Die Kraft der Worte

Foto: Eckhart

Gratulation! Sie haben die österreichische Poetry Slam Meisterschaft gewonnen. Was können Sie besonders gut?
Typisch für mich ist eine überbordende Exzentrik in der Performance.

Beim Poetry Slam hat jeder Teilnehmer fünf Minuten Zeit, seinen Text vorzutragen. Dann stimmt das Publikum ab. Welche anderen Regeln gibt es?
Keine! Der Text ist selbstgeschrieben, aber er muss sich nicht reimen, muss nicht einmal rhythmisch sein. Man kann jedes Thema wählen …

Warum ist Poetry Slam so beliebt?
Gedichte vorzutragen galt unter jungen Leuten doch lange Zeit als wenig aufregend. Ich glaube, es liegt daran, dass das Publikum voten kann und entscheidet, wer gewinnt. Das lockt viel mehr Besucher an als gewöhnliche Lesebühnen. Vielleicht haben die Leute das Gefühl, dass ihre Stimme bei einer Nationalratswahl wenig bewirkt, aber hier sind sie entscheidend. Das ist eine Art „Brot und Spiele“, bei dem die Teilnehmer quasi eliminiert werden.

Über welche Themen schreiben Sie?
Ich kritisiere die Gesellschaft: Das reicht vom Gesundheitswahn, über den Rechtsruck und der Kritik an verschiedensten Massenbewegungen. Ich rufe zur Skepsis auf.

Warum machen Sie das in Form von Poetry Slam?
Ich will auf der Bühne stehen! Ich wollte früher Schauspielerin werden, wurde aber bei einigen Aufnahmeprüfungen zunichte gemacht (lacht).
Jetzt möchte ich keine fremden Texte mehr rezitieren.

Gab es andere berufliche Stationen?
Nein, ich habe nie etwas anderes gemacht! Ich kann nichts anderes!(lacht) Ich bin in Graz zur Schule gegangen und habe dann in Paris Germanistik studiert.

Was machen Sie, wenn Sie nicht auf Poetry Slam Bühnen stehen?
Am Freitag hatte mein Kabarett „Als ob sie etwas besseres zu tun hätten“ Premiere in Wien. Damit werde ich auch im Zuge der „Langen Nacht des Kabaretts“ durch Österreich touren. Ansonsten schreibe ich an meinem zweiten Buch.

Schlüpfen Sie in eine Rolle, wenn Sie auf der Bühne stehen und Ihre Texte vortragen?
Ich kann mich nur selbst spielen, ich zeige eine bestimmte Facette von mir. Hinter der Bühne bin ich vielleicht ein bisschen versöhnlicher in Bezug auf die Realität.

Auf der Bühne wirken Sie androgyn: Mit Sakko und weiß geschminkt. Sind Geschlechterrollen ein Thema für Sie?

Ich möchte auf der Bühne nicht als Frau wahrgenommen werden. Denn dann gäbe es vielleicht andere Erwartungshaltungen. Ich will exzentrisch, aber geschlechtsneutral auftreten. Die Aufmerksamkeit soll sich ganz auf meinen Text richten.

Gibt es im Poetry Slam viele Frauen?

An der Basis sind es viele, aber je höher man steigt, desto weniger werden es. Bisher gab es neun österreichische Meister, ich bin erst die zweite Frau. Woran das liegt, ist schwer zu sagen. Die Entscheidung liegt beim Publikum und das ist meistens gemischt.

Eine Lieblingszeile aus einem Ihrer Texte?
Alledem, was göttlich mir gebietet, gib schändlich ich den Judas-Kuss. Denn heilig ist mir meine Freiheit, dass ich nichts heilig finden muss.

WOCHE WORDRAP

Mein erster Gedanke in der Früh …
… ist meist dem Harndrang gewidmet.
Ein Lied, bei dem ich lautstark mitsinge …
… ist die Bundeshymne von Kasachstan.
Das Beste daran eine Frau zu sein, ist …
… niemals auf sein Äußeres beschränkt zu werden.
Als TV-Heldin wäre ich ...
… einprägsamer als das Testbild.

STECKBRIEF
- geb. am 6.9. 1992
- besuchte in Graz die HIB Liebenau
- Germanistik-Studium in Wien, lebt nun in Berlin

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Die Pokale in Form eines Fressnapfs.  | Foto: Fressnapf Österreich
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