Ostern in Corona-Zeiten
"Bewahren wir uns Hoffnung und Zuversicht", appelliert Bischof Wilhelm Krautwaschl

"Wir müssen im Jetzt leben und nicht auf das Vergangene schauen", appelliert Bischof Wilhelm Krautwaschl an die Steirerinnen und Steirer.
  • "Wir müssen im Jetzt leben und nicht auf das Vergangene schauen", appelliert Bischof Wilhelm Krautwaschl an die Steirerinnen und Steirer.
  • Foto: Konstantinov
  • hochgeladen von Roland Reischl

Es wird ein Osterfest, wie wir es in der Form noch nie erlebt haben. Kreuzweg, Speisensegnung, Auferstehungsfeier – all das findet nur online und "daheim" statt. Für die steirische Kirche, wie vieles in diesen Zeiten, Neuland. Die WOCHE hat darüber mit dem steirischen Diözesanbischof Wilhlem Krautwaschl gesprochen und ihn zum (virtuellen) Interview gebeten.

Herr Bischof, wie geht es Ihnen eigentlich ganz persönlich mit der Situation?
Ich persönlich bin gesund, das trifft auch auf mein privates und berufliches Umfeld zu. Dafür bin ich dankbar. Ich habe die letzte Zeit in Seggau verbracht, quasi in persönlicher Klausur. Hier arbeite ich und feiere die tägliche Messe mit einer kleinen Gemeinschaft. In der Bischofskonferenz tauschen wir uns über Telefonkonferenzen und Emails aus. Bisweilen fand ich kaum Zeit, ein Buch zur Hand zu nehmen.

Wie halten Sie Kontakt zu Ihrer Familie?
Da teile ich vermutlich das Schicksal aller, indem ich mehr telefoniere und die sozialen Medien benutze.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit Ihren Mitarbeitern ab?
Wie telefonieren regelmäßig. Dazu kommen viele Emails, die eine oder andere SMS und WhatsApp-Gruppen. Manches besprechen wir immer noch persönlich, halten dabei aber größere Abstände ein.
 

Wie digitalfit sind Sie denn?

Ich höre rundum, dass ich gut unterwegs sei. Ich habe einen Account auf Facebook und Instagram, nutze Videokonferenzen und Email und Internet gehören sowieso zum normalen Tagesgeschäft.

Kommt den Medien jetzt eine besondere Bedeutung zu?
Auf jeden Fall. Vor allem den klassischen, alten Medien. Wir werden überflutet von Gerüchten, die sich in den sozialen Medien schnell verbreiten und für Unsicherheit sorgen. Da sind redaktionell bewertete, verlässliche Inhalte noch viel mehr wert als sonst.

Haben auch Sie Phasen, in denen es Ihnen weniger gut geht und wie richten Sie sich wieder auf?
Natürlich nimmt mich diese Situation mit. Meine Berufung ist es, für Gott und die Menschen da zu sein. Vieles davon ist mir nun genommen, vor allem die persönlichen Begegnungen gehen mir ab. Aber so unerfreulich die Lage ist: ich kann nur jetzt leben – und daher gilt es, diesen Augenblick ganz zu leben. Gerade Ostern und die Auferstehung von Jesus Christus zeigen uns, wie wichtig das Heute ist und dass wir am Leben vorbeigehen würden, wenn wir nur das Vergangene - um es am Beispiel Jesu deutlich zu machen: den Karfreitag - sehen: da gehen wir am Leben vorbei. Und das gibt Hoffnung für das Aushalten: Wir dürfen hoffen, dass sich eine schlimme Situation zum Guten wendet. Jesus gesamtes Leben und Sterben ist aufgrund der Auferstehung ein wunderbarer Beleg dafür, dass für uns Christen immer Hoffnung da ist, dass das letzte Wort über mich und auch über Dich noch nicht gesprochen ist. Daran können wir uns alle immer wieder aufrichten. 

Was können Sie als Bischof, was kann die Kirche jetzt beitragen? Welche konkreten Maßnahmen wurden und werden gesetzt?
Kirche ist eine Gemeinschaft. Vieles an unseren Ausdrucksformen hierfür ist uns derzeit genommen. Trotzdem bemühen wir uns nach Kräften, für die Menschen da zu sein, Seelsorge zu leisten, Halt und Sicherheit zu geben. Viele vermissen die Messfeiern. Dank der Kleinen Zeitung übertragen wir aber täglich eine Messe live im Internet. Auch die Feiern der Karwoche werden im Internet und auf ORF3 zu sehen sein, die Speisensegnung auf ORF2. Soweit ich weiß, nutzen auch Pfarren in unterschiedlicher Weise die klassischen und modernen Medien. Um die Seelsorge weiter so gut wie möglich anbieten zu können, haben wir die „Du bist nicht allein“-Hotline unter (0316) 8031 577 eingerichtet. Dort können alle anrufen, die sich überfordert oder alleine fühlen, denen es wegen dieser Situation nicht gut geht.

Welche Rolle spielt die Caritas in dieser Zeit?
Unsere Caritas hat ihre Aktivitäten in der Nothilfe verstärkt. Sie ist als Organisation einmal mehr unverzichtbar. Mit ihrem #TeamNächstenliebe bringt die Caritas Hilfe Suchende und Helfende zusammen. Die Diözesen und die Bischofskonferenz haben zusätzlich einen Corona-Nothilfefonds über eine Million Euro eingerichtet, der über die Caritas als kirchliche Einrichtung abgewickelt wird. Die Caritas gibt auch Lebensmittel in Graz und in Regionen mit besonderem Bedarf aus. Die Mitarbeiter kümmern sich dort um die Schwächsten der Gesellschaft, Menschen die es ohne Corona schon sehr schwer im Alltag haben. Die Caritas gibt auch Lebensmittel in Graz und in Regionen mit besonderem Bedarf aus. Weil die Haussammlung wegen der außergewöhnlichen Situation heuer nicht möglich ist, bitten wir zu Ostern um Spenden in digitaler Form.

Wie bereiten Sie sich auf das Osterfest vor?
Die einfachste Antwort ist: durch die Fastenzeit, durch die "40 Tage" mit ihrem ganz besonderen Gepräge. Die uns auferlegte "Quarantäne" (übrigens kommt der Begriff aus dem italienischen "quaresima" - wörtlich: "40 Tage", mit dem dort die Fastenzeit bezeichnet wird) hat für mich eine Verwesentlichung ganz besonderer Art mit sich gebracht: "Was ist unbedingt zu tun? Und damit auch: Was kann in dieser Zeit weggelassen werden?". Daher ist mein Gebetsleben ein regelmäßigeres geworden und damit auch der Tagesablauf strukturierter ...

Was bedeutet es für die Kirche, dieses höchste religiöse Fest nicht im traditionellen Rahmen feiern zu können?
Leider ist doch die Situation entstanden, von der wir gehofft haben, sie bliebe uns erspart. Das Feiern in der Gemeinschaft, wie wir es gewohnt sind, ist derzeit nicht möglich. Das ist natürlich gerade zu Ostern traurig. Daher haben wir auch einige Feieranleitungen für zu Hause in einem Sonntagsblatt-Spezial der vergangenen "Woche" beigelegt. Darüber hinaus verweisen wir aber auch auf die Möglichkeit, über das Radio, das Fernsehen oder Angeboten an Livestreams im Internet gemeinsam "live" zu feiern. Es gibt aber auch andere Angebote im Netz, etwa meine täglichen "Bibelgedanken" oder seit vergangenem Freitag eine "Reise zu mir" - eine Lebensmeditation als halbstündige Betrachtung zur Vorbereitung auf das große Fest.

Sind nach der Corona-Krise Online-Gottesdienst weiter Thema?
Die Eucharistie im Videostream ist keine Dauerlösung. Sie wird auch nicht vollständig vollzogen, wenn man den Leib Christi in der Kommunion nicht erhält. In Zeiten der Not und Krankheit sind solche Gottesdienst-Übertragungen aber eine Möglichkeit der geistlichen Besinnung und Vertiefung und gerade deswegen sinnvoll. Die Mess-Übertragung etwa am Sonntag Vormittag ist, wenn ich es so salopp sagen darf, im ORF-Radio nach wie vor ein "Quotenhit".

Welche Chancen ergeben sich aus der Krise für die Kirche?
Wer mehr Zeit hat, hat auch mehr Zeit zum Nachdenken. Krisen können ein Anstoß zu mehr Spiritualität sein. Sicher fragen sich nun viele, warum so etwas passiert. Warum Gott so etwas zulässt. Nun hat Gott seiner Schöpfung freie Hand gelassen. Da können auch Dinge passieren, die furchtbar sind. Aber Gott steht auch dafür, dass sich das Gute am Ende durchsetzen wird.

Was entgegnen Sie jenen Menschen, die sagen, die Krise sei eine „Strafe Gottes“?
"Krise" bedeutet Unterscheidung. In solchen Zeiten wird also die Spreu vom Weizen geschieden. "Was zählt wirklich? Was trägt mich wirklich?" Krisenzeiten hat es im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder gegeben. So gesehen sind Herausforderungen auch eine Chance. Die christlichen Grundtugenden lauten Glaube, Liebe und Hoffnung. Die sind zu vertiefen und das hat mit "Strafe" gar nichts am Hut.

Was ist Ihre Botschaft an die Steirerinnen und Steirer zum Osterfest?
Zu Ostern, so glauben wir Christen, besiegt Jesus den Tod: für Menschen unmögliches wird Wirklichkeit. Jesus gesamtes Leben und Sterben ist ein grandioser Beleg dafür, dass für uns Christen immer Hoffnung da ist, dass das letzte Wort über uns noch nicht gesprochen ist. ER, der Auferstandene ist mit uns – in guten wie in schwierigen Zeiten wie diesen. Also bewahren wir uns die Hoffnung, dass wir als eine Menschheit gemeinsam diese Krankheit meistern und voll Zuversicht in die Zukunft schauen.

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