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Ein Besuch in der Geschichte des Grazer Alpenvereins

Gearbeitet für eine Ausstellung ohne Besucher: Beat Gugger, Otto Hochreiter, Gudrun Kreuzwirth, Günter Riegler
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  • Gearbeitet für eine Ausstellung ohne Besucher: Beat Gugger, Otto Hochreiter, Gudrun Kreuzwirth, Günter Riegler
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Ganz ehrlich: Man leidet einfach mit den Verantwortlichen: "Graz Museum"-Direktor Otto Hochreiter, Kurator Beat Gugger und Gudrun Kreuzwirth (Alpenverein) haben jede Menge Herzblut und Engagement in die Ausstellung "Stadt sucht Berg" investiert – genau am geplanten Eröffnungstag kam der Beschluss, das Museum für Besucher zu schließen.
Damit hatte bis dato niemand die Möglichkeit, diese spannende Ausstellung über 150 Jahre Geschichte des Alpenvereins "Sektion Graz" zu sehen. Niemand? Nun: Eine kleine feine Abordnung mit Kulturstadtrat Günter Riegler und der WOCHE durfte vorab in die Ausstellung hineinschnuppern - ein Erlebnis, an dem wir Sie, liebe Leserinnen und Leser gerne teilhaben lassen.

Streifzug durch die Geschichte des Alpenvereins

Drei Aspekte sind es, so Riegler, der ja auch Obmann des Grazer Alpenvereins ist, seien es gewesen, die man in den Fokus rücken wollte: Erstens den Zeitlauf von 1870 bis heute, zweitens die dunklen Jahre der Geschichte von 1939 bis 1945 und deren Aufarbeitung. Und drittens: Die Stärke des Ehrenamtes, die den Alpenverein heute ausmacht. "Da geht es um tausende Kilometern an Wegen, die man markiert, um 100 Tourenführer, interreligiöse Andachten, Inklusionsklettern, die Jugendarbeit, Trendsportarten und vieles mehr", so Riegler.
Das unterstreicht auch Kurator Beat Gugger: "Wir wollten den Menschen, die Mitglieder in den Mittelpunkt stellen." Und auch der Titel "Stadt sucht Berg" hat eine wesentliche Bedeutung: "Es waren die Städter die ersten, die damals in die Berge gegangen sind. Sie sind zurückgekommen und haben von ihren Erlebnissen erzählt – genau das ist auch die Idee der Ausstellung." Das Bürgertum spielte dabei eine wesentliche Rolle, so hat sich bereits seit vielen Jahrzehnten der Grazer Gemeinderat verpflichtet, sich um das Stubenberghaus am Schöckl zu kümmern.

Historische Meilensteine des Alpenvereins

Im geschichtlichen Rückblick hat man mehrere "Pflöcke" eingeschlagen: Das Grüdnungsjahr 1870, den ersten großen Zusammenschluss 1895, die Zeit nach dem 1. Weltkrieg 1920, das Anschlussjahr 1939, die "Neugründung" 1949, die großen Entwicklungsschritte 1970 bis hin zum weltoffenen Freizeit-, Klima- und Naturschutzverein 2020.
Besonderes Augenmerk legte man dabei vor allem auf die unselige Zeit zwischen 1920 und 1945. Alle Aufzeichnungen aus diesen Jahren waren vernichtet worden. "Deshalb haben wir parallel eine historische Aufarbeitung in Auftrag gegeben", berichtet Otto Hochreiter. Entstanden ist eine 80-seitige Arbeit, ein, wie Hochreiter sagt, "glaubwürdiger Abschluss mit der Geschichte".
Denn bereits 1920 hatte der Alpenverein Graz den "Arierparagraph" in seine Statuten aufgenommen. "Man muss das so festhalten: Nazi-Deutschland ist 1938 nicht einfach so über uns gekommen, da war leider schon einiges vorhanden", merkt Hochreiter an. Während des Weltkriegs ist der Alpenverein dann zur Gänze ins Nazi-Regime integriert worden, auch nach dem 2. Weltkrieg gab es Bestrebungen von Alt-Nazis, den Alpenverein wieder unter ihr Kuratel zu bekommen – immerhin ging es da um Vermögen, um Grundstücke, um Hütten. Erst 1949, mit der oben angesprochenen "Neugründung" setzte sich die liberale Strömung endgültig durch – die heute einen offenen, zukunftsorientierten Alpenverein Graz mit rund 22.000 Mitgliedern, Engagement, Ehrenamt und Naturschutz möglich gemacht hat.

Schauen Sie vorbei im digitalen Museum
Übrigens: Das "Graz Museum" wartet in Coronazeiten mit einem ganz besonderen besonderen Service auf: Unter dem Link Graz Museum digital können Sie einen virtuellen Streifzug durch das Museum starten.

Autor:

Roland Reischl aus Graz

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