Gestalterin mit Weitblick: "Gefragte Frauen" mit Claudia Unger

Vielseitig: Claudia Unger ist im Bildungs- und Kulturbereich stark verankert und scheut keine berufliche Herausforderung. Die Abteilung für Volkskunde will sie spür- und erlebbar machen.
  • Vielseitig: Claudia Unger ist im Bildungs- und Kulturbereich stark verankert und scheut keine berufliche Herausforderung. Die Abteilung für Volkskunde will sie spür- und erlebbar machen.
  • Foto: Jorj Konstantinov
  • hochgeladen von Christoph Hofer

Claudia Unger ist seit Juli Geschäftsführerin der Abteilung für Volkskunde des Universalmuseums Joanneum.

Das Leben schreibt die spannendsten Geschichten und davon kann Claudia Unger ein Lied singen. Die promovierte Germanistin hat bereits viele berufliche Stationen durchlaufen, war Leiterin des Afro-Asiatischen Institutes und Büroleiterin von Finanz- und Kulturstadtrat Günter Riegler. Seit Juli hat sie die Geschicke der Abteilung für Volkskunde am Universalmuseum Joanneum übernommen, wo sie für das Volkskundemuseum und Freilichtmuseum Stübing zuständig ist.

WOCHE: Von der Politik ins Museum: Jetzt sieht Ihr Alltag womöglich anders aus?
Claudia Unger: Ja, definitiv. Ich habe jeder meiner Aufgaben sehr gerne ausgeübt und so ist es natürlich auch jetzt. Natürlich kann man ein Museum nicht mit einem politischen Büro vergleichen, die Dynamik ist eine andere, genauso wie die Herausforderungen. Auf diese freue ich mich aber enorm und bin mir sicher, dass ich gemeinsam mit meinem Team viel bewegen kann.

Sie waren Jugend-, Europa- und Gesellschaftspolitikreferentin der Diözese Graz-Seckau, Leiterin des Bildungshauses Mariatrost und haben sieben Jahre lang das Afro-Asiatische Institut geleitet. Was verbindet diese Aufgaben?
Mir liegt der Bildungs- und Kulturbereich sehr am Herzen. Die Frage ist immer: Wie funktioniert Gesellschaft und wie kann sie noch besser funktionieren? Die Zeiten haben sich geändert und wir stehen jetzt vor anderen Fragen als noch vor 20 Jahren. Der demografische Wandel, die Größe der Stadt, die Digitalisierung: All das im Kontext von Bildung, Kultur, Gesellschaft ist enorm spannend.

Welche Ihrer Positionen hat Sie am nachhaltigsten geprägt?
Das war mit Sicherheit die Zeit im Afro-Asiatischen Institut. Die Internationalität, das Projektmanagement, der wissenschaftliche Anspruch und die Energie, mit der dort Ideen verwirklicht werden, hat meinen Horizont buchstäblich erweitert. Am prägendsten waren aber die Menschen, die ich kennenlernen durfte und die unheimlich inspirierend sind. Ich verfolge auch heute noch das Tun des Instituts und freue mich, dass es nach wie vor so erfolgreich ist.

Sie engagieren sich seit jeher ehrenamtlich und waren auch im Menschenrechtsbeirat aktiv. Was motiviert Sie für diese Tätigkeiten?
Es gibt viele tolle und bemerkenswerte Initiativen und der Solidaritätsgedanke treibt mich an, diese zu unterstützen. Es ist grundsätzlich wichtig, eine Form der gesellschaftlichen Solidarität zu pflegen, die nicht einen finanziellen Gegenwert für ein Engagement bemisst oder auf einen anderen Eigennutz abzielt. Ehrenamtliches Engagement bedeutet auch, Sinnvolles zu tun und dadurch selbst bereichert zu werden.

Waren Sie in Ihrer Karriere schon mal mit dem Frausein konfrontiert?
Ich persönlich war selten von Diskriminierung betroffen, kenne aber durchaus die Probleme in gewachsenen Systemen und so mancher Struktur. Das sorgt für Ungerechtigkeiten und Probleme, die nicht kleingeredet werden dürfen. Frauen sollten diesen mit durchaus kämpferischem Selbstbewusstsein und Kompetenz begegnen, wichtig ist aber auch, dass sie die Chancen auf Einfluss und Verantwortung wahrnehmen.

Sind Sie eine Macherin?
Ich würde mich als Gestalterin bezeichnen. Mit Selbstbewusstsein, Durchsetzungsfähigkeit und Einsatzbereitschaft kann man viel erreichen. Das erwarte ich auch von meinen Mitarbeitern. Jeder sollte die Chancen, die sich ihm bieten, ergreifen und keine Angst vor dem Gestalten, gepaart mit einem Weitblick für die Idee, haben.

Welche Bedeutung messen Sie der Volkskunde bei?
Die Auseinandersetzung mit dem Alltagsleben auf wissenschaftlichem Niveau ist sehr wichtig, weil sich damit Fragen der persönlichen und kollektiven Identität verbinden und der Blick auf die Vergangenheit die Gegenweit mit erklärt. Außerdem ist es einfach sehr interessant, weil alle Themen auf irgendeine Weise mit den Menschen unmittelbar zu tun haben. Das Museumstal in Stübing und das Museum in der Paulustorgasse zeigen ganz viele Facetten und sollten Fixpunkte für alle sein.

Steckbrief

Geboren am 21. Mai 1973 in Graz
2000: Promotion in Germanistik
Berufliche Stationen (Auszug) 2007 bis 2010: Leiterin des Bildungshauses Mariatrost, 2010 bis 2017: Leitung des AAI, 2017 bis 2019: Büroleitung Stadtrat Riegler, aktuell: Leitung der Volkskunde.

WOCHE-Wordrap

Als Kind wollte ich ... viel erleben.
Volkskunde ist ... vielfältig und hat ganz viel mit unserem Leben zu tun.
Ich tanze ... zu Musik aus der ganzen Welt.

Autor:

Martina Maros-Goller aus Graz

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