Gefragte Frau
"Diskriminierung an der Universität passiert subtil"
- AKGL-Vorsitzende Maria Elisabeth Aigner engagiert sich für Gleichberechtigung an der Uni Graz.
- Foto: MOMOOD/ Alexandra Neubauer
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Theologin Maria Elisabeth Aigner ist Professorin für Pastoraltheologie sowie Vorsitzende des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen (AKGL) an der Universität Graz. Welche Verbindung es zwischen ihrer Profession als Theologin und dem Einsatz für Frauenrechte gibt und wo die Uni in puncto Gleichstellung steht, erzählt Aigner im Interview.
mit "MeinBezirk.at".
GRAZ. Diskriminierungen im universitären Kontext entgegenzuwirken ist die Aufgabe des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen (AKGL) an der Uni Graz – sowie rechtlich verankert auch an allen anderen österreichischen Universitäten. Wie der Status quo in puncto Gleichstellung an der Uni Graz aussieht und in welcher Form Diskriminierung an der Uni zu Tage tritt, erzählt die Leiterin der Abteilung für Pastoralpsychologie und Vorsitzende des Arbeitskreises, Maria Elisabeth Aigner. Die Theologin spricht zudem darüber, wie sich ihre Wege zwischen Kirche und dem Kampf für die Gleichstellung von Frauen kreuzen.
Welche Verbindung gibt es zwischen Ihrer Profession als Theologin und Ihrem Einsatz für Gleichstellung?
Maria Elisabeth Aigner: Als Theologin habe ich mit der Kirche zu tun – einer Institution, in der die definitorische Macht ausschließlich bei den Männern liegt. Das ist natürlich ein fundamentales Unrecht. Insofern findet man im kirchlichen Kontext immer wieder Bereiche, in denen sich Frauen solidarisieren, aktiv engagieren und kirchenpolitisch tätig werden, um diese Ungerechtigkeit zu verändern – dort, wo viel Unterdrückung da ist, entsteht immer auch ganz viel Potenzial, dass sich jemand dagegen auflehnt.
- "Die Arbeit beim AKGL ist Sisyphusarbeit."
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Aus den Erfahrungen als Frau, die kirchlich sozialisiert wurde, bringe ich also eine hohe Sensibilisierung mit. Zudem ist mein Fach, die Pastoralpsychologie, das an der Schnittstelle von Theologie und Psychologieangesiedelt ist, besonders hilfreich beim Einsatz für Gleichberechtigung: Je besser man Bescheid weiß, wie Menschen ticken – wenn sie Macht ausüben oder wenn sie unterdrückt werden – desto effizienter kann man handeln.
"Die Kirche ist ein guter Ort, um Gleichbehandlung zu lernen."
Ihre Verbindung zur Kirche schließt sie also nicht aus, sondern erfordert Ihre Arbeit für Gleichberechtigung?
Ich glaube, dass sich an der Frauenfrage im kirchlichen Kontext alles entscheiden wird: Wie man mit diesem Thema umgeht, wird zeigen, ob es überhaupt mit der Kirche weitergeht und in welcher Form.
Mit welchen Themen befasst sich der AKGL und wie arbeitet er?
Der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen (AKGL) ist ein gesetzlich eingerichtetes Universitätsorgan, in dem Angehörige des wissenschaftlichen und des allgemeinen Personals sowie Studierende mitwirken. Wir sind 36 Mitglieder an der Uni Graz – aus allen Kurien und Fakultäten. Mit Ausnahme meiner Büromitarbeiterinnen arbeiten wir alle ehrenamtlich.
Verantwortlich ist der AKGL dafür, Diskriminierungen entgegenzuwirken und Frauenförderung zu betreiben. Außerdem sind wir eine Anlaufstelle bei Mobbing, Belästigungen und Konflikten unterschiedlichster Art. Das heißt wir machen viel an Beratungstätigkeiten. Die alltägliche Arbeit hat in erster Linie mit Personalverfahren zu tun, bei denen wir dafür zuständig sind, Benachteiligungen auszuschließen.
- "Die Universität sollte eine Vorbildwirkung für die Gesellschaft haben."
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Wie äußert sich Ungleichbehandlung im universitären Kontext?
Es gibt fünf Diskriminierungstatbestände, für die wir im AKGL zuständig sind: das Geschlecht; die sexuelle Orientierung; das Alter, Religion und Weltanschauung und die Ethnie. Zu betonen ist, dass das Geschlecht noch immer der Diskriminierungstatbestand ist, mit dem wir am meisten zu kämpfen haben. Was wir dabei wahrnehmen ist, dass Diskriminierungen mittlerweile sehr subtil passieren. Das Gleichstellungsrecht ist in Österreich so stark, dass man Frauen nicht mehr einfach 'rauskicken' kann. Das heißt, man bedient sich sehr subtiler Mittel, damit die Frau doch nicht zum Zug kommt. Um dem auf die Schliche zu kommen bedarf es umsichtiger Wahrnehmung und politisch kluger Handlungsstrategien.
Wo stehen wir in puncto Gleichberechtigung an der Uni Graz?
Diesbezüglich tut sich ganz viel – da bin ich auch stolz auf unsere Universität und den Arbeitskreis, der seit 30 Jahren sehr viel leistet. An der Uni Graz gibt es zum Beispiel eine Koordinationsstelle für Geschlechterstudien&Gleichstellung, außerdem gibt es in Forschung und Lehre das Bemühen, das Thema zu ventilieren: Wir haben es geschafft, dass in allen Bachelor- und Diplomstudien verpflichtend 2 ECTS Genderstudies zu absolvieren sind – jede Person, die an dieser Universität studiert, kommt dadurch einmal mit dieser Thematik in Berührung.
Bei welchen Themen gibt es noch Handlungsbedarf ?
Die zwei großen Themen sind noch immer die gläserne Decke bei den Professuren – da beißen wir uns nach wie vor die Zähne aus. Wir sind noch weit davon entfernt, dass es gleich viele Professorinnen wie Professoren gibt. In Sachen Berufungen von Professorinnen gehen wir immer zwei Schritte nach vorne und eineinhalb zurück – Die Arbeit beim AKGL ist insofern Sisyphusarbeit.
Das andere große Thema ist der Gender Pay Gap, der gerade bei den Professuren aber auch im Verwaltungspersonal auf Führungsebene noch ganz stark vorhanden ist. Die Universität sollte eine Vorbildwirkung für die Gesellschaft haben – sie ist die höchste Bildungseinrichtung im Land. Dass sie mit gutem Beispiel vorangeht, gelingt nicht immer. Es ist wichtig, weiter hinzuschauen.
- "Aus den Erfahrungen als Frau, die kirchlich sozialisiert wurde, bringe ich also eine hohe Sensibilisierung mit."
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Steckbrief: Maria Elisabeth Aigner
Die Theologin Maria Elisabeth Aigner ist Universitätsprofessorin am Institut für Pastoraltheologie und Pastoralpsychologie und wissenschaftliche Leiterin des gleichnamigen Lehrgangs an der Uni Graz. In Lehre und Forschung befasst sie sich dabei mit dem interdisziplinären Zusammenhang von Theologie und Psychologie. Zudem liegt einer ihrer Forschungsschwerpunkte im Bereich der feministischen Theologie.
Seit fast zwanzig Jahren engagiert sich die Wissenschafterin zudem ehrenamtlich im Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen (AKGL) der Uni Graz, von dem sie 2016 den Vorsitz übernommen hat. Der AKGL ist ein gesetzlich eingerichtetes Universitätsorgan, in dem Angehörige des wissenschaftlichen und des allgemeinen Personals sowie Studierende mitwirken. Der Arbeitskreis ist verantwortlich dafür, Diskriminierungen im universitären Kontext entgegenzuwirken und Frauenförderung zu betreiben. Zudem ist er Anlaufstelle bei Mobbing, Belästigungen und Konflikten unterschiedlichster Art.
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