Sie greift nach den Sternen

- hochgeladen von Elisabeth Pötler
Sie erforscht Stürme im All und arbeitet mit der NASA zusammen: Die Grazer Weltraumforscherin Rumi Nakamura erhält als erste Frau die Julius-Bartels-Medaille.
Haben Sie eigentlich jemals davon geträumt, Astronautin zu werden?
Ja, ein bisschen (lacht). Als ich vor 30 Jahren in Tokio studiert habe, sind in Japan die ersten Frauen als Astronautinnen ausgewählt worden. Weil ich aber einen schlechten Zahn hatte, habe ich den Traum gleich wieder verworfen. Das war ein No-go.
Warum sind Sie Weltraumforscherin geworden?
In Japan studiert man erst Naturwissenschaften allgemein und entscheidet sich dann etwa für Biologie oder Physik – je nachdem, was einem liegt. Einer meiner Professoren hat sich mit Polarlichtern beschäftigt. Das hat mich sehr fasziniert.
Nun werden Sie mit der Julius-Bartels-Medaille ausgezeichnet. Was erforschen Sie denn am Institut für Weltraumforschung (IWF)?
Ich erforsche die Wechselwirkungen zwischen Erde und Sonne, die durch elektromagnetische Energie entstehen. Dazu gehören etwa Polarlichter und Stürme im All, die wir mit unseren Erkenntnissen besser vorhersagen können.
Woher kommen die Informationen?
Wir werten Daten aus, die wir von Satelliten aus der ESA-Mission „Cluster“ und der NASA-Mission „Themis“ bekommen. Nächstes Jahr kommt eine neue Generation von vier NASA-Satelliten dazu. Dann sind genauere Messungen möglich. Am IWF sind wir einer der größten nicht-amerikanischen Partner bei diesem Projekt.
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Ich sitze am Computer und rechne. Und ich überlege mit Kollegen, welche Messgeräte wir für die neue Mission an Bord der Satelliten brauchen können. Diese werden zum Teil in Graz entwickelt.
Warum ist diese Forschung überhaupt wichtig?
Wir erforschen, wie die elek-tromagnetische Energie auf die Erde einwirkt. So kann man etwa Störungen in der Telekommunikation und Probleme bei Flügen besser vermeiden. Das kann in Zukunft wichtig sein, wenn wir in höheren Höhen fliegen. Als Wissenschafter wollen wir natürlich unsere Erde verstehen. Dann können wir auch Schlüsse ziehen, auf welchen Planeten Leben möglich ist.
Sie bekommen die Auszeichnung nun als erste Frau. Gibt es in der Weltraumforschung so wenige Frauen?
Ich habe an der Uni in Tokio studiert. In Geophysik gab es ziemlich wenig Frauen. Aber je mehr man sich spezialisiert, desto kleiner wird die Gruppe, da fällt das weniger auf. Ich fürchte aber, dass es noch einige Vorbehalte Frauen gegenüber gibt. Ich kann das nicht verstehen.
Ist die Situation in Japan ähnlich wie in Österreich?
In beiden Ländern gibt es gleich wenige weibliche Weltraumforscherinnen. In Japan werden einige Posten deshalb nun sogar nur mit Frauen besetzt – das ist natürlich auch keine gute Lösung, finde ich.
Sie haben in Deutschland, Japan und den USA geforscht. Warum sind Sie nach Graz gekommen?
Wegen meinem Mann. Er ist auch Weltraumforscher. Ich habe ihn in Deutschland kennen-gelernt und in Japan wiedergetroffen. Er ist nach Graz gegangen. Seit 2001 bin ich auch hier am IWF.
Hat sich Ihre Weltsicht durch Ihre Arbeit geändert?
Ja, mir ist bewusst, dass wir winzig klein sind und dass wir nur einen kleinen Ausschnitt der Zeit erleben – in Relation dazu, wie alt unser Sonnensystem ist.
Wie entspannen Sie sich am besten?
Mein Mann liebt die Gartenarbeit, ich auch. Ich baue japanisches Gemüse an, etwa spezielle Salat und Kräuter.
Das gelingt in Graz bestens!
STECKBRIEF
- leitet in Graz am Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften“ die Weltraumplasmaphysikgruppe, die Daten aus ESA- und NASA-Missionen auswertet.
- Die Julius-Bartels-Medaille wird ihr im April 2014 von der Europäischen Geoscience Union verliehen.
- seit 2001 mit ihrem Mann in Graz.
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