Sportunion-Präsident Peter McDonald: Schulen sollen ihre Sportstätten für Sportvereine öffnen

Peter McDonald: "Der Sport bringt wahnsinnig viel Mehrwert für eine Gesellschaft: Erlernter Teamgeist stärkt den sozialen Zusammenhalt, Leistungsorientierung und Fairness bereiten auf das Leben vor.
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  • Peter McDonald: "Der Sport bringt wahnsinnig viel Mehrwert für eine Gesellschaft: Erlernter Teamgeist stärkt den sozialen Zusammenhalt, Leistungsorientierung und Fairness bereiten auf das Leben vor.
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Betreiben Sie Sport?
MCDONALD: Klar. Ich komme ja aus dem Fußball und habe mein erstes Lebensdrittel bis rauf zur Landesliga diesem Sport gewidmet. Nach einer Verletzung musste ich aber umsteigen. Momentan probiere ich vieles aus, etwa Kajakfahren auf der Donau – herrlich.

Die Sportunion ist einer der drei großen Sportdachverbände Österreichs mit 924.000 Mitgliedern in rund 4.370 Vereinen. Welches Ziel haben Sie als neuer Chef?
Dass der Sport jenen Stellenwert bekommt, der ihm zusteht. Der Sport bringt wahnsinnig viel Mehrwert für eine Gesellschaft: Erlernter Teamgeist stärkt den sozialen Zusammenhalt, Leistungsorientierung und Fairness bereiten auf das Leben vor.

Spielt der Sport nicht auch bei der Integration von Zuwanderern eine Rolle?
Unbedingt. Die Integration von Menschen mit unterschiedlichster sozialer oder räumlicher Herkunft funktioniert nirgendwo so gut wie im Sport. Deshalb ist es auch so wichtig, dass die Politik den Sport als ganz wichtigen Wert für unsere Gesellschaft anerkennt und unterstützt.

Was soll die Politik Ihrer Meinung nach tun?
Es geht um Anerkennung für unsere ehrenamtlichen, unentgeltlich arbeitenden Verantwortungsträger.

Von wie vielen Ehrenamtlichen sprechen wir denn da?
Wir haben rund 50.000 Ehrenamtliche wie Übungsleiter, Trainer oder Funktionäre. Jährlich investieren sie 1.500 Millionen Minuten ihrer Freizeit, um Sport zu ermöglichen. Da kann man nur Danke sagen. Ich finde daher, dass der Mitgliedsbeitrag in einem Sportverein von der Steuer absetzbar sein soll. So wie die ÖGB-Mitgliedschaft von der Steuer absetzbar ist. Und ich möchte, dass auch Sponsor-Zuwendungen an Sportvereine absetzbar sind. So wie das für Sozialvereine jetzt schon möglich ist. Für mich haben Sportvereine eine zumindest so hohe Bedeutung wie Sozialvereine oder der ÖGB.

Haben Sie für Ihre Präsidentschaft auch ein Motto?
Ja. Mehr Raum für den Sport. In den Köpfen und in den Städten. Das gilt durchaus sprichwörtlich. Denn wir haben in Österreich zu wenige Sportstätten.

Also sollten rasch neue Sportstätten gebaut werden?
Unbedingt, denn Sportstätten sparen Krankenbetten. Ich habe aber auch eine andere Idee: Die Schulen sollen ihre Sportstätten außerhalb der Schulzeiten der Allgemeinheit zur Verfügung stellen müssen. Die Schulsportstätten werden aus öffentlichen Mitteln finanziert. Deshalb sollte man sie auch im öffentlichen Sinne verwenden können. Turnsäle in den Schulen dürfen nicht mehr 180 Tage im Jahr geschlossen bleiben. Da liegt also ein unglaubliches Potenzial.

Da wird es sicher Widerstände geben.
Wo ein Wille, da ein Weg. Und ich denke, dass zwischen den Vereinen und den Schulen rasch eine Vertrauensbasis gefunden werden könnte.

Es gab einmal die Idee, jeden Tag eine Stunde Sport in den Schulen …
..das ist teilweise auch umgesetzt worden. Mir wäre es aber lieber, wenn jedes Kind in einem Sportverein wäre. Denn wir müssen umdenken. Ein Drittel der Achtjährigen ist heute übergewichtig …

… weil sie lieber mit dem Smartphone spielen?
Ja und nein. Früher wurde auf das Fernsehen geschimpft. Es kommt damals wie heute auf die Vorbildfunktion der Eltern an. Und da bemerken wir, dass die 40- bis 45-Jährigen aus gesundheitlichen Aspekten wieder verstärkt mit Sport beginnen. Diese Vorbildfunktion brauchen wir noch mehr.

Gibt es beim Sport einen Unterschied zwischen Stadt und Land?
Na ja. Ein Dorf ohne Sportplatz und Wirtshaus ist soziale Einöde. Grundsätzlich ist es also schon so, dass in den ländlichen Gebieten mehr Sport betrieben wird. Aber in den städtischen Gebieten entstehen dafür neue Trends – Urban Sports haben bei Jungen einen großen Zulauf.

Sie waren ÖVP-Generalsekretär. Vermissen Sie die Politik?
Nein, ich bleibe ja ein politischer Mensch. Ich bin jetzt in der Privatwirtschaft sehr glücklich.

Im Nationalrat geht es derzeit oft ziemlich rund. Was würden Sie den 183 Abgeordneten empfehlen?
Den einen oder anderen Disput über ein sportliches Match auszutragen (lacht). Denn Sport verbindet.

Danke für das Gespräch.

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