Gastro-Profi Albert Kriwetz fordert: Bars brauchen ein besseres alkoholfreies Angebot!

Es muss nicht immer Alkohol sein: Albert Kriwetz
  • Es muss nicht immer Alkohol sein: Albert Kriwetz
  • Foto: Jorj Konstantinov
  • hochgeladen von Stefan Haller

Prosecco zum Anstoßen, ein Feierabendbier oder Wein zum Essen: Alkohol ist fester Bestandteil unserer Gesellschaft. Was aber, wenn man eine Zeit lang auf Alkohol verzichten will oder muss? Auf welche Alternativen können Nicht-Trinker zurückgreifen? Albert Kriwetz, Eigentümer der Bar Albert in der Herrengasse, wagte in der Fastenzeit den Selbstversuch und ortet Handlungsbedarf.

Harte Selbstdisziplin

"In der Bar bin ich jeden Tag von Alkohol umgeben, habe mir aber vorgenommen, in der Fastenzeit darauf zu verzichten", erzählt Kriwetz. Gesagt, getan. Sogar eine Woche länger, bis zum 7. April, hat er es durchgezogen. "An meinem Geburtstag genoss ich den ersten Schluck Wein." Aber davor war er beinhart und diszipliniert. "Die Reaktionen waren durchwegs positiv, aber es war wirklich nicht einfach", erzählt der erfahrene Gastronom. Berufsbedingt musste er zu vielen Weinverkostungen, -präsentationen und -messen. "Und natürlich hat man manchmal auch Gusto auf ein Glaserl Wein oder ein Bier", erinnert sich der Barchef, der meint, dass ihn sein Umfeld bei dem Vorhaben bestärkt habe.

Auf die Qualität kommt es an

"Nur ging mir bald das Latein bei den antialkoholischen Getränken aus", war Kriwetz auf der Suche nach alkoholfreien Alternativen. Zuckerhaltige Industriegetränke standen bei ihm an letzter Stelle und auch die Klassiker wie Mineral-Zitrone hatte er bald satt. "Wir bieten beispielsweise eine Hauslimonade mit natürlichen Inhaltsstoffen an, und unsere Gäste schwören derzeit auch auf Verjus." Den Verjus hat der ausgebildete Sommelier vom Weingut Tement. Es ist der Saft unreifer Trauben, der alkoholfrei, kalorienarm und nicht histaminhaltig ist. "Alkohol soll mit Maß und Ziel genossen werden und es gibt Situationen, wo man nicht darauf verzichten will. Dagegen spricht natürlich nichts", erzählt Kriwetz. Aber für Autofahrer oder Menschen, die zu Mittag einen Drink nehmen wollen, soll es eben alkoholfrei sein. Daher appelliert er, das Angebot antialkoholischer Getränke in der Gastronomie zu steigern. "Qualitativ hochwertig müssen sie sein, das ist das Wichtigste."

Der Mensch zählt

"Die Toleranz für alkoholfreie Getränke in einer Runde wird immer größer, daher muss man hier nachziehen", hebt Kriwetz hervor.
In der Bar Albert wird beispielsweise der Verjus in einem Weinglas serviert, weil gute, alkoholfreie Getränke gleich wertvoll sind wie alkholhaltige. "Mir gefällt auch der Brauch nicht, dass man mit Menschen, die keinen Alkohol trinken, nicht anstößt!" Denn laut Kriwetz zählen die Menschen – egal ob diese alkoholische oder antialkoholische Getränke konsumieren. 

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