtum, erhalten altes Schnitzhandwerk und stärken die Gemeinschaft von Groß und Klein.
- Foto: panthermedia/foto-santcho
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Alte Symbolik in einer modernen Welt
Was bedeutet dieser Brauch heute, wenn kaum jemand noch ernsthaft glaubt, mit Glocken und Masken böse Geister vertreiben zu müssen? Die Symbolik hat sich verändert, ist aber nicht verschwunden. Lärm, Feuer, wilde Bewegungen und furchteinflößende Gesichter stehen weiterhin für den Kampf gegen das Dunkle, für den Übergang vom Alten zum Neuen und für den Wunsch nach Schutz und Glück. Zugleich bieten die Läufe Gemeinschaft und Identität. In den Vereinen werden Masken geschnitzt, Kostüme gefertigt und Abläufe über Monate vorbereitet. Wissen und handwerkliche Fähigkeiten werden weitergegeben. Für viele Beteiligte ist der Perchtenlauf deshalb mehr als eine Veranstaltung: Er ist Ausdruck regionaler Zugehörigkeit und gelebter Gemeinschaft.
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