Klarheit für Gratkorner Baujuwel
Kein Schutzschild für die Reitervilla

Noch ist die Reitervilla, oft auch als Direktionsvilla bezeichnet, bewohnt. Sappi hat jedoch bereits Interesse an der Liegenschaft bekundet.
  • Noch ist die Reitervilla, oft auch als Direktionsvilla bezeichnet, bewohnt. Sappi hat jedoch bereits Interesse an der Liegenschaft bekundet.
  • Foto: WOCHE
  • hochgeladen von Andrea Sittinger

Gemunkelt wurde und wird ja bereits seit Langem: Fällt die sogenannte Direktionsvilla in der Bahnhofstraße in Gratkorn offiziell unter Denkmalschutz oder doch über kurz oder lang der Abrissbirne zum Opfer? Die WOCHE hat bei Christian Brugger, dem Leiter der Abteilung für Steiermark des Bundesdenkmalamts, nachgefragt: "Wir haben uns die Villa angeschaut und aufgrund bereits vorliegender Rechercheergebnisse bewertet", schildert Brugger.

Keine Unterschutzstellung

Das Fazit der Experten ist klar, wenn auch für viele Geschichtsliebhaber wahrscheinlich ernüchternd: "Die Villa hat zwar für Gratkorn eine gewisse Wertigkeit, weil es dort keine bis wenig vergleichbare Bauten gibt, aber wir werden kein Unterschutzstellungsverfahren einleiten, weil es nach den Kriterien des Denkmalschutzgesetzes keine ausreichende Bedeutung aufweist", führt der Landeskonservator aus, der in diesem Zusammenhang "auf einen gewissen Level" verweist, der hier schlicht nicht gegeben sei. Der historische Bezug zur ursprünglichen Annahme, es handle sich um eine Direktorenvilla, konnte nicht hergestellt werden, "sondern es ist viel eher naheliegend, dass es das Haus des Werksarzts war", erklärt Brugger.
Tatsächlich erfährt man aus dem Gratkorner Gemeindeamt, dass "das Objekt Reitervilla im Jahr 1899 baubewilligt wurde. Der Bauwerber (und damit wahrscheinlich auch der Eigentümer) war Josef Hötzl". Um 1940 sei die Villa schließlich ins Eigentum der Papierfabrik Leykam-Josefsthal und weitere fünf Jahrzehnte später ins Eigentum der Leykam-Siedlung gekommen.
 

Sappi bekundet Interesse

Derzeit befindet sich die Villa folglich im Besitz der Leykam Siedlung, die die Teile der Villa vermietet hat, was Leykam Siedlung-Geschäftsführer Joachim Egger gegenüber der WOCHE bestätigt. Er berichtet auch, dass "die Firma Sappi in naher Zukunft von ihrem Vor- und Wiederkaufsrecht Gebrauch" machen werde. Für Ortsunkundige: Die Reitervilla liegt quasi "wie eine Insel der Seligen" mehr oder weniger inmitten des Betriebsgeländes des Papierkonzerns. "Gerne bestätigen wir unser grundsätzliches Interesse an dieser Liegenschaft. Diese ist Teil unseres mittel- und langfristigen Entwicklungskonzeptes für das Werk Gratkorn", bekräftigt Sappi-Chef Max Oberhumer. "In direktem Zusammenhang mit dieser Liegenschaft stehen auch Überlegungen sowohl zu Erweiterungen bei den Holz- oder Pilelagerflächen als auch zur Erneuerung des Brückenkonzeptes." Über den zeitlichen Horizont gibt Oberhumer allerdings noch keine genauen Angaben. Fakt ist, dass momentan ohnehin noch Leben in der Villa herrscht, schließlich sind noch neun Mieter dort untergebracht. Solange die Wohnungen noch im Eigentum der Leykam Siedlung stünden, würde an einvernehmlichen Auflösungen der Mietverhältnisse gearbeitet, betont Joachim Egger. "Wir bieten frei werdende Wohnungen in bestehenden Wohnhäusern und von Wohnungen in unseren neuen Bauvorhaben an und unterstützen beim Siedeln". Auf diese Weise konnten innerhalb kurzer Zeit bereits mehrere unbefristete Verträge einvernehmlich aufgelöst werden.


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