24.08.2016, 17:00 Uhr

Schlechte Zeiten, gute Zeiten

Schnaittach liegt im bayrischen Regierungsbezirk Mittelfranken und punktet u. a. mit der Rokoko-Festung Rothenberg. (Foto: frankentourismus.de)

Gemeinsam haben sie die Kriegsgefangenschaft überstanden. Ihr Wunsch nach Frieden lebt in der Gemeindepartnerschaft zwischen Frohnleiten und Schnaittach weiter.

„Wir sehen die Partnerschaft mit Schnaittach, die sich seit 2014 auch in gegenseitigen Besuchen und einem regelmäßigen Meinungsaustausch zwischen der CSU Schnaittach und der ÖVP Frohnleiten manifestiert, als Ausdruck unserer Offenheit für das Friedensprojekt Europa, das wir gemeinsam pflegen wollen, sowie als Zeichen, dass wir als kleine österreichische Stadt über den Tellerrand der eigenen Kommune hinausblicken“, bringt Bürgermeister Johannes Wagner die Intention dieser Gemeindepartnerschaft auf den Punkt.

Kriegsgefangene

Formell besteht die Verbindung zwischen der deutschen Marktgemeinde Schnaittach und der Stadtgemeinde Frohnleiten seit dem 6. September 1996. Den Grundstein dafür legten Feuerwehrkameraden aus den beiden Regionen, die gemeinsam die Kriegsgefangenschaft überlebt hatten, jedoch schon viel früher. Nach ihrer glücklichen Heimkehr haben sie erst einmal ihre beiden Feuerwehren miteinander verbunden. Im Laufe der Zeit kam dank Internet ein immer intensiverer Austausch von immer mehr Menschen zustande. Man besuchte einander, nahm wechselweise an Veranstaltungen teil und vertiefte so die persönlichen Freundschaften.
Im Zentrum des grenzüberschreitenden Miteinanders steht speziell seit der offiziellen Verpartnerung ein offener Gedankenaustausch, der ein mit den Jahren immer enger zusammenwachsendes Europa zum Inhalt hat. Auch wenn es die Kriegskameraden aus dem Zweiten Weltkrieg heute nicht mehr miterleben können, dieses Bemühen um ein geeintes, friedliches Europa dürfte wohl durchaus in ihrem Sinne sein.

Friedensprojekt

Inmitten dieses Europas liegt im Schnaittachtal der Markt Schnaittach. Hoch über der Ortschaft thront die Festungsruine Rothenberg. Sie war bis zur Eingliederung Mittelfrankens in Bayern eine Festung der Wittelsbacher – noch heute ist ihr Beiname in Erinnerung: „der bayrische Stachel im Nürnberger Fleisch“. Recht interessant ist die religiöse Vorgeschichte des Ortes. Noch bis in die ersten Jahre des 19. Jhd. war die christliche Bevölkerung hier, anders als jene der Umlandgemeinden, katholisch. Seit dem 15. Jhd. gab es außerdem eine große jüdische Gemeinde. Das Jüdische Museum in Franken erinnert im ehemaligen Gebäudekomplex der Synagoge noch heute daran. Außerdem verweist auf dem Neuen Friedhof seit 1952 ein Denkmal an 39 jüdische Bewohner, deren Grabsteine der NS-Diktatur zum Opfer gefallen waren.
Damit schließt sich der Kreis. Wer auf den Spuren der im Holocaust Deportierten wandelt, auf die sich vor Ort kein Hinweis finden lässt, der denkt vielleicht auch an die Kameraden von einst, die sich für ihr Land, ihren Kontinent bestimmt eines ganz sicher gewünscht haben: Frieden.

Infobox

Fläche: 49,35 km2
8.245 Einwohner (2015)

Schnaittach liegt im bayrischen Regierungsbezirk Mittelfranken, im Landkreis Nürnberger Land. Die Stadt Nürnberg ist von hier aus per Bahn nahezu im Stundentakt zu erreichen.
Neben dem Jüdischen Museum Franken ist vor allem die Rokoko-Festung Rothenberg, gebaut in den Jahren von 1729 bis 1750 einen Besuch wert. Außerdem lässt sich eine ganze Reihe von Baudenkmälern entdecken, die vom alten Tagelöhnerhaus über ein Kruzifix aus dem 18. Jhd. und eine Fachwerkscheune auf Sandsteinsockel bis hin zu einer ehemaligen Schmiede und einer kleinen Barockkapelle reicht.
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