Gelebte Menschlichkeit: LKH Pflegedirektorin Christa Tax im Gespräch

Begleitung aus Leidenschaft: Pflegedirektorin Christa Tax schätzt das Engagement ihres Teams sowie den persönlichen Austausch mit Mitarbeitern und Patienten, die sie regelmäßig am LKH-Gelände besucht.
  • Begleitung aus Leidenschaft: Pflegedirektorin Christa Tax schätzt das Engagement ihres Teams sowie den persönlichen Austausch mit Mitarbeitern und Patienten, die sie regelmäßig am LKH-Gelände besucht.
  • Foto: Jorj Konstantinov
  • hochgeladen von Martina Maros-Goller

Vor 36 Jahren hat Christa Tax als Kinderkrankenschwester am Landeskrankenhaus Graz ihre Berufslaufbahn eingeschlagen. Seit zehn Jahren ist sie Pflegedirektorin und Chefin von 3.200 Mitarbeitern.

WOCHE: Das Thema Pflege begegnet jedem Menschen im Leben. Wie sehen Sie als Pflegedirektorin dieses Thema?
Christa Tax: Die Pflege begleitet Menschen von der Geburt bis zum Tod. Es ist eine vielseitige und fordernde Aufgabe, wo man auch viel zurückbekommt. Für mich bedeutet Pflege immer Begegnung mit Menschen und die besondere Wahrnehmung ihrer Bedürfnisse. Wir legen den Fokus nicht nur auf die Betreuung im Krankheitsfall, sondern auch auf die Erhaltung der Gesundheit. Prävention ist dabei ein Schlüsselwort, das durch Beratung, Anleitung und Information gelingt.

Worauf achten Sie bei der Pflege besonders?
Der Patient steht immer im Mittelpunkt unserer Tätigkeit. Unsere Mitarbeiter leisten großartige Arbeit und wenn ich den tagtäglichen Einsatz zum Wohl der Patienten sehe, dann sehe ich gelebte Menschlichkeit. Das ist auch meine Erwartungshaltung an die Mitarbeiter. Das fachliche Wissen setze ich voraus, aber Höflichkeit, Freundlichkeit und Menschlichkeit entscheiden, denn Menschlichkeit schafft Vertrauen und Vertrauen schafft Sicherheit.

Die Medizin kann ohne Pflege nicht funktionieren ...
Wir arbeiten mit den ärztlichen Teams Hand in Hand. Die Pflegeteams sind die einzigen, die 24 Stunden beim Patienten sind und ein vollumfassendes Bild haben. Wir sind Partner der Mediziner und für mich ist das eine Kooperation auf Augenhöhe in einem multiprofessionellen Team.

Wie bewerten Sie die Entwicklungen in der Pflege in den vergangenen Jahren?
Der Pflegebedarf ist gestiegen, wir haben mehr ältere Menschen und mehr Menschen mit chronischen Erkrankungen sowie Mehrfacherkrankungen. Das ist zugleich auch die Herausforderung für die Zukunft, für die wir schon gut vorbereitet sind. Mit der Akademisierung der Pflegeausbildung ist ein großer Meilenstein gelungen. Diese ist enorm wichtig, da wir den Patienten durch die Ausbildung und Spezialisierung von Fachkräften die bestmögliche Betreuung gewährleisten können.

Pflege benötigt viele menschliche Ressourcen und gute Zusammenarbeit ...
Ein gut aufgestelltes Team ist das Fundament für gute Pflege und wir haben ein Laufbahnmodell für den gehobenen Dienst entwickelt. 115 Führungskräfte und 3.200 Mitarbeiter tragen große Verantwortung, denn es geht um Menschenleben. Wir setzen auf Weiterbildungen der Mitarbeiter und diese geben auch ihr Wissen weiter, das ist ein wahrer Schatz im Unternehmen.

Kann der Pflegebedarf ohne Engpässe gedeckt werden?
Am LKH sind wir gut aufgestellt, wir haben 58 Normalpflegestationen, zehn Intensivstationen sowie 65 OP-Tische und viele Ambulanzen. Unser Haus steht allen Menschen 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag offen und wir sind für Fragen oder Anliegen auch immer telefonisch erreichbar. Wir haben ein exzellentes Versorgungssystem, das nicht selbstverständlich ist. Jeder Patient bekommt die Behandlung, die er braucht, unabhängig von seiner Herkunft, seinem sozialen oder finanziellen Status. Zur Zwei-Klassen-Medizin: Einen Unterschied gibt es nur bei den Zimmern. Bei der Pflegeleistung und Behandlung wird nicht differenziert, die ist gleich.

Wie sehen Sie die Hauspflege?
Ich habe großen Respekt und Achtung vor pflegenden Angehörigen und die häusliche Pflege kann nicht ersetzt werden. Ich hoffe, dass alle Pflegenden jemanden in ihrem Umfeld haben, der auf sie schaut und sie rechtzeitig um Hilfe bitten, bevor die Situation für sie selbst zu belastend wird.

Ihr berührendstes Erlebnis als Pflegedirektorin?
Ich freue mich über jede Kleinigkeit, die die Lebensqualität von Patienten steigert. Ewig in Erinnerung wird mir der Tag der Amokfahrt in Graz bleiben. Das perfekte Zusammenspiel an diesem Tag und die Einsatzbereitschaft aller Mitarbeiter war einfach überwältigend. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass der Pflegeberuf nicht durch Geräte ersetzt, sondern weiterhin von Menschen für Menschen durchgeführt wird.

WOCHE-WORDRAP

Ich schätze an Menschen ... dass ich von jedem lernen kann.
Ich wollte immer ... Kinderkrankenschwester werden.
Zum Lachen bringen mich ... Kinder.

STECKBRIEF

Geboren am 2. Juni 1962
Verheiratet, eine Tochter, Enkel Viktor
Managementausbildungen und Studium an Donau-Uni Krems
Seit 1981 Kinderkrankenschwester am LKH, 2002 Oberschwester
Seit 2007 Pflegedirektorin des Landeskrankenhauses Graz

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