Meckerecke
Betreutes Kulturschaffen
- hochgeladen von martin krusche
In den frühen Netzkultur-Tagen boomte dieses Kürzel: „RTFM“. Das steht für „Read The Fucking Manual“. Es markiert ein Problemchen, an dem sich die letzten 30 Jahre offenbar nichts geändert hat.
Diese Meldung - „Lies das verdammte Handbuch!“ - wurde oft fällig, weil jemand zu bequem war, sich bezüglich eines Projektes selbst kundig zu machen, auf Stand zu bringen, obwohl alle relevanten Informationen vorliegen. Selber denken? Oder lieber gleich jemanden fragen: „Du, wie läuft das jetzt? Was kann ich da machen?“
Es spricht nichts gegen das Fragen. Aber es macht einen Unterschied, ob jemand Initiative zeigt, sich eigenständig informiert, um dann ein paar gute Fragen zu stellen, oder ob jemand völlig ahnungslos in ein Vorhaben reinrennt, bloß um dabei zu sein.
Sind bei einem Projekt ohnehin alle Informationen draußen, auch online verfügbar, sollte man etwas Zeit investieren, um sehr konkrete Fragen stellen zu können. Also ungefähr Beispiel das Gegenteil von: „Wie kann man denn da mitmachen?“
Wer in meinem Umfeld bei etwas mitmachen möchte, sollte vorab schon eine Idee, weshalb und wozu. Dann kann man in Ruhe über Details reden. Um bei mir sicher rauszufliegen, fragt man vorzugsweise: „Und was hab ich davon, wenn ich da mitmache?“ Solche Ahnungslosigkeit ist für kein Projekt ein Gewinn. (Für diese Art betreutes Kulturschaffen müßte ich eine satte Kursgebühr kassieren.)
Aber was nun? Ich finde immer sehr aufschlußreich, WAS jemand fragt. Hat sich die Person kundig gemacht und findet dennoch etwas unklar? Hat sie Fragen zu Intentionen oder zum Modus eines Projektes? Weiß sie aufgrund eigener Kompetenzen treffende Frage zu stellen? Da stehe ich gerne für ein klärendes Gespräch zur Verfügung. Merke ich aber, jemand weiß nicht einmal, worum es bei uns geht und was wir vorhaben, empfehle ich: „Such Dir woanders was Passendes!“
Postskriptum
Ich erinnere mich an ein Plauderstündchen mit dem Personalchef eines großen Betriebs. Der Mann erzählte mir von Vorstellungsgesprächen, da wußten seine Gegenüber nicht einmal, womit sich die Firma befaßt, was sie produziert und anbietet. Solche Genies treffe ich im Kulturbetrieb auch gelegentlich. Aber nur kurz.
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