Filzmaier
"Österreich hat neun Millionen Hobby-Virologen"

Die Österreicher sind in der Zeit zu „Hobby-Virologen“ mutiert, erklärte der Wiener Politikwissenschaftler Peter Filzmaier.
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Am 31. Dezember 2019 wurde die WHO auf verdächtige Ereignisse in Wuhan in China rund um virusbedingte Lungenentzündungen aufmerksam. Zwei Jahre später kämpft die Welt noch immer mit der Covid-19-Pandemie und es gib viele Defizite in der Kommunikationsarbeit, erklärte der Wiener Politikwissenschafter Peter Filzmaier in einer Online-Fortbildungsveranstaltung für Ärzte. Jetzt müsse die Politik wieder das Vertrauen gewinnen.

ÖSTERREICH. Keine Frage für den Politikwissenschafter, "Corona" hat die Einstellungen der meisten Menschen verändert. "Ich verstehe nichts von Medizin. Ich betätige mich nicht als Hobby-Virologe oder Hobby-Infektiologe. Davon haben wir wahrlich genug. Sämtliche Möchtegern-Fußballtrainer von früher scheinen auf Hobby-Virologe oder Hobby-Infektiologe umgesattelt zu haben", sagte Filzmaier bei der Veranstaltung der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (OEGIT).

Bei somit mittlerweile sprichwörtlich an die neun Millionen "Experten" scheint jedenfalls eine Mischung zwischen Wahrheiten, Halbwahrheiten und Fake News charakteristisch für die öffentliche Debatte zu sein. Die Politik hätte es durchaus schwer, habe aber in Österreich erhebliche Fehler in der Kommunikation gemacht, betonte Filzmaier: "Es geht um Evidenz-basierte Politik. Am 5. November hat der Vorsitzende der Landeshauptleutekonferenz, Günther Platter, gesagt 'Wir wollen keinen Fleckerlteppich'. Am 12. Dezember endete der Lockdown - und jedes (Bundes-)Land hatte verschiedene Regeln. Und das (Bundes-)Land mit den höchsten Inzidenzen, Vorarlberg, hat am schnellsten und am meisten gelockert. Wien mit den geringsten Inzidenzen hat am wenigsten und am langsamsten gelockert. Wie soll man das kommunizieren?"

Vertrauensverlust dramatisch

Die Politik hätte laut Experten der Wiener Universität mit ihrem Austrian Corona Project Panel durch wiederholte Umfragen eines gleich bleibenden Bevölkerungsamples enorm an Vertrauen eingebüßt. Filzmaier: "Während am Beginn der Pandemie drei Viertel der Bevölkerung von der Richtigkeit, Angemessenheit und Effizienz der Maßnahmen der Regierung überzeugt waren, sind es jetzt noch 25 Prozent, bei manchen Fragestellungen deutlich weniger." Der Verlust an Vertrauen in die Bundesregierung sei dramatisch. "Das erklärt zum Teil, dass kein Verschwörungsmythos zu blöd ist, dass er nicht geglaubt wird."

Teilweise gab es widersprechende Pressekonferenzen, zum Teil sogar zeitlich parallel.
  • Teilweise gab es widersprechende Pressekonferenzen, zum Teil sogar zeitlich parallel.
  • Foto: Andy Wenzel/BKA
  • hochgeladen von Ted Knops

Einerseits habe die österreichische Politik es verabsäumt, über Multiplikatoren in den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten ihre Botschaften rund um SARS-CoV-2 anzubringen, andererseits habe sie zu sehr auf klassische Medien gesetzt und die sozialen Medien unberücksichtigt gelassen. Auch Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) habe da eine Rolle gespielt: "Der zweite Fehler: Jeder wird jemand kennen, der an Corona gestorben ist."

Angst machen problematisch

Die Prognose von womöglich 100.000 Todesopfern durch Covid-19 sei faktisch und in ihrer Auswirkung falsch in mehrfacher Hinsicht gewesen, genauso die Aussage zum falschen Zeitpunkt, wonach die Pandemie bereits überwunden worden sei. Angstmachen wirke schlechter als sachliche Information, konsistente Aussagen und nicht das Übernehmen inadäquater Rollen würden eher Vertrauen schaffen. "Warum sollte ich einem Bundeskanzler etwa Medizinisches glauben?", meinte der Politologe.

Die Österreicher sind in der Zeit zu „Hobby-Virologen“ mutiert, erklärte der Wiener Politikwissenschaftler Peter Filzmaier.
Teilweise gab es widersprechende Pressekonferenzen, zum Teil sogar zeitlich parallel.

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