Schwere Vorwürfe
Kindesmissbrauchs-Vorwürfe gegen Verein "Original Play"

Symbolbild

In dem in Österreich registrierten Verein "Original Play" finden irritierende Übungen zwischen Kindern und Erwachsenen statt. Es soll auch zu Missbrauch gekommen sein. 

ÖSTERREICH. Am Donnerstagabend wurden gegen den in Österreich registrierten Verein "Original Play" Vorwürfe in Zusammenhang mit Kindesmissbrauch bekannt. Nach Berichten der ORF-"ZiB2" und des ARD-Politikmagazins "Kontraste" war der Verein auch in hunderten privaten und öffentlichen Kindereinrichtungen in Österreich tätig. 

Gründer weist Vorwürfe zurück

Der Verein "Original Play", übersetzt "Ursprüngliches Spiel", arbeitet mit Körperkontakt: Erwachsene dürfen mit fremden Kindern spielerisch rangeln. Das soll Kindern helfen, Ängste abzubauen. Der Gründer des Vereins ist der Amerikaner Fred Donaldson, der die Missbrauchs-Vorwürfe im Gespräch mit ORF und ARD zurückweist: "Ob es passieren kann, theoretisch nein, das ist ja einen andere Denkweise. Wer jemanden missbraucht, kann die Berührungen die ich unterrichte nicht gebrauchen."

In einem Video auf Youtube ist er beim "Rangeln" mit Kindern zu sehen und erklärt die Idee hinter "Original Play":  "Die Kinder dieser Welt, wenn wir mit ihnen spielen, fragen nur: 'Fred, hast du den Mut, meine Liebe zu erwidern.' Und sie fragen es nicht mit Worten, sondern mit dem Körper.“

Experten warnen

Der Amerikaner hat keine pädagogische Ausbildung und bietet zwei-tägige Workshops an, in denen man das "Spiel" erlernt. Am dritten Tag dürfen die angehenden Trainer mitspielen. Geprüft werden die Teilnehmer von dem Verein nicht.

Raphaela Keller, die Vorsitzende des österreichischen Berufsverbands der Kindergarten- und HortpädagogInnen, sagte im Ö1-"Morgenjournal" am Freitag, dass ihr noch keine Berichte über Missbrauchsverdacht in österreichischen Kinderbetreuungseinrichtungen zu Ohren gekommen seien. Eine nur zwei-tägige Ausbildungszeit sogenannter "Lehrlinge" bei "Original play" sei aber "überhaupt nicht akzeptabel". "Kinder brauchen Körperkontakt, das gehört zur Bildungsqualität – aber nicht mit Fremden", betonte Keller. Die elementarpädagogische Arbeit mit Kindern brauche "höchst qualifizierte Menschen, die nicht nur eine Kuschel- oder Raufausbildung haben".

Auch andere Experten warnen vor dem Verein: "Für mich ist das eine Einladung zur Übergriffigkeit an Kindern", sagte etwa die Trauma-Expertin Michaela Huber dem ARD-Magazin.

Der in Salzburg tätige Kinderpsychiater Karl-Heinz Brisch forderte rechtliche Konsequenzen: "Dieser Verein müsste sofort verboten werden, weil er in einer hochkritischen, undifferenzierten Weise Körperkontakt in einer geschützten Situation im Kindergarten zu Kindern sucht und das in einer vollkommen unkontrollierten Art und Weise."

Umfrage

Missbrauchs-Vorwürfe 

Um "Original Play" in Kindergärten zu spielen könne sich laut ARD jeder im Internet gegen eine Gebühr von 250 Euro für einen Workshop bei dem Verein anmelden. Der Verein sei, den Berichten zufolge, weder von Behörden noch von Kindertagesstätten-Trägern unter dem Aspekt des Kinderschutzes überprüft worden. Die Initiative agiert demnach als Verein in Österreich und als Stiftung in Polen. 

Das ARD-Magazin berichtete von sechs Verdachtsfällen wegen Kindesmisshandlung in Berlin und Hamburg im Jahr 2018. Eltern, deren Kindern mit Trainern des Vereins in Kindertagesstätten in Kontakt waren, berichteten von schwerem Missbrauch. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen vorerst ein. Aktuell gibt es gegen vier Lehrlinge des Vereins Vorwürfe.  
Einer der beschuldigten Trainer aus Deutschland hat auch in Österreich mit Kindern gespielt. Bisher sind aber keine Missbrauchsfälle bekannt.

Auch NEOS fordern Aufklärung

Indra Collini, Landessprecherin der NEOS Niederösterreich, fordert Aufklärung: "Im Fall des Vereins Original Play entsteht jedenfalls der Eindruck, dass sich Fremde über ein vermeintliches Spiel auf vollkommen unangemessene Art und Weise Kindern nähern durften. Das legt nicht zuletzt ein Video nahe, das offenbar in einem Kindergarten des Landes Niederösterreich entstanden ist", so Landessprecherin Indra Collini. Sie hat eine Anfrage an die zuständige Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) angekündigt.

Dem heimischen Bildungsministerium liegt laut "ZiB2" keine Liste an Vereinen vor, die in Kindergärten tätig sind. Die meisten Bildungsdirektionen hätten auf Anfrage nicht gewusst, was "Original Play" ist.

Autor:

Julia Schmidbaur aus Wieden

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