Kultur, Politik und Verwaltung

Wozu Kunst und Kultur im Gemeinwesen?
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Der Begriff Politik hat in unserer Kultur zwei Wurzeln. Das Gemeinwesen (Polis) und die Staatskunst (Politika). Demokratie ist ein vorteilhaftes Wechselspiel zwischen diesen Instanzen.

Diese Kategorien sind wichtig, wo das Langzeitprojekt „The Long Distance Howl“ in der Startphase des zweiten Jahrzehnts seiner Laufzeit einen Wendepunkt erreicht hat, an dem es bei Kunst Ost quasi zurück zur Basis geht.

Es geht neben Fragen nach der Gegewartskunst um das Thema Zivilgesellschaft, um ihre Beziehung zu Politik und Verwaltung. Mit der Vorlaufzeit ab 2002 und dem Start 2003 leuchtet „The Long Distance Howl“ den kulturellen und kulturpolitischen Wandel eines konkreten Lebensraumes zum Beginn des neuen Jahrhunderts aus.

Idealtypisch wäre die Verwaltung da, um im Gemeinwesen das umzusetzen, was die Politik vorgibt; eine Politik, die ihre Agenda in der Auseinandersetzung mit der Zivilgesellschaft stets neu klärt. Das setzt freilich auch engagierte Bürgerinnen und Bürger voraus.

Sie kennen in diesem Zusammenhang vielleicht die Begriffe „Bürgerbeteiligung“ oder „Bottom up-Prinzip“ als Grundlagen einer Demokratie. Deshalb sind ja auch etliche EU-Programme, die uns von außen Geld in die Region bringen, an dieses Bottom up-Prinzip gebunden, an konsequente Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern, wenn eine Kommune ihre Aufgaben erfüllt.

Ohne solche Entwicklungen müßte manche Region mit weit weniger Geld zurechtkommen, denn die EU hat, wie erwähnt, solche Bedingungen für die Vergabe etlicher Mittel gestellt. Was bedeutet das für den Kulturbereich?

Grundsätzlich besteht schon Jahre die Anforderung, daß die Zivilgesellschaft selbst mehr Verantwortung übernehmen muß, wo der Staat sich mit Mitteln und Möglichkeiten zurückzieht. Die Steiermark erlebt gerade ihr zweites maastrichtkonformes Doppelbudget.

Zusätzlich waren zwischen 2008 und 2010 die weltweiten Konsequenzen des Lehman Brothers-Crash auch bei uns angelangt und hatten sich mit hausgemachten Problemen vermischt.

Das Einbrechen öffentlicher Budgets dauert bis heute an und hat in allen Bereichen Verteilungswettkämpfe ausgelöst, wobei öffentliche Stellen zivilgesellschaftliche Initiativen vielfach als Konkurrrenz sehen und auch so behandeln.

Dabei ist der Kulturbereich keine Ausnahme, speziell auch der regionale Kulturbereich, also das Geschehen in der Provinz.

Wußten Sie, daß im Land Steiermark von hundert Prozent des Landesbudgets nur zarte 1,73 Prozent für die Kulturförderung verwendet werden? Davon bleiben drei Viertel in Graz. Soll also das kulturelle Leben der Provinz nicht völlig ausgehungert werden, müssen Budgets von auswärts dazugeschafft werden, etwa aus Brüssel.

Warum? Kultur- und Wissensarbeit ist wie Bildung, Gesundheitswesen oder öffentliche Sicherheit. Da dürfen grundlegende Bereiche nicht dem freien Markt überlassen werden, sonst verkommt das Metier. Eine Gesellschaft muß in Wissen und Bildung öffentliche Mittel investieren.

Dem sollte sich regionale Kulturpolitik bewußt und sachkundig widmen. Das heißt, verfügbare Kulturbudgets sind nicht einfach Klimpergeld für Events einerseits und für bürgerliche Geselligkeit andrerseits.

Auch der Kulturbereich und mit ihm die glücklicherweise vielen Kunst- und Kulturschaffenden einer Region müssen sich den kulturpolitischen und sozialen Fragen der Gemeinschaft stellen: welche Themen und welche Aufgaben haben Vorrang?

Das bedeutet ferner, Basisaktivitäten Kulturschaffender haben nicht den Zweck, einem etablierten Kulturmanagement „lebende Subventionen“ zuzuspielen. Das geistige und kulturelle Klima eines Ortes, einer Region, ist keine Marketing-Angelegenheit, sondern eine Frage ernsthafter, kontinuierlicher und längerfristiger Arbeit an relevanten Themen.

Verkürzt formuliert, die Politik wird stets neu entscheiden müssen, ob sie lieber auf Kulturlabor oder auf Kulturmanagement setzt, und wie sie beide Bereiche allenfalls zueinander in Beziehung setzt.

Der eine Bereich handelt primär von Wissens- und Kulturarbeit sowie der Entwicklung neuer Projekte von Relevanz. Projekt- und Veranstaltungsmanagement setzt erst dann ein, wenn man es für konkrete Umsetzungen braucht.

Marketing ist ein Werkzeug dessen Einsatz jeweils begründet und beschlossen werden muß, es ist in diesem Bereich keine generelle Notwendigkeit. Bei konventionellem Marketing und Kulturmanagement muß in der Regel nichts erfunden werden, das bietet der etablierte Markt nach Bedarf an.

Wenn es also die Politik schafft, relevante Fragen und Aufgabenstellungen eines Lebensraumes in ihren Vorhaben aufzugreifen, können Bürgerinnen und Bürger ermutigt werden, sich diesen Bemühungen anzuschließen. Dabei kann ihnen die Verwaltung eine professionelle Begleitung bieten und die „Bürgerbeteiligung“ verstärken; oder auch schwächen, indem sie sich selbst zum Zentrum ihrer Aufgaben macht.

Wo es in einer Kommune schließlich langgeht, entscheiden im Idelafall Bürgerinnen und Bürger sehr wesentlich mit. Das hängt eben davon ab, ob sie den Staat eher als Serviceinrichtung sehen, von der sie bedient werden wollen, oder als eine von mehreren Instanzen einer demokratischen Gesellschaft, die Partizipation verlangt, um als freie und demokratische Gesellschaft gelten zu dürfen.

+) Aktuelle Debatten-Übersicht: „Kunst & Kohle“ [link]
+) Das Lanzeitprojekt „The Long Distance Howl“ [link]
+) Quelle: Die KUPF, „Kulturbudgets im Vergleich“ [link]


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