Grenzenloses Glück zu dritt

Jakob Putz (33) ist halbseitig gelähmt und stark sehbehindert, weil er als Baby einen Wasserkopf hatte. Seine Lebensgefährtin Jasmin Treffer (29) ist blind. Ihr gemeinsamer, kerngesunder Sohn Philipp (2) rennt quietschvergnügt durch die Wohnung auf der Suche nach Gummibärchen – und diverse Barrieren befinden sich eindeutig in den Köpfen der Beobachter und beginnen zu bröckeln.
„Ja, natürlich wollten wir immer eine Familie gründen“, sagt Putz.
Warum nicht?, sagt sein Lächeln.
In der gemeinsamen Wohnung, in der die dreiköpfige Familie lebt, stehen Gitterbett und Fitnessgerät – und manche Dinge funktionieren hier anders: Das Flascherl-Machen zum Beispiel. Ein Messgerät zeigt den Eltern durch akustische Signale, wann die Flasche voll ist. Seinen Sohn zu tragen? Das erledigt der Papa mit selbstgebastelten Gurten, in denen Philipp wie ein Kletterer sitzt. Wenn nötig, hat auch seine Mama den Buben mit längeren Gurten gut im Griff.
Unterstützung gibt es auch durch die Freizeitassistenz: Studenten unterstützen die Familie beim Einkaufen, Wohnung putzen oder am Spielplatz mit Philipp. „Dort werden wir oft gemustert“, sagt Putz. Dann entstehen Fragezeichen in den Köpfen anderer Eltern. Was ihm wichtig ist: „Wenn es Fragen gibt, sollen die Leute uns lieber ansprechen, anstatt sich Probleme und Barrieren für uns auszudenken. Oft sind die Dinge einfacher als es scheint.“

Anbandeln einmal anders
Verliebt hat sich das Pärchen an der Uni, im Kreise der Studenten mit Behinderung. „Das klassische Anbandeln ist bei uns halt weggefallen“, schmunzelt Putz. „Der Vorteil: Ich hätte auch abenteuerliche, orange Haare haben können.“ Sie: „Ich habe gleich gewusst, den lass ich so schnell nicht mehr los“.
Die 29-Jährige schreibt bald ihre Diplomarbeit in Psychologie. Putz studierte Italienisch und Spanisch und arbeitet an der K.F.-Uni-Anlaufstelle für Studenten mit Behinderung, wo er Lernstoff etwa in Form von Hörbüchern organsiert. Und Philipp? Der liebt derzeit besonders Traktoren in allen Farben. Er heftet sich auch gerne an die Fersen seiner Mutter, sobald sie ein Glas Wasser holt und tönt „Mama!“. Ansonsten turnt er auf Papas Schoß und bekommt einen Schmatzer aufgedrückt.
Mit ihren Behinderungen leben Putz und Treffer von Geburt an. „Ich bin ich seit 33 Jahren – und individuell, wie jeder Mensch“, sagt er. Warum das Paar sich für die Zeitung befragen lässt? „Wenn wir als normale Menschen wahrgenommen werden wollen, müssen wir auch Einblick in unser Leben geben“. Oft sind die Dinge richtig klar, das liegt wohl an der gesunden Beziehung zur Welt.

Tag der Menschen mit Behinderung

Am 3. Dezember ist der „Internationale Tag der Menschen mit Behinderung“, ausgerufen von den Vereinten Nationen. Er soll Bewusstsein für die Probleme der Betroffenen schaffen und dazu
anregen, sich für ihre Würde und Rechte einzusetzen.

Die UN-Behindertenrechtskonvention ist ein internationaler Vertrag, in dem sich die Unterzeichner­staaten verpflichten, die Menschenrechte von Menschen mit Behinderungen zu fördern und zu schützen. Österreich hat die Konvention 2008 ratifiziert.

Die Rechte von Menschen mit Behinderung regelt österreichweit auch das Bundesbehindertengesetz und auf Landesebene das Steiermärkische Behindertengesetz.

Infos über Zuschüsse und Hilfsmittel etwa bietet in Graz
das Referat für Behindertenhilfe (Sozialamt): Schmiedgasse 26, 2. Stock, Tel. 0316/872-6430.

Praktische Informationen für den barrierefreien Alltag in Graz liefert das Online-Portal von „Graz Tourismus“ (unter dem Punkt „Graz barrierefrei“): Hier finden nicht nur Touristen vielfältige Infos etwa über die Ausstattung von öffentlichen Verkehrsmitteln, Unterkünften, Restaurants, Sightseeing oder Museen.
Die Homepage dazu: www.graztourismus.at/de/gut-zu-wissen/graz-barrierefrei.

Autor:

Elisabeth Pötler aus Graz

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