MiR Gleisdorf
Valerie Schiller - ihre Kunst bietet HALT und zeigt HALTung
- Valerie Schiller beleuchtet in ihrer Ausstellung die Frage, wie sich innere HALTung im Äußeren manifestiert.
- Foto: Hermine Arnold
- hochgeladen von Hermine Arnold
Valerie Schiller ist vieles zugleich: vielseitige Künstlerin, Galeristin, Kunstvermittlerin, engagierte Netzwerkerin – und werdende Mutter. Mit ihrer Ausstellung im Museum im Rathaus setzt sie einen besonderen Akzent: Für sie ist es die letzte Präsentation vor der Geburt ihres Sohnes, für das MiR zugleich die finale Ausstellung, bevor die Räumlichkeiten künftig von der Stadtbücherei genutzt werden. Unter dem Titel „HALT“ widmet sich Schiller in Malerei und Skulptur einem vielschichtigen Begriff – dem AnHALTen und InneHALTen, dem HALT-Geben und HALT-Nehmen, dem FestHALTen und auch dem Loslassen.
GLEISDORF. „HALT“ ist weit mehr als ein Wortspiel. Die Ausstellung lädt dazu ein, einen Moment innezuHALTen. Sie beleuchtet die Frage, wie sich innere HALTung im Äußeren zeigt – in Körperhaltungen, Gesten, Verhaltensmustern und Entscheidungen.
In Malerei, Objekten und performativen Elementen verschränkt Schiller physischen Ausdruck mit der emotionalen und ethischen Dimension des Menschseins. Das bewusste AnHALTen in einer beschleunigten Welt eröffnet Raum und Zeit für Erkenntnisse, die anHALTend und nachHALTig wirken können.
Die Künstlerin beschreibt das HALTfinden als Prozess: als ein Ringen mit Herausforderungen, als ein Stellung-Beziehen und HALTung-Bewahren. Zwischen Stille und Spannung entstehen Werke, die weniger Antworten geben als Fragen stellen. Sie spiegeln das Leben als Balanceakt zwischen Bewegung und Stillstand, Widerstand und Hingabe, FestHALTen und Loslassen, Selbstbestimmtheit und Kompromissfähigkeit. Die Ausstellung wird so zu einem „AufentHALTsraum“ der Reflexion über Standpunkte, Werte, Echtheit, Verwundbarkeit und Würde.
Gerade in ihrer aktuellen Lebensphase gewinnt das Thema zusätzliche Tiefe. Vor einem neuen Abschnitt selbst noch einmal bewusst innezuHALTen, verleiht der Schau eine sehr persönliche Dimension.
Von Kindesbeinen an
Valerie Schiller (geb. Tschida) wuchs in Eggersdorf in einer Familie auf, in der Kreativität gelebt und gefördert wurde. Ihr zeichnerisches Talent wurde früh erkannt.
Nach der Ausbildung an der Abteilung für Plastische Formgebung an der Ortweinschule und einem kunsthistorischen Studium an der Karl-Franzens-Universität führte sie ihr Weg als Bühnenmalerin zum Grazer Theaterservice. Dort entdeckte sie ihre Vorliebe für großformatige Arbeiten, parallel widmete sie sich intensiv der Portraitmalerei. Auch Erfahrungen als Restauratorin erweiterten ihr handwerkliches Repertoire.
Bis heute verbindet sie technische Präzision mit inhaltlicher Tiefe und einem ausgeprägten räumlichen Denken.
Die Galeristin und Netzwerkerin
Seit 2019 ist Valerie Schiller freischaffend tätig und führt ihre upTown Art Galerie als Shared Gallery in der Grazer Sporgasse. Dort stellen neben bildenden Künstlerinnen und Künstlern auch rund 50 Kunsthandwerker ihre Arbeiten aus.
Die Galerie versteht sich jedoch nicht nur als Präsentationsfläche, sondern als Kunstinkubator: Sie vernetzt Kreative mit Kundinnen und Kunden, initiiert Kooperationen und stößt neue Projekte an. Mit Formaten wie „DU – Heldin des Alltags“, das sie anlässlich des Weltfrauentages am Grazer Hauptplatz ins Leben gerufen hat, setzt sie zudem gesellschaftliche Impulse.
Mit Kunst inspirieren, Lebensräume gestalten, Kommunikation fördern, Netzwerke bilden, Frauen stärken und Generationen verbinden – diese Haltung prägt ihr Wirken weit über das eigene Atelier hinaus.
Ein Abschied mit Perspektive
Mit einem weinenden Auge blickt auch die langjährige Bereichsleiterin des MiR, Sigrid Hörzer, auf diese letzte Ausstellung. Seit 18 Jahren betreut sie die Künstlerausstellungen im Museum im Rathaus und hat maßgeblich dazu beigetragen, das Haus als lebendigen Ort der Kunst und Begegnung zu etablieren. Seit 2008 präsentierten insgesamt 128 Künstlerinnen und Künstler ihre Werke im MiR, rund 36.000 Besucherinnen und Besucher fanden in dieser Zeit den Weg ins Rathausmuseum.
Nun werden die bisherigen Räumlichkeiten künftig von der städtischen Bücherei genutzt. Damit endet der Ausstellungs- und Museumsbetrieb an diesem Standort – eine Entscheidung, die eine nachhaltige Nutzung der Flächen ermöglicht und zur verantwortungsvollen Bündelung vorhandener Ressourcen beiträgt.
Die Sammlung des Museums bleibt jedoch bestehen. Parallel dazu wird an alternativen Möglichkeiten gearbeitet, um Ausstellungen, künstlerische Zusammenarbeit und das kulturelle Angebot auch künftig weiterzuführen.
So steht „HALT“ nicht nur für ein InneHALTen, sondern auch für einen Übergang. Valerie Schiller setzt mit ihrer Ausstellung einen würdigen Schlusspunkt im MiR – und zugleich einen Anfang. Eine Schau, die HALT geben will und HALTung sichtbar macht.
Ausstellungsdaten:
Vernissage mit Livepainting-Einlage: Donnerstag, 5. März 2026, 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 06.02. bis 28.02.2026
Öffnungszeiten: Fr. und Sa., 16.00 –19.00 Uhr,
Livepainting Sa., 14.03.2026, 15.00 –19.00 Uhr und
interaktives Improtheater „HALTung“, 17.30 –19.00 Uhr
sowie nachTerminvereinbarung unter valerieschillert@gmail.com
Finissage: Sa., 28.03.2026, 17.00 Uhr
Weitere Informationen:
www.uptownart.at
Hermine Arnold
Freie Redakteurin
NEDI Poesie.Musik.Text.Atelier
https://www.nedi.at
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.