01.06.2017, 15:50 Uhr

Eine Alm hat mehr zu bieten

So geht Almauftrieb der Weidegemeinschaft (Foto: Kiegerl)

Mehr als 500 Rinder der Weidegmeinschaft Hochalm - Bärntal sind dem Almauftrieb gefolgt

Alle Jahre wieder - und doch ein bisschen anders - so könnte das Motto für den heurigen Almauftrieb – der bereits am 25. Mai stattgefunden hat - gelautet haben. Die über 500 Rinder der Weidegmeinschaft Hochalm-Bärntal haben ihr Sommerquartier bezogen. Manche zu Fuß - andere sind mit dem Lastwagen oder im Anhänger gekommen. Einigermaßen ungewöhnlich war für so manchen der doch zeitige Termin. Dieser hat dem Vorstand des Vereines unter der Führung von Obmann Alois Kiegerl doch einiges an Kritik – von Stadtmenschen und Berufskollegen - eingebracht. Die Tiere seien arm, weil sie noch nichts zu fressen hätten und würden „plärrend“ auf der Alm herumirren, hieß es. Dieser Kritik wird entgegnet, dass im Gegensatz zu den bisherigen Gepflogenheiten ein früherer Almauftrieb nur Vorteile hat. Das „plärren“ kommt übrigens davon, dass die Kühe zeitgleich mit dem Auftrieb von ihren Jungtieren getrennt werden um vor dem nächsten Kalb eine zirka zweimonatige Ruhepause zu haben.


Ohne Almbewirtschaftung kein Borstgras

Die Weiden der Koralpe bestehen zum allergrößten Teil aus Borstgras. Dieses ist seit kurzem auch ein Natura 2000 Schutzgut, was für die Bauern insofern interessant ist, da es das Borstgras nur gibt, wenn eine Almbewirtschaftung stattfindet. Es hat die Eigenschaft, dass es vom Rind nur in sehr jungem Zustand gefressen und gut verdaut werden kann. Ältere Pflanzenbestände können nicht mehr gegrast werden und bleiben ungenutzt stehen. Das bedeutet, dass die Weiden im Frühjahr extrem zeitig bestoßen werden müssen um das naturbedingte Überangebot dieser Jahreszeit „abzufangen“, damit es auch im Sommer noch frisches Borstgras gibt. Besonders wichtig wäre es natürlich, dass es über den Sommer genügend Niederschlag gibt aber das haben wir leider nicht in der Hand.

Große Artenvielfalt

Noch immer herrscht auch große Unwissenheit unter der Bevölkerung betreffend der Artenvielfalt auf der Alm. Hier wird häufig behauptet, dass eine recht intensive Beweidung negative Auswirkungen auf diese habe. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Durch die oft zu schwache Bestoßung der Alm geschah es, dass viele dieser Flächen von Heidekraut und Heidelbeeren überwuchert wurden. Diese Bereiche sind alles andere als artenreich und müssen oft mühselig in Handarbeit wieder rekultiviert werden.


Hunde machen Probleme

Ein weiteres Problem verursachen immer wieder die Hunde auf der Alm. Durch die natürlichen Haltungsbedingungen sehen viele Kühe (vor allem mit jungen Kälbern) den Hund als Feind und attackieren diesen wenn sie sich bedroht fühlen. Abgesehen davon können die Keime im Kundekot bei Rindern zu Fehlgeburten führen. Es ist die große Bitte der Weidegemeinschaft, dass Hundehalter die Kuhherden umgehen und den Kot ihrer Tiere einsammeln. Die Weidegemeinschaft empfiehlt, den guten alten Wanderstock auf die Alm mitzunehmen. Damit können – mit etwas Mut - Tiere im Notfall abgewehrt werden.

Durch Information und Aufklärung will die Weidegemeinschaft erreichen, dass Unfälle mit Rindern vermieden und auch in Zukunft eine flächendeckende Bewirtschaftung der Almen gesichert werden kann. Nur so ist es möglich, die Schönheit unserer Natur- und Kulturlandschaft sowie die Produktion unserer hochwertigen Lebensmittel zu erhalten. Auf einen erfolgreichen Almsommer 2017!

von Alois Kiegerl, Obmann der Weidegemeinschaft Hochalm-Bärntal
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