25.10.2017, 08:29 Uhr

Frauenpower am Biobauernhof

Alles fest im Griff: Barbara Lanzer verkörpert ein modernes, selbstbewusstes Bild einer Bäuerin.

Die WOCHE porträtiert Landwirtinnen zwischen Melkmaschine und Marketingstrategien.

Das richtige Gespür für Tiere und Pflanzen, dazu noch viel Herzblut in der Vermarktung der eigenen Produkte – das zeichnet die unzähligen steirischen Bäuerinnen aus. Von den insgesamt rund 36.000 land- und forstwirtschaftlichen Betrieben in der Steiermark, sind wiederum 36 Prozent fest in weiblicher Hand (Quelle: Landwirtschaftskammer Steiermark).
Neben dem Einsatz für den eigenen Betrieb, der noch neben der Familie und dem Haushalt "geschaukelt" wird, tragen diese Landwirtinnen auch wesentlich zum sozialen Leben und Zusammenhalt in den Dörfern und Regionen bei. Wo eine Bäuerin vorsteht, steckt oftmals "bio" dahinter. Das bedeutet, bei diesen Betrieben wird die Steigerung der Bodenfruchtbarkeit, die Produktion gesunder gentechnikfreier Lebensmittel und generell die Ökologisierung der Landwirtschaft großgeschrieben. In der Steiermark werden 30 Prozent aller Bio-Bauernhöfe von Frauen geleitet.

Regionaler Biohof

Die Oberaicherin Barbara Lanzer führt gemeinsam mit ihrem Mann Thomas den Bio-Bauernhof "Mötschlmeierhof". Den Hof gibt es seit 1188, den Biobetrieb seit 2003. "Wir haben den Betrieb 2003 von meinen Eltern übernommen und gleich auf biologische Landwirtschaft umgestellt. Die Umstellung auf Bio haben wir noch keinen einzigen Tag bereut. Der Boden ist unsere Produktionsgrundlage und da ist die biologische Bewirtschaftungsform schon eine gute Herangehensweise", erklärt die Boku-Absolventin Barbara Lanzer.
Seit 2015 gibt es am Mötschlmeierhof auch einen eigenen Hofladen mit einem breiten Sortiment an Bio-Produkten – auch von regionalen Partnern. Barbara Lanzer: "Unsere Arbeitsbereiche haben wir getrennt: Mein Mann kümmert sich um den Forst und um den Acker, ich kümmere mich ums Gemüse, um die Vermarktung und um den Hofladen. Um die vier schulpflichtigen Kinder kümmern wir uns gemeinsam. Natürlich werden wir von meinen Eltern kräftig unterstützt."

"Akademische" Bäuerin

Bäuerin ist der Wunschberuf der Diplom Ingenieurin. "Ich habe vier Geschwister, alles Mädchen. Von den Eltern hat es auf uns keinen Druck gegeben, den Hof zu übernehmen. Es war eine Entscheidung, die mit der Zeit gereift ist. Für mich war und ist es eine Auszeichnung, den Hof zu führen."
Der Hof umfasst 50 Hektar landwirtschaftliche Fläche, 40 Mutterkühe müssen versorgt werden. "Ich sehe auch keinen Widerspruch zwischen Studium und dem Dasein als Bäuerin. Ein Viertel meiner Arbeitszeit ist Büroarbeit. Unsere Produkte müssen vermarktet werden, die Homepage muss betreut werden, mit den neuen Medien wie Facebook sollte man vertraut sein. Das Berufsbild der Bäuerin hat sich stark gewandelt", erklärt Barbara Lanzer.

Kein Druck auf die Kinder

Und wie schaut es mit der Nachfolge aus? Steigt der Druck auf die Kinder? "Nein, ganz und gar nicht. Wir lassen das Thema auf uns zukommen. Die Kinder wachsen mit dem Betrieb auf, sie helfen auch schon mit. Wichtig ist uns, dass wir den Kindern die Freude an der Arbeit und den Erfolg, der nur gemeinsam zu schaffen ist, auch vermitteln können. Das ist vielleicht auch das Geheimnis an der Faszination Bauer zu sein.

Und das ist er, der Mötschlmeierhof

Zur Sache: Bio Ernte Steiermark

Der Verband Bio Ernte Steiermark besteht seit 1980. Er ist der steirische Landesverband innerhalb des Netzwerkes Bio Austria, Europas größtem Bio-Verband und vertritt über 2.100 bäuerliche Bio-Betriebe. Diese Betriebe wirtschaften nach strengen Bio-Richtlinien von Bio Austria hinsichtlich Produktion und Kontrolle und garantieren somit für Produkte aus hochwertigen regionalen Rohstoffen. In der Steiermark werden bereits 20 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Flächen biologisch bewirtschaftet.
Rund 20 Bio-Höfe in der gesamten Steiermark öffnen nach Vereinbarung ihre Türen für einen Besuch und gewähren Einblicke in die bunte und vielfältige Welt des biologischen Landbaus. Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft und anderen wesentlichen Bereichen wie Boden, Wasser und Klima nahezubringen.

Hier gehts zur Bio Ernte Steiermark
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